TKMS Aktie: Ambitioniert im Aufwind
TKMS legt einen bemerkenswerten Start ins Jahr hin. Der Börsenneuling profitiert von großen Rüstungsprojekten, wachsender Übernahmefantasie und einem starken Sektorumfeld – bei zugleich sehr sportlicher Bewertung. Entscheidend ist nun, ob die aktuellen Projekte und strategischen Weichenstellungen die hohen Erwartungen tatsächlich rechtfertigen.
Kanada-Projekt als Schlüsselfaktor
Im Zentrum der aktuellen Story steht das kanadische U-Boot-Programm. TKMS konkurriert hier mit Hanwha Ocean aus Südkorea um einen der größten Rüstungsaufträge der vergangenen Jahre. Kanada prüft die Beschaffung von bis zu zwölf modernen U-Booten, das Gesamtvolumen wird auf mehr als 10 Milliarden Euro geschätzt.
Das Management um CEO Oliver Burkhard versucht, das eigene Angebot deutlich attraktiver zu machen als einen reinen Liefervertrag für Marineschiffe. TKMS hat das Paket strategisch erweitert:
- Verhandlungen mit deutschen und norwegischen Partnern über ein umfangreiches Investitionspaket
- Gespräche mit dem Raumfahrt-Startup Isar Aerospace
- Potenzielle Offset-Verpflichtungen über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren
- Enge Einbindung von Wirtschafts- und Verteidigungsministerium sowie des Bundeskanzleramts
Damit positioniert sich TKMS nicht nur als Rüstungslieferant, sondern als industrieller Partner für ein umfassendes Wirtschaftspaket. Im Raum stehen Investitionen in Seltene Erden, Bergbau, künstliche Intelligenz und Batterieproduktion – Themen, die auch geopolitisch Relevanz besitzen. Die Entscheidung Kanadas wird voraussichtlich noch 2026 fallen und könnte im positiven Fall die Auftragsbasis langfristig und deutlich ausweiten.
Übernahmefantasie in Kiel
Zusätzliche Dynamik kommt aus dem Heimatmarkt: TKMS hat ein unverbindliches Angebot für die benachbarte German Naval Yards Kiel vorgelegt. Die Werft liegt nur wenige Kilometer entfernt und könnte operative Vorteile bringen.
Im Fokus steht vor allem die Bündelung von Kapazitäten im Überwasserschiffbau. Durch eine Integration wären:
- bessere Auslastung bestehender Anlagen
- Effizienzgewinne in Produktion und Logistik
- sowie eine stärkere Position im Wettbewerb um Marineaufträge
denkbar. Noch ist der Schritt nicht bindend, doch allein die Option auf eine strukturelle Stärkung des Standorts Kiel sorgt für Fantasie im Kurs.
Gemischtes Bild bei Analysten
Trotz der positiven Projekteinschätzungen gehen die Meinungen der Analysten spürbar auseinander. Die Spannbreite der Kursziele verdeutlicht die Unsicherheit über das angemessene Bewertungsniveau.
Die wichtigsten Einschätzungen im Überblick:
- mwb research: Kursziel 102 Euro, Einstufung „Kaufen“
- Deutsche Bank: Kursziel 82 Euro, klar niedriger angesetzt
- Bernstein Research: Hochstufung von „Underperform“ auf „Market-Perform“, Kursziel 67 Euro
Vor diesem Hintergrund wirkt der aktuelle Kurs von 100,60 Euro heute mit einem Jahresplus von knapp 45 Prozent ambitioniert. Gleichzeitig liegt die Aktie exakt auf ihrem 52-Wochen-Hoch, während der 50-Tage-Durchschnitt bei 77,54 Euro deutlich darunter verläuft. Das unterstreicht die starke Rally der vergangenen Wochen.
Kennzahlen und Bewertung
Operativ kann TKMS auf einen deutlichen Ausbau des Geschäfts verweisen. Der Auftragsbestand liegt bei 18,2 Milliarden Euro, ein Plus von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist die Auslastung für die kommenden Jahre komfortabel abgesichert. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 6 Milliarden Euro.
Die wichtigsten Kennzahlen:
- Umsatz 2024/25: 2,17 Milliarden Euro
- Nettogewinn 2024/25: rund 105 Millionen Euro
- Eigenkapitalrendite: 8,05 Prozent
- KGV (TTM): 65,27
- Kurs-Umsatz-Verhältnis: knapp 3
Im Sektorvergleich liegt die Bewertung damit im oberen Bereich. Unterstützt wird sie vom strukturellen Rückenwind im europäischen Rüstungssektor mit steigenden Verteidigungsbudgets. TKMS ist als größter Hersteller konventioneller U-Boote mit einem Marktanteil von rund 70 Prozent an der NATO-Flotte strategisch gut positioniert, muss diese Stärke aber in dauerhaft profitablere Kennzahlen übersetzen.
Kursdynamik und Marktumfeld
Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 45 Prozent zugelegt, auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von gut 50 Prozent. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 57,45 bis 100,60 Euro. Der Kurs liegt damit rund 75 Prozent über dem Jahrestief und fast 30 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen für eine ausgeprägte Aufwärtsbewegung.
Die 30-tägige annualisierte Volatilität von 54 Prozent signalisiert jedoch, dass die Schwankungen erheblich sind. Der 14-Tage-RSI von 32,4 liegt nahe an der Schwelle zum überverkauften Bereich, was nach der starken Rally eher auf eine technische Atempause als auf Euphorie hindeutet.
Hauptversammlungen als nächste Wegmarken
Kurzfristig rücken zwei Termine in den Fokus. Am 30. Januar 2026 findet die ordentliche Hauptversammlung der Muttergesellschaft thyssenkrupp AG statt. Da thyssenkrupp weiterhin strategischer Mehrheitsaktionär von TKMS ist, haben Aussagen zur künftigen Rolle und möglichen Strukturmaßnahmen bei TKMS unmittelbare Relevanz für die Bewertung.
Die eigene Hauptversammlung von TKMS folgt am 27. Februar 2026 in Essen. Dort dürfte das Management die mittelfristige Strategie, den Ausbau der Kapazitäten und den Stand des Kanada-Projekts näher erläutern. Der schnelle Aufstieg in den MDAX nur zwei Monate nach dem Börsengang im Oktober 2025 zeigt, dass institutionelle Investoren die Story bereits aufgegriffen haben.
Fazit: Hohe Erwartungen, klare Trigger
Die TKMS-Aktie kombiniert eine starke operative Ausgangslage mit großen, aber noch nicht entschiedenen Projektchancen. Kanada-Programm, mögliche Übernahme der German Naval Yards Kiel und die anstehenden Hauptversammlungen bilden die zentralen Kurstreiber für die nächsten Monate. Angesichts eines KGV von über 65 und eines Kursniveaus auf 52-Wochen-Hoch bleibt die Bewertung jedoch anspruchsvoll – neue Aufträge und präzisere strategische Aussagen müssen diesen Vorschuss nun untermauern.
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