Gerresheimer Aktie: Bilanzprüfung
Gerresheimer muss bei seinen Zahlen zurückrudern – und zwar gleich an mehreren Stellen. Der Konzern verschiebt die Veröffentlichung der Jahresergebnisse 2025, korrigiert Erwartungen und räumt Verstöße gegen interne Regeln sowie IFRS-Vorgaben ein. Kein Wunder, dass der Markt darauf empfindlich reagierte.
Die wichtigsten Punkte der Ad-hoc-Meldung:
- Jahresergebnisse 2025 werden verschoben (neuer Termin folgt)
- Zweitprüfung zu Umsatzrealisierung und Bilanzierung für 2024/2025
- Korrekturen für 2024: insgesamt rund -35 Mio. Euro Umsatz und -24 Mio. Euro bereinigtes EBITDA
- Prognose 2025: EBITDA-Marge nur noch 16,5% bis 17,5% (zuvor 18,5% bis 19,0%)
- Nicht zahlungswirksame Wertminderungen 2025: 220 bis 240 Mio. Euro
- Verkauf der US-Tochter Centor Inc. angestoßen
Warum die Zahlen verschoben werden
Der Vorstand entschied am 10. Februar, die eigentlich für den 26. Februar geplante Veröffentlichung des Jahres- und Konzernabschlusses 2025 zu verlegen. Der neue Termin soll erst noch gemeinsam mit dem Wirtschaftsprüfer festgelegt werden.
Auslöser ist eine zusätzliche Untersuchung: Neben der regulären Prüfung wurde eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, die Umsatzrealisierung und Bilanzierungspraktiken der Jahre 2024 und 2025 zu prüfen. Das hängt mit dem seit September 2025 laufenden BaFin-Verfahren zur Prüfung der Finanzberichte zusammen. Was bedeutet das konkret? Das Unternehmen will die betroffenen Punkte erst sauber aufarbeiten, bevor es den Abschluss vorlegt.
Verstöße, Korrekturen – und eine deutlich niedrigere Marge
Nach Angaben aus der Ad-hoc-Mitteilung deuten die bisherigen Ergebnisse darauf hin, dass einzelne Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und IFRS-Vorschriften verstoßen haben. Im Fokus stehen vor allem:
- die Erfassung von Umsatzerlösen
- die Bilanzierung und Bewertung von Vorräten
Für 2024 rechnet Gerresheimer mit zusätzlichen Anpassungen von rund 17 Mio. Euro bei den Umsatzerlösen und etwa 19 Mio. Euro beim bereinigten EBITDA. Zusammen mit bereits angekündigten Korrekturen aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen steigt der gesamte Korrekturbedarf für 2024 auf rund 35 Mio. Euro Umsatz und etwa 24 Mio. Euro bereinigtes EBITDA.
Die Auswirkungen reichen bis in die Prognose für 2025. Gerresheimer erwartet nun:
- beim Umsatz einen Rückgang am oberen Ende der bisherigen Spanne von -4% bis -2% oder leicht besser
- eine bereinigte EBITDA-Marge von 16,5% bis 17,5% (zuvor 18,5% bis 19,0%)
- beim bereinigten Ergebnis je Aktie einen Rückgang im hohen zweistelligen Prozentbereich, möglicherweise negativ (zuvor: mittlerer zweistelliger Prozentbereich)
Zusätzlich kündigt das Unternehmen nicht zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Mio. Euro im Konzernabschluss 2025 an. Betroffen sind vor allem Technologie- und Entwicklungsprojekte der Sensile Medical AG sowie Vermögenswerte der Gerresheimer Moulded Glass Chicago Inc. Das Formglas-Werk in Chicago Heights soll zum Ende des Geschäftsjahres 2026 schließen.
Centor-Verkauf gestartet, Ausblick für 2026 bestätigt
Parallel zur Bilanz-Thematik stellt Gerresheimer die Weichen in der Struktur: Der Verkauf der 100%-US-Tochter Centor Inc. wurde eingeleitet, Morgan Stanley begleitet den Prozess. Der Abschluss der Transaktion ist laut Mitteilung noch vor Jahresende geplant. Ziel ist eine Optimierung der Kapital- und Finanzierungsstruktur.
Die Trennung vom Formglas-Geschäft wird zwar weiter verfolgt, der anschließende Verkaufsprozess soll aber nicht mehr im Geschäftsjahr 2026, sondern später starten.
Für 2026 nennt Gerresheimer (vor M&A-Aktivitäten) folgende Erwartungen:
- Umsatzerlöse von rund 2,3 bis 2,4 Mrd. Euro
- bereinigte EBITDA-Marge von etwa 18% bis 19%
- moderat positiver Free Cash Flow, trotz eines erwarteten schwächeren ersten Halbjahres
An der Börse fiel die Reaktion deutlich aus: Laut Bloomberg sackte die Aktie gestern zeitweise um bis zu 35% ab und markierte damit den tiefsten Stand seit mehr als 16 Jahren.
Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 14. Februar liefert die Antwort:
Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. Februar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








