Thyssenkrupp Aktie: Übernahme auf der Kippe
Wenige Wochen vor der entscheidenden Hauptversammlung droht der geplante Befreiungsschlag für den Essener Industriekonzern zur Hängepartie zu werden. Der Verkauf der Stahlsparte an den indischen Investor Jindal gerät ins Stocken, während sich gleichzeitig die Fronten mit der IG Metall verhärten. Anleger, die auf eine schnelle Einigung gesetzt hatten, müssen ihre Erwartungen nun an die raue Realität anpassen.
Der Aktienkurs reagierte am Freitag mit einem leichten Rückgang auf 10,32 Euro. Zwar steht auf Jahressicht noch immer ein beeindruckendes Plus von über 155 Prozent zu Buche, doch die jüngste Nervosität zeigt, wie fragil dieses Kursniveau ist.
Neue Hürden im Jindal-Deal
Das zentrale Thema für die Bewertung der Aktie bleibt der geplante Verkauf einer 60-Prozent-Mehrheit an der Stahlsparte (Thyssenkrupp Steel Europe) an Jindal Steel & Power. Was als strategischer Meilenstein geplant war, droht nun an neuen Forderungen zu scheitern.
Berichten zufolge verlangt die indische Seite nach vertiefter Buchprüfung (Due Diligence) deutlich härtere Einschnitte als ursprünglich kommuniziert:
* Stellenabbau: Im Raum steht die Forderung nach der Streichung von weiteren 2.000 bis 3.000 Arbeitsplätzen.
* Widerstand: Dies käme zusätzlich zu den bereits vereinbarten 11.000 Stellenkürzungen.
* Reaktion: Die IG Metall hat diese Pläne umgehend als "rote Linie" markiert und verweist auf die Unantastbarkeit bestehender Tarifverträge zur Sanierung.
Für CEO Miguel López entsteht hier eine gefährliche Zwickmühle. Ohne die Zustimmung der Arbeitnehmerseite ist eine Transaktion dieser Tragweite in dem traditionell mitbestimmten Konzern kaum durchsetzbar. Scheitert der Deal, bliebe Thyssenkrupp auf den prognostizierten Verlusten der Sparte von bis zu 800 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025/26 sitzen.
Faktencheck: Ernüchterung beim Stegra-Vertrag
Neben dem Übernahme-Poker sorgte zuletzt eine Meldung der Tochter Thyssenkrupp Materials Processing Europe über einen Liefervertrag mit dem schwedischen Unternehmen Stegra (ehemals H2 Green Steel) für Aufsehen. Marktbeobachter, die hier einen Durchbruch bei "grünem Stahl" vermuteten, liegen jedoch falsch.
Eine genaue Analyse der Vertragsdetails offenbart entscheidende Einschränkungen:
* Das Material: Es handelt sich um sogenanntes "Non-Prime"-Material, das technisch funktionsfähig ist, aber beispielsweise Oberflächenfehler aufweist.
* Die Mogelpackung: Thyssenkrupp darf diesen Stahl nicht als CO₂-reduziert vermarkten. Stegra entkoppelt die physische Ware von den ökologischen Zertifikaten, welche separat an Premium-Kunden verkauft werden.
Der Deal sichert zwar wichtiges Volumen im sechsstelligen Tonnenbereich, hilft dem Konzern aber nicht dabei, eigene ESG-Ziele gegenüber Endkunden zu erfüllen. Es ist eine reine Absicherung der Lieferkette, kein strategischer Vorteil in der grünen Transformation.
Blick auf den 30. Januar
Die kurzfristige Entwicklung der Aktie hängt nun fast vollständig vom Ausgang des Machtkampfes mit Jindal und den Gewerkschaften ab. Sollten sich die Hinweise auf unüberbrückbare Differenzen verdichten, dürfte die psychologisch wichtige Marke von 10 Euro erneut getestet werden.
Klarheit bringt spätestens die Hauptversammlung am 30. Januar 2026. Bis dahin muss das Management eine Lösung präsentieren, wie der Spagat zwischen den ökonomischen Forderungen des Investors und dem sozialen Frieden im Ruhrgebiet gelingen soll. Ohne eine Einigung mit Jindal fehlt dem aktuellen Kursniveau die fundamentale Rechtfertigung.
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