Gerresheimer muss gleich mehrere Baustellen auf einmal öffnen: Der Jahresabschluss 2025 wird verschoben, die Bilanzierung der Jahre 2024 und 2025 wird zusätzlich untersucht – und obendrauf stehen hohe Wertberichtigungen im Raum. Genau diese Mischung hat den Markt kalt erwischt und die Aktie gestern deutlich unter Druck gesetzt. Wie groß ist der finanzielle Schaden – und was folgt daraus für die kommenden Zahlen?

Die wichtigsten Punkte der Ad-hoc-Meldung:
- Jahres- und Konzernabschluss 2025: Veröffentlichung auf unbestimmte Zeit verschoben
- Zusätzliche Untersuchungen zur Umsatzrealisierung und Bilanzierung 2024/2025
- Korrekturen für 2024: rund 35 Mio. Euro Umsatz und etwa 24 Mio. Euro bereinigtes EBITDA
- 2025: niedrigere Marge und stark rückläufiges bereinigtes EPS, teils sogar negativ möglich
- Nicht zahlungswirksame Wertminderungen 2025: rund 220 bis 240 Mio. Euro
- Aktie: gestern rund -31% auf ein neues 52-Wochen-Tief

Abschluss verschoben – Bilanzierung im Fokus

Das Unternehmen verschiebt die Veröffentlichung des Jahres- und Konzernabschlusses 2025. Einen neuen Termin will Gerresheimer erst in Abstimmung mit dem Wirtschaftsprüfer festlegen.

Auslöser sind interne Hinweise: Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüft zusätzlich die Umsatzrealisierung und die Bilanzierungspraxis der Geschäftsjahre 2024 und 2025. Nach bisherigen Ergebnissen sollen einzelne Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und IFRS-Vorgaben verstoßen haben. Im Zentrum stehen Korrekturen bei der Umsatzerfassung sowie bei Bilanzierung und Bewertung von Vorräten. Gerresheimer spricht von bereits eingeleiteten personellen und organisatorischen Maßnahmen.

Korrekturen 2024, Prognose 2025 verfehlt

Für 2024 nennt Gerresheimer einen Korrekturbedarf von rund 35 Millionen Euro beim Umsatz und etwa 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA. Das steht laut Mitteilung im Zusammenhang mit laufenden BaFin-Verfahren und Erkenntnissen einer unabhängigen externen Anwaltskanzlei.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?

Für 2025 fällt das Bild ebenfalls schwächer aus als zuvor in Aussicht gestellt:
- Beim Umsatz rechnet das Unternehmen mit einem Rückgang am oberen Ende der Spanne von -4% bis -2% (oder leicht besser).
- Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei 16,5% bis 17,5% liegen – zuvor standen 18,5% bis 19,0% im Raum.
- Das bereinigte EPS soll im hohen zweistelligen Prozentbereich zurückgehen, möglicherweise sogar negativ ausfallen.

Hinzu kommen nicht zahlungswirksame Wertminderungen von rund 220 bis 240 Millionen Euro im Konzernabschluss 2025. Betroffen sind vor allem Technologie- und Entwicklungsprojekte der Sensile Medical AG sowie Vermögenswerte des Werks Gerresheimer Moulded Glass Chicago Inc. in den USA.

Portfolio- und Standortmaßnahmen: Centor-Verkauf, Chicago-Schließung

Parallel arbeitet Gerresheimer an der Kapital- und Finanzierungsstruktur. Der Verkauf der 100%igen US-Tochter Centor Inc. wurde eingeleitet, Morgan Stanley begleitet die Transaktion. Der Abschluss ist noch für 2026 geplant.

Außerdem soll das Type-1-Moulded-Glass-Werk in Chicago Heights im Rahmen des Transformationsprogramms „gto“ bis Ende 2026 schließen. Die Aktivitäten will das Unternehmen auf drei andere Werke in Italien und Indien verlagern.

Für 2026 stellt das Management – vor M&A-Aktivitäten – einen Umsatz von rund 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von etwa 18% bis 19% in Aussicht. Der Free Cash Flow soll trotz eines erwarteten schwächeren ersten Halbjahres moderat positiv ausfallen.

Im Markt kam die Nachrichtenlage dennoch hart an: Gestern rutschte die Aktie laut Marktdaten um rund 31% auf ein neues 52-Wochen-Tief. Die DZ Bank senkte ihr Kursziel und bekräftigte ihre Verkaufsempfehlung.

Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 13. Februar liefert die Antwort:

Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. Februar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...