In der Arena der europäischen Medizintechnik stehen sich zwei Schwergewichte gegenüber, deren aktuelle Formkurven unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite Siemens Healthineers, der langjährige Platzhirsch, der plötzlich ins Stolpern gerät. Auf der anderen Seite Koninklijke Philips, der einstige Sorgenfall, der sich eindrucksvoll zurückmeldet.

Wir schreiben Mitte Februar 2026. Während Siemens Healthineers mit einer Marktkapitalisierung von rund 50 Milliarden Euro noch immer der schwerere Boxer ist, zeigt der Herausforderer Philips (28 Milliarden Euro) die bessere Beinarbeit. Für Anleger stellt sich heute die entscheidende Frage: Ist der Kursrutsch beim Marktführer eine Kaufchance oder ist die Zeit reif, auf das Comeback der Niederländer zu setzen?

Wer dominiert das Parkett?

Die Stimmung an der Börse könnte gegensätzlicher kaum sein. Siemens Healthineers musste nach den Zahlen zum ersten Quartal 2026 einen herben Dämpfer hinnehmen. Zwar kletterte der Umsatz um 4 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro, doch der bereinigte Gewinn je Aktie sank um 3 Prozent auf 0,49 Euro. Der Grund für die nervösen Verkäufe? Das Sorgenkind Diagnostik und eine enttäuschende Entwicklung im wichtigen chinesischen Markt.

Ganz anders die Lage bei Philips. Die Niederländer präsentierten sich im vierten Quartal 2025 in Bestform. Aus einem Verlust im Vorjahr wurde ein Nettogewinn von 395 Millionen Euro. Ein vergleichbares Umsatzplus von 7 Prozent und eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen sorgten für Aufatmen. Die Prognose für 2026 signalisiert mit einem angepeilten Wachstum von 3 bis 4,5 Prozent zwar Vorsicht, aber auch Stabilität.

Der Maschinenraum: Wo wird das Geld verdient?

Ein Blick unter die Haube offenbart, warum die Motoren unterschiedlich rund laufen.

Siemens Healthineers ist dort stark, wo Hightech gefragt ist. Die Sparten Imaging (Bildgebung) und Varian (Krebsbehandlung) glänzen mit solidem Wachstum und starken Margen. Imaging legte um 6 Prozent zu, Varian sogar um 9 Prozent. Doch das Diagnostik-Geschäft wirkt wie ein Bremsklotz: Hier schrumpften die Umsätze um 3 Prozent. Besonders in China brachen die Erlöse ein, was die Gesamtbilanz verhagelt.

Philips spielt seine Karten anders aus. Das Unternehmen setzt auf einen Mix aus Profi-Medizin und Konsumenten-Produkten. Während die Sparte für Diagnose & Behandlung solide um 4 Prozent wuchs, entpuppte sich der Bereich Personal Health mit einem Sprung von 14 Prozent als echter Wachstumstreiber. Diese Diversifizierung macht Philips derzeit weniger anfällig für Schwankungen im reinen Klinikgeschäft.

Zahlen-Check: Bewertung und Substanz

Wie viel zahlen Anleger aktuell für die beiden Konkurrenten? Der direkte Vergleich der Fundamentaldaten zeigt spannende Diskrepanzen.

Kennzahl Siemens Healthineers Koninklijke Philips
KGV (letzte 12 Monate) 26,39 132,26
Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) 1,98 1,24
Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) 2,52 2,09
Bruttomarge 38,4 % 43,5 %
Bereinigte EBIT-Marge (letztes Q.) 15,0 % 15,1 %
Verschuldungsgrad (Debt/Equity) 76,7 % 73,6 %
Zinsdeckungsgrad 9,8x 6,1x
Liquidität 3. Grades (Current Ratio) 1,04 1,32

Das extrem hohe KGV von Philips ist trügerisch und resultiert aus den niedrigen Gewinnen der vergangenen Turnaround-Phase. Interessanter ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis: Hier ist Philips deutlich günstiger bewertet als der deutsche Rivale.

Bei der Profitabilität liegen beide operativ (EBIT-Marge) mit rund 15 Prozent gleichauf. Siemens Healthineers punktet jedoch mit einer deutlich besseren Zinsdeckung (9,8x), was in Zeiten volatiler Zinsen ein Sicherheitsnetz bietet. Philips hingegen hält mehr liquide Mittel bereit.

Zukunftsmusik: Wo liegt die Fantasie?

Was treibt die Kurse in den kommenden Monaten?

Bei Siemens Healthineers ruhen die Hoffnungen auf Innovation. Die erweiterte Partnerschaft mit der renommierten Mayo Clinic bei KI-gestützten MRTs und Krebstherapien zeigt, wo die Reise hingeht: High-End-Medizin. Doch kurzfristig bleibt die Luft dünn. Das Management musste bereits einräumen, dass das zweite Quartal schwächer ausfallen dürfte. Das China-Problem im Diagnostik-Bereich löst sich nicht über Nacht.

Philips reitet dagegen auf einer Welle der Erleichterung. Die vorgeschlagene Wiederbestellung von CEO Roy Jakobs sorgt für Ruhe, die Auftragsbücher füllen sich (+7 Prozent Auftragseingang). Die Risiken rund um den Respironics-Rückruf sind zwar noch nicht gänzlich vom Tisch, aber der Markt fokussiert sich zunehmend auf die operative Erholung und die starken Ziele für 2026 bis 2028.

Das Punkte-Duell

Wer hat im direkten Vergleich die Nase vorn? Eine Bewertung nach vier Schlüsselkategorien.

Kategorie (max. 25 Pkt.) Siemens Healthineers Punkte Koninklijke Philips Punkte
Bewertung Das KGV wirkt moderater, die Aktie ist nach dem Rücksetzer optisch günstiger. 18 Hohes KGV schreckt ab, aber günstiges KUV. Turnaround ist teils schon eingepreist. 12
Wachstum Starke Kernsparten werden durch schwache Diagnostik ausgebremst. 17 Breites Wachstum über alle Sparten, starkes Comeback im Konsumentengeschäft. 19
Qualität Solide Bilanz und höhere Zinsdeckung sprechen für Substanz. 20 Bessere Bruttomarge und Liquidität, aber geringere Zinsdeckung. 18
Momentum Negative Marktreaktion und gesenkte Erwartungen drücken die Stimmung. 13 Klare Aufwärtstendenz nach erfolgreichem Turnaround und guten Zahlen. 21
Gesamturteil 68/100 70/100

Fazit: Qualitäts-Schnäppchen oder Trend-Follower?

Das Rennen ist denkbar knapp, doch das Momentum liegt klar auf Seiten der Niederländer.

Siemens Healthineers ist derzeit der klassische Fall für geduldige Value-Investoren. Die Aktie wurde für die Probleme in der Diagnostik abgestraft, doch die Perlen im Portfolio – Imaging und Varian – glänzen weiterhin. Wer darauf wettet, dass der Konzern seine China-Probleme in den Griff bekommt, findet hier einen Marktführer zu einem vergleichsweise fairen Preis.

Koninklijke Philips ist die Wahl für Anleger, die "the trend is your friend" spielen. Das Unternehmen hat bewiesen, dass es Krisen bewältigen kann. Die Kombination aus profitablem Medizingeschäft und boomender Konsumentensparte macht die Aktie attraktiv, auch wenn die Bewertung bereits viele Vorschusslorbeeren enthält.

Am Ende entscheidet der Zeithorizont: Siemens für das langfristige Depotfundament, Philips für die dynamische Performance in den kommenden Quartalen.

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