Thyssenkrupp stellt gleich an mehreren Fronten die Weichen neu: ein Milliardenauftrag für U-Boote, ein langfristiger Deal für grünen Stahl und laufende Verhandlungen über den möglichen Ausstieg aus der defizitären Stahlsparte. Die Mischung aus Rüstungsgeschäft, Dekarbonisierung und Konzernumbau prägt damit klar die Investmentstory – auch wenn der Kurs zuletzt eine Pause einlegt.

U-Boot-Großauftrag für TKMS

Die Marinesparte TKMS (Thyssenkrupp Marine Systems) meldet einen der größten Rüstungsaufträge ihrer Geschichte. Im Umfeld des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz in Indien am 12. und 13. Januar 2026 wurde der Weg für das Projekt-75I-Programm der indischen Marine frei.

Kern des Deals ist der Bau von sechs U-Booten der Type-214-Klasse mit moderner AIP-Technologie (luftunabhängiger Antrieb). Entscheidend war aus indischer Sicht die seit Jahren erprobte Brennstoffzellen-Technologie der deutschen Boote, mit der sich TKMS gegen den spanischen Wettbewerber Navantia durchsetzte.

Die wichtigsten Eckpunkte im Überblick:

  • Auftragsvolumen von rund 8 Mrd. US-Dollar (ca. 6,8 Mrd. Euro)
  • Bau von sechs konventionellen U-Booten mit AIP-Technologie
  • Fertigung vor Ort bei Mazagon Dock Shipbuilders (MDL) in Indien
  • Vollständiger Technologietransfer an den indischen Partner
  • Anstieg des lokalen Indigenisierungsanteils von 45 % auf 60 %

Der vollständige Technologietransfer und die lokale Fertigung unterstreichen den industriepolitischen Charakter des Geschäfts. Für TKMS bedeutet der Auftrag eine langfristig gut gefüllte Pipeline und eine Stärkung der Position im globalen U-Boot-Markt.

Grüner Stahl aus Schweden

Parallel zum Rüstungsgeschäft treibt Thyssenkrupp Materials Services den Umbau hin zu klimafreundlicheren Materialien voran. Am 12. Januar 2026 wurde ein mehrjähriger Liefervertrag mit dem schwedischen Produzenten Stegra unterzeichnet.

Ab 2027 soll Stegra wasserstoffbasiert produzierten Stahl aus dem Werk in Boden (Schweden) an Thyssenkrupp Materials Processing Europe liefern. Vereinbart wurde die Abnahme von sogenanntem Non-Prime-Stahl in erheblichen Volumina über mehrere Jahre.

Strategisch ist der Schritt klar einzuordnen:

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  • Früher Zugang zu CO₂-armem Stahl
  • Vorbereitung auf strengere EU-Klimavorgaben
  • Stärkung der Position in Branchen mit hohem Nachhaltigkeitsdruck, etwa der Automobilindustrie

Damit verschafft sich der Konzern einen Vorsprung in einem Markt, in dem Kunden zunehmend konkrete Dekarbonisierungsziele entlang der Lieferkette einfordern.

Stahlsparte TKSE: Verkauf an Jindal im Fokus

Die klassische Stahlsparte TKSE bleibt ein Problemfeld – und potenzieller Hebel für den Konzernumbau. Die Gespräche mit dem indischen Jindal-Konzern über eine mögliche Übernahme laufen weiter. Medienberichten zufolge steht eine schrittweise Übernahme der defizitären Einheit durch Jindal Steel International im Raum.

Gewerkschaftsseitig ist der Druck bereits hoch: Die IG Metall fordert vom möglichen Käufer verbindliche Zusagen zu Arbeitsplätzen und Standorten. Hintergrund ist die Sorge um Beschäftigung und industrielle Strukturen im Fall tiefgreifender Einschnitte.

Ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen wäre ein wichtiger Schritt im seit Jahren verfolgten Ziel, Thyssenkrupp von der volatilen und margenschwachen Stahlsparte zu entkoppeln und stärker auf margenstärkere und technologielastige Bereiche auszurichten.

Kurs, Charttechnik und Stimmung

An der Börse dominieren trotz der positiven operativen Nachrichten kurzfristig Gewinnmitnahmen. Heute notiert die Aktie bei 10,46 Euro und liegt damit leicht unter dem Vortag, nachdem sie zuletzt eine kräftige Rally hinter sich hat.

Über 12 Monate betrachtet summiert sich das Plus auf rund 170 %. Der Titel notiert damit klar über den wichtigen Durchschnittslinien: Der Kurs liegt etwa 11 % über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,40 Euro und rund 7 % über dem 200-Tage-Durchschnitt von 9,77 Euro. Der RSI von 68,2 signalisiert zudem ein bereits deutlich aufgehelltes Sentiment, aber noch keinen klaren Überhitzungsbereich.

Wesentliche Kennzahlen im Überblick:

  • Aktueller Kurs: 10,46 Euro
  • Veränderung 7 Tage: +9,03 %
  • Veränderung 30 Tage: +12,89 %
  • Veränderung 12 Monate: +169,87 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch bei 13,24 Euro: rund –21 %

Damit bleibt die Aktie zwar deutlich unter dem jüngsten Hoch, bewegt sich aber weiterhin klar in einem aufwärtsgerichteten Umfeld.

Fazit und Ausblick

Thyssenkrupp bündelt mit dem U-Boot-Großauftrag, dem Zugang zu grünem Stahl und den laufenden TKSE-Verhandlungen zentrale Bausteine seiner Neuausrichtung: Stärkung der margenstärkeren Sparten, Vorbereitung auf die Dekarbonisierung der Industrie und der mögliche Rückzug aus dem verlustreichen Stahlgeschäft.

Die nächsten Richtpunkte kommen zeitnah: Ende Januar steht die Hauptversammlung an, am 12. Februar folgen die Quartalszahlen. Spätestens dann dürfte deutlicher werden, wie stark sich der Milliardenauftrag bei TKMS, der Stegra-Deal und ein möglicher Fortschritt beim Stahlverkauf in den mittelfristigen Zielen des Konzerns niederschlagen.

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