Thyssenkrupp treibt den Konzernumbau an mehreren Fronten voran: Ein möglicher Verkauf der Stahlsparte, ein Großauftrag der Marinesparte TKMS und ein Einstieg in Grünstahl-Lieferungen markieren die strategische Richtung – belastet wird das Bild allerdings durch hohe Restrukturierungskosten und einen gesenkten Ausblick von Moody’s. Wie ist diese Mischung aus Fortschritt und Belastungen einzuordnen?

Die Fakten im Überblick

  • Geplanter stufenweiser Verkauf von Thyssenkrupp Steel Europe an Jindal Steel
  • Milliardenauftrag für die Marine-Tochter TKMS mit Indien in Vorbereitung
  • Mehrjähriger Grünstahl-Liefervertrag mit dem schwedischen Startup Stegra
  • Moody’s bestätigt Rating, senkt aber den Ausblick auf „stabil“
  • Erwarteter Nettoverlust von bis zu 800 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/26
  • Aktie mit Kursplus von rund 162 % auf 12-Monats-Sicht, aktuell um 10,47 €

Stahlsparte: Jindal-Deal nimmt Form an

Der seit Jahren diskutierte Ausstieg aus dem Stahlgeschäft kommt voran. Mit Jindal Steel International werden die Gespräche über einen Verkauf von Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE) konkreter. Beide Seiten prüfen laut Medienberichten ein stufenweises Modell, um die komplexen finanziellen Verpflichtungen besser zu strukturieren.

Geplant ist demnach, dass Jindal zunächst rund 60 % an TKSE übernimmt. Die restlichen 40 % sollen in ein oder zwei weiteren Schritten folgen, abhängig vom Fortschritt der Restrukturierung. Hintergrund sind vor allem Pensionsverpflichtungen von rund 2,5 Mrd. Euro, die frühere Verkaufsversuche deutlich erschwert hatten.

Wichtige Eckpunkte des möglichen Deals:

  • Due Diligence durch Jindal seit Oktober 2025
  • Technische Prüfung der Duisburger Anlagen durch eine Jindal-Delegation im Januar
  • CEO Miguel Lopez sieht in Jindal Steel einen „optimalen Partner“ für TKSE

Die Aussicht auf eine Lösung für die Stahlsparte sorgte Anfang Januar bereits für spürbare Kursfantasie, als die Aktie am 7. Januar zeitweise knapp 5 % zulegte.

TKMS: Milliardenprojekt in Indien

Parallel dazu liefert die Marinesparte TKMS eine positive Schlagzeile. Indien plant gemeinsam mit TKMS den Bau von sechs U-Booten in Mumbai. Das Volumen des Projekts liegt bei rund acht Milliarden Euro, die Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens wird zeitnah erwartet.

Der Deal hat auch eine geopolitische Dimension: Deutschland und Indien wollen die Verteidigungskooperation ausbauen, gleichzeitig soll Indiens Abhängigkeit von russischen Rüstungslieferungen sinken. Die eigenständige TKMS-Aktie, erst seit Oktober 2025 an der Börse, reagierte am 12. Januar mit einem Kurssprung von über 12 % und führte den MDax an. Seit Jahresbeginn liegt sie bereits rund 30 % im Plus.

Thyssenkrupp profitiert indirekt über die weiterhin bedeutende Beteiligung an TKMS. Der Marinesektor entwickelt sich damit zu einem wichtigen Stabilitätsanker im Konzernverbund.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Thyssenkrupp?

Grünstahl: Signal für die nächste Phase

Im Materialgeschäft setzt Thyssenkrupp einen Akzent in Richtung Dekarbonisierung. Die Tochter thyssenkrupp Materials Processing Europe hat einen mehrjährigen Liefervertrag mit dem schwedischen Grünstahl-Startup Stegra unterzeichnet.

Stegra baut im nordschwedischen Boden eine wasserstoffbasierte Stahlproduktion auf. Materials Processing wird erster Abnehmer für sogenannten „Non-Prime-Stahl“ aus dieser Anlage. Damit sichert sich der Konzern Zugang zu CO₂-reduzierten Stahlprodukten und unterstreicht seine Ausrichtung auf klimafreundliche Wertschöpfungsketten – ein Thema, das in der Industrie zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Moody’s-Ausblick und Restrukturierungskosten

Auf der Finanzseite gibt es jedoch auch Gegenwind. Moody’s hat den Ausblick für Thyssenkrupp von „positiv“ auf „stabil“ zurückgenommen, das Ba3-Rating aber bestätigt. Die Agentur verweist dabei vor allem auf die hohen Kosten des laufenden Umbaus.

Für das Geschäftsjahr 2025/2026 rechnet der Konzern mit einem Nettoverlust von bis zu 800 Mio. Euro. Ursache sind insbesondere Rückstellungen für die Restrukturierung der Stahlsparte. Operativ wird nur eine moderate Spannbreite bei der Umsatzentwicklung erwartet – zwischen einem Rückgang von 2 % und einem leichten Plus von 1 %.

Der Umbau zeigt damit zwar klare Fortschritte, drückt aber kurzfristig deutlich auf Ergebnis und Bilanzkennzahlen.

Aktie: Starke Rally, hohe Schwankungen

Die Börse hat die strategischen Schritte der vergangenen Monate bereits kräftig eingepreist. Auf Sicht von zwölf Monaten legte die Aktie um etwa 162 % zu. Heute notiert der Titel bei 10,47 € und damit deutlich über den zentralen Durchschnittslinien:

  • 50-Tage-Durchschnitt: 9,42 € (Abstand rund 11 %)
  • 200-Tage-Durchschnitt: 9,77 € (Abstand gut 7 %)

Der relative Stärke-Index (RSI, 14 Tage) liegt mit 68,2 nahe an der Überkauft-Zone, die 30-Tage-Volatilität von knapp 76 % (annualisiert) signalisiert ein hohes Schwankungsniveau. Gleichzeitig ist der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 13,24 € mit rund 21 % spürbar, während der Kurs weit vom Tief bei 3,99 € entfernt bleibt.

Im Vergleich zum Jahresbeginn ergibt sich ein Plus von 7,77 % – nach einem bereits sehr starken Vorjahr eine eher ruhiger verlaufende, aber weiterhin konstruktive Entwicklung.

Fazit: Fortschritt mit Preis

Thyssenkrupp kommt beim Umbau sichtbar voran: Ein konkreter Pfad für den Verkauf der Stahlsparte, ein potenzieller Milliardenauftrag für TKMS und der Einstieg in Grünstahl-Lieferketten geben der strategischen Neuausrichtung Substanz. Gleichzeitig machen der erwartete Nettoverlust von bis zu 800 Mio. Euro und der von Moody’s gesenkte Ausblick deutlich, dass diese Transformation kurzfristig teuer bleibt.

Für die nächsten Monate werden vor allem zwei Punkte entscheidend sein: die Ausgestaltung eines finalen Vertrags mit Jindal Steel für TKSE und die formelle Unterzeichnung des U‑Boot-Abkommens mit Indien. Gelingt hier der nächste Schritt, dürfte der Konzernumbau weiter an Profil gewinnen – auch wenn die Belastungen aus der Restrukturierung erst nach und nach aus den Zahlen verschwinden werden.

Thyssenkrupp-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Thyssenkrupp-Analyse vom 14. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Thyssenkrupp-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Thyssenkrupp-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Thyssenkrupp: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...