In der aktuellen Episode von „Börsepeople im Podcast" spricht Host Christian Drastil mit Andreas Opelt, dem seit Januar 2026 amtierenden CEO des Entsorgungsunternehmens Saubermacher. Der Werdegang des promovierten Informatikers zeigt exemplarisch, wie technisches Know-how und Vertriebskompetenz in einer traditionellen Branche zum Karrieresprungbrett werden können.

Vom Kickboxer in Oxford zum Softwareexperten

Andreas Opelts akademische Laufbahn begann an der Technischen Universität Graz, wo er Informatik und Telematik studierte. Nach dem Diplomingenieur – heute würde man Master sagen – folgte eine außergewöhnliche Promotion in Kooperation zwischen der TU Graz und der Oxford University. Die Zeit in England prägte den Manager nachhaltig: Neben der wissenschaftlichen Arbeit trainierte er mit dem Boxteam der Universität, auch wenn es für den legendären Wettkampf gegen Cambridge am Ende nicht reichte.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Die Forschungsintensität in Oxford zahlte sich aus: Opelt erhielt den Best Paper Award der International Conference on Computer Vision in New York, wo er vor 400 Fachleuten einen Vortrag hielt. Diese akademische Exzellenz legte den Grundstein für seine spätere Expertise in der digitalen Transformation.

Gründergeist in der Finanzkrise

Nach dem Berufseinstieg in der IT- und Managementberatung wagte Opelt im Mai 2008 den Sprung in die Selbstständigkeit – nur wenige Monate vor der Lehman-Pleite. Gemeinsam mit einem Kollegen gründete er in Wien die Beratungsfirma Newcon, die bis heute existiert. „Man musste immer zweimal überlegen, weil man plötzlich ein kleines Kind auch noch hat und dann sich dreimal überlegt, ob man wirklich Gründer wird", erinnert sich Opelt an diese herausfordernde Zeit.

Die zweieinhalbjährige Aufbauphase bei Newcon, während der große Telekom-Provider und Banken in Österreich und den Nachbarländern beraten wurden, schulte den jungen Unternehmer in Management- und IT-Beratung. Ein zentrales Thema seiner Karriere kristallisierte sich heraus: agile Softwareentwicklung. Das Problem, dass große IT-Projekte häufig Budget und Zeitrahmen sprengen und am Ende nicht den Kundenanforderungen entsprechen, trieb ihn um.

Bestseller-Autor wider Willen

Bei seinem späteren Arbeitgeber Infonova – einer Softwarefirma der Beratungsgesellschaft BearingPoint – entwickelte Opelt als Vice President Sales and Product Marketing ein neues Vertragskonzept für agile Projekte. Die klassischen Verträge passten nicht mehr zu den neuen Entwicklungsmethoden. Gemeinsam mit drei Mitautoren verfasste er ein Fachbuch über Verträge für agile Softwareentwicklung.

Das Werk verkaufte sich unerwartet gut: Mit über 5.000 verkauften Exemplaren erreichte es Bestseller-Status im Fachbuchsegment. Die internationale Tätigkeit bei Infonova – mit Kunden auf der ganzen Welt und regelmäßigen Flügen nach Australien – war allerdings familiär auf Dauer nicht tragbar.

Der Einstieg bei Saubermacher

2015 führte der Weg zu Saubermacher, zunächst als Vertriebsdirektor für Österreich. Die Abfallwirtschaft war für den IT-Experten Neuland, doch die Anforderungen an Digitalisierung und Prozessoptimierung im Vertrieb passten perfekt zu seinem Profil. Dass das Thema Kreislaufwirtschaft in den folgenden Jahren so an Fahrt aufnehmen würde, war ihm damals noch nicht bewusst.

Bereits in den ersten Jahren entwickelte Opelt mit seinem Team die Plattform Wastebox – eine Art „Uber für Abfall", wie er es beschreibt: ein Abfallwirtschaftsunternehmen, das rein plattformbasiert funktioniert, ohne eigene LKWs oder Sortieranlagen. Diese Innovation existiert bis heute und wächst trotz der Baukrise am stärksten.

Vom CMO zum CEO in sieben Jahren

Die Karriere nahm 2019 Fahrt auf: Opelt übernahm zunächst die Rolle des CMO, dann des COO. Eigentümer Hans Roth setzte auf den damals noch verhältnismäßig jungen Manager, der aus seiner Sicht noch nicht lange in der Branche war. „Ich glaube, die Dynamik und die Innovationskraft und die Kundennähe, die ich immer mitbringe, hat ihn überzeugt", resümiert Opelt.

Seit Januar 2026 führt er das Unternehmen als CEO gemeinsam mit CFO Eva Naux, die seit März 2025 an Bord ist. Hinter dem Zweiervorstand steht ein starkes Management-Team, das das operative Geschäft in sechs Segmenten und acht Ländern Zentral- und Osteuropas steuert.

Börsengang vorerst kein Thema

Die Frage nach einem möglichen Börsengang beantwortet Opelt offen: Bereits 2007/2008 wurde ein IPO vorbereitet, dann aber kurzfristig nicht durchgeführt. Die Vorarbeit mündete stattdessen in eine Partnerschaft mit der UBS als Minderheitsgesellschafter. Vor etwa zwei Jahren kaufte die Familie Roth diese Anteile zurück, als der entsprechende Fonds geschlossen wurde.

Aktuell steht ein neuer strategischer Partner als Minderheitsgesellschafter vor der Tür – die Transaktion befindet sich bei der Wettbewerbsbehörde in Anmeldung. Damit ist das Thema Börse für Saubermacher vorerst nicht aktuell.

Herausforderungen im aktuellen Marktumfeld

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind anspruchsvoll: Österreich befindet sich laut Opelt in der längsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Geschäft von Saubermacher hängt stark am Wachstum der Industrie – weniger Produktion bedeutet weniger Abfall. Die geografische Diversifikation hilft: Während Österreich schwächelt, zeigen südosteuropäische Märkte wie Kroatien starke Dynamik.

Den Claim „Leader in Waste Intelligence" hat sich Saubermacher erarbeitet, indem das Unternehmen digitale Möglichkeiten konsequent in die Branche brachte. „Auch wenn wir im Weltvergleich und im Vergleich zu den großen Playern immer noch Mittelstand sind, schaffen wir es, hier in gewissen Teilen doch Weltspitze zu sein", betont Opelt.

Eishockey als Ausgleich

Privat hat der CEO mit 42 Jahren ein neues Hobby entdeckt: Eishockey. In der NAHL, der größten Hobby-Eishockeyliga Europas in der Steiermark, spielt er regelmäßig mit seinem Team. Der Sport dient als Ausgleich zum herausfordernden Managementalltag – mit viel Energie und Motivation, wie er alle Dinge angehe.

Die Kernbotschaft des Gesprächs: Technologische Expertise gepaart mit Vertriebsstärke und einer Unternehmenskultur, die auf Nachhaltigkeit und Innovation setzt, kann auch in traditionellen Branchen zum Erfolg führen. Mit rund 10 Jahren Betriebszugehörigkeit und dem Vertrauen der Eigentümerfamilie startet Andreas Opelt in seine CEO-Rolle – gestützt auf ein starkes Team und den Anspruch, in der Kreislaufwirtschaft weiterhin Pionierarbeit zu leisten.