Die deutsche Pharmaverpackungs-Branche erlebt im Februar 2026 ihre vielleicht dramatischste Woche. Auf der einen Seite steht Gerresheimer, der traditionsreiche Konzern aus Düsseldorf, der nach einem massiven Bilanzbeben um seine Glaubwürdigkeit ringt. Auf der anderen Seite glänzt Schott Pharma aus Mainz mit soliden Zahlen und präsentiert sich als Fels in der Brandung.

Für Anleger stellt sich heute, am 16. Februar 2026, die entscheidende Frage: Bietet der tiefe Fall bei Gerresheimer eine historische Einstiegschance für Risikofreudige, oder ist die stabile Schott Pharma derzeit die einzig investierbare Option?

Chaos gegen Planbarkeit: Die aktuelle Lage

Bis vor wenigen Tagen galten beide Unternehmen als Wettbewerber auf Augenhöhe, die beide vom Megatrend der GLP-1-Abnehmmedikamente profitieren wollten. Doch die Ereignisse der letzten Woche haben die Vorzeichen radikal verändert.

Gerresheimer steht mit dem Rücken zur Wand. Interne Prüfungen haben Verstöße gegen Bilanzierungsrichtlinien aufgedeckt, was eine Verschiebung des Jahresabschlusses 2025 zur Folge hatte. Der Markt reagierte gnadenlos: Die Aktie stürzte um rund 30 % ab. Das Management muss nun Umsatz- und Ergebniskorrekturen für 2024 vornehmen und sieht sich zu einem Notverkauf der US-Tochter Centor Inc. gezwungen, um die Bilanz zu stabilisieren.

Ganz anders die Stimmung in Mainz: Schott Pharma nutzte die Gunst der Stunde. Nur einen Tag nach dem Düsseldorfer Beben legte der Spezialist seine Q1-Zahlen vor. Das Unternehmen lieferte genau das, was verunsicherte Investoren jetzt suchen: Bestätigte Prognosen, währungsbereinigtes Wachstum von 4,8 % und eine steigende Profitabilität. Während Gerresheimer Feuer löscht, baut Schott seine Marktposition aus.

Wer verdient das bessere Geld?

Ein Blick auf die Margen offenbart die qualitative Diskrepanz zwischen den beiden Rivalen.

Bei Schott Pharma zeigt die Kurve nach oben. Die EBITDA-Marge kletterte im ersten Quartal auf starke 27,1 %. Das Unternehmen profitiert massiv von seinem Fokus auf "High-Value-Lösungen", wie vorfüllbaren Glasspritzen für die boomenden Abnehmspritzen. Dieser hochmargige Bereich macht mittlerweile 57 % des Umsatzes aus und schützt die Mainzer vor Preiskämpfen im Standardgeschäft.

Gerresheimer hingegen kämpft mit der eigenen Buchhaltung. Für 2024 müssen rund 24 Millionen Euro EBITDA korrigiert werden. Noch schwerer wiegen die drohenden Wertminderungen für 2025 in Höhe von bis zu 240 Millionen Euro. Die Profitabilität leidet unter dem Druck der Restrukturierung und den Kosten für die Aufarbeitung der internen Verstöße. Von einer stabilen Marge kann hier aktuell keine Rede sein.

Bilanz-Check: Substanz oder Schuldenberg?

Auch beim Blick in die Bücher trennt sich die Spreu vom Weizen.

Gerresheimer drückt eine hohe Schuldenlast. Der geplante Verkauf der Tochter Centor Inc. ist kein strategischer Schachzug aus Stärke, sondern eine Notwendigkeit, um den Verschuldungsgrad (Leverage) in den Griff zu bekommen. Das Unternehmen muss Tafelsilber verkaufen, um finanziell handlungsfähig zu bleiben.

Schott Pharma agiert dagegen aus einer Position der finanziellen Stärke. Mit einer sehr niedrigen Verschuldung und einer soliden Net-Cash-Position haben die Mainzer den Spielraum, in den Ausbau der Kapazitäten für den GLP-1-Boom zu investieren, ohne die Bilanz zu überdehnen.

Finanzkennzahlen im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle verdeutlicht den massiven Unterschied zwischen dem angeschlagenen Sanierungsfall und dem profitablen Premium-Anbieter.

Kennzahl Gerresheimer Schott Pharma
Marktkapitalisierung ~900 Mio. € (nach Absturz) ~3,0 Mrd. €
Umsatztrend Korrektur nach unten nötig +4,8 % (Q1 2026 wb.)
EBITDA-Marge Sinkend / Unsicher 27,1 % (steigend)
Finanzlage Verkauf von Assets nötig Sehr solide / Net Cash
Dividende (2025e) Fraglich / Ausgesetzt 0,18 € (Vorschlag)

Fazit: Das fallende Messer und der sichere Hafen

Das Duell der Pharmaverpackungs-Giganten ist im Februar 2026 entschieden einseitig.

Gerresheimer ist derzeit ein klassisches "fallendes Messer". Der Vertrauensverlust durch die Bilanzunregelmäßigkeiten wiegt schwer, und die Unsicherheit über die endgültige Höhe der Abschreibungen macht eine seriöse Bewertung fast unmöglich. Die Aktie ist nur noch eine Wette für hochspekulative Anleger, die auf einen langfristigen Turnaround hoffen.

Schott Pharma geht als klarer Sieger aus diesem Vergleich hervor. Die Mainzer liefern operative Exzellenz, wachsen profitabel und profitieren ohne interne Störfeuer vom GLP-1-Trend. Wer in diesem Sektor Ruhe und Qualität sucht, kommt an Schott derzeit nicht vorbei. Die höhere Bewertung erscheint angesichts der Risiken beim Konkurrenten als gerechtfertigter Aufschlag für Sicherheit.

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