MSCI stellt die Krypto-Strategie von Strategy vorerst nicht ins Abseits. Der Indexanbieter verzichtet auf einen Ausschluss von Unternehmen, die große Bestände digitaler Vermögenswerte in der Bilanz führen – ein wichtiges Signal nach einem Quartal mit zweistelligen Milliardenverlusten auf dem Bitcoin-Depot. Die zentrale Frage: Entschärft diese Entscheidung das Risiko für die Aktie spürbar oder verschiebt sie die Probleme nur nach hinten?

MSCI lässt Bitcoin-Treasuries im Index

MSCI hat am Dienstagabend bestätigt, dass sogenannte „digital asset treasury companies“ auch in der Indexüberprüfung im Februar 2026 verbleiben. Hintergrund ist die Abgrenzung zwischen klassischen Investmentgesellschaften und Unternehmen, die Kryptowährungen als Teil ihres Kerngeschäfts halten. Laut MSCI braucht diese Differenzierung „weitere Recherche und Konsultation mit Marktteilnehmern“.

Für Strategy ist das mehr als eine technische Detailfrage. Ein Ausschluss aus den MSCI-Indizes hätte indexgebundene Fonds zum Verkauf gezwungen und damit potenziell Milliardenabflüsse ausgelöst. Genau diese Belastung bleibt dem Wert nun vorerst erspart.

Wesentliche Punkte aus der MSCI-Mitteilung:

  • Die bisherige Index-Behandlung von Firmen, bei denen digitale Assets mehr als 50 % der Bilanzsumme ausmachen, bleibt unverändert.
  • MSCI startet eine breitere Konsultation zur Einstufung nicht operativer Gesellschaften.
  • Strategy kommentierte die Entscheidung auf X als „starkes Ergebnis für neutrale Indexierung und wirtschaftliche Realität“.

Der Kurs reagierte nachbörslich deutlich positiv. Am regulären Handelsschluss gestern lag die Aktie bei 159,28 US-Dollar, auf Wochensicht ergibt sich ein Plus von knapp 4 %, während das Papier auf Jahressicht noch immer mehr als die Hälfte an Wert verloren hat.

Milliardenverluste im Q4 unterstreichen Klumpenrisiko

Die Erleichterung über MSCI trifft auf eine angespannte Ausgangslage. Im vierten Quartal 2025 verbuchte Strategy einen unrealiserten Verlust von 17,44 Milliarden US-Dollar auf seine Kryptowährungsbestände. Auslöser war ein Rückgang des Bitcoin-Preises um rund 25 % im Dezember-Quartal.

Für das Gesamtjahr 2025 summierten sich die unrealiserten Verluste auf 5,40 Milliarden US-Dollar. Der Kurs der Aktie hat sich vom Allzeithoch ausgehend um etwa zwei Drittel reduziert und allein im Jahr 2025 um 47,5 % nachgegeben – ein direktes Spiegelbild der extremen Volatilität des bitcoinzentrierten Geschäftsmodells.

Der hohe Relative-Stärke-Index von 84,2 bei einer 30-tägigen annualisierten Volatilität von gut 59 % zeigt zudem, wie nervös und schwankungsanfällig der Wert derzeit gehandelt wird.

Bitcoin-Bestand wächst weiter

Trotz der kräftigen Buchverluste hält Strategy an der Bitcoin-Strategie fest – und verstärkt sie sogar. Ende Dezember 2025 und Anfang Januar 2026 kaufte das Unternehmen 1.287 Bitcoin im Gegenwert von rund 116 Millionen US-Dollar, zu einem durchschnittlichen Preis von 90.000 US-Dollar je Coin.

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Insgesamt summiert sich der Bestand nun auf 673.783 Bitcoin. Das Unternehmen hat dafür bislang 50,55 Milliarden US-Dollar aufgewendet, was einem durchschnittlichen Erwerbspreis von 75.026 US-Dollar pro Bitcoin entspricht.

Damit kontrolliert Strategy mehr als 3 % der maximal jemals verfügbaren Bitcoin-Menge. Diese Größenordnung zementiert die Rolle als weltweit größter Unternehmenshalter der Kryptowährung – erhöht aber gleichzeitig das Klumpenrisiko weiter.

Liquiditätspuffer und Fremdkapitalrisiken

Die starke Abhängigkeit vom Bitcoin-Kurs wirft zwangsläufig Fragen nach der Finanzierungsseite auf. Um Sorgen über die Bedienung laufender Verpflichtungen zu begegnen, hat Strategy einen Liquiditätspuffer von 2,25 Milliarden US-Dollar aufgebaut. Finanziert wurde dieser Cash-Bestand über Aktienverkäufe.

Dieser Puffer soll Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien sowie Zinszahlungen auf ausstehende Schulden abdecken. Auf Basis der aktuellen Struktur der Verbindlichkeiten reicht diese Reserve für etwa 32,5 Monate an Zahlungen – ein wichtiges Sicherheitsnetz, aber klar begrenzt in der Laufzeit.

S&P Global Ratings bewertet Strategy mit einem B-minus-Rating und stabilem Ausblick. Die Ratingagentur verweist auf einen grundlegenden Widerspruch: Das Unternehmen hält Bitcoin, seine Verbindlichkeiten lauten aber auf US-Dollar. Besonders kritisch sehen die Analysten rund 5 Milliarden US-Dollar an wandelbaren Anleihen, die 2028 fällig werden und aktuell „out of the money“ notieren.

Schwindende Prämie begrenzt weiteres Wachstum

Ein weiterer struktureller Bremsklotz für die Strategie ist die aktuelle Bewertung an der Börse. Die Marktkapitalisierung von Strategy liegt nur noch knapp über dem Wert des eigenen Bitcoin-Portfolios. Die Unternehmensbewertung (Enterprise Value) beträgt rund 63,3 Milliarden US-Dollar und damit nur etwa 1 % mehr als die geschätzten 62,3 Milliarden US-Dollar Wert der gehaltenen Bitcoin.

Diese fast vollständig verschwundene Bewertungsprämie stellt das Geschäftsmodell unter Druck. Bisher konnte Strategy durch die Ausgabe neuer Aktien über dem inneren Bitcoin-Wert zusätzlichen Spielraum für Zukäufe schaffen. Fällt die Prämie jedoch weg, kippen die Relationen:

  • Um die Bitcoin-Bestände um 1 % zu erhöhen,
  • müsste das Unternehmen mehr als 1 % neue Aktien ausgeben,
  • was den Bitcoin-Anteil je Aktie für bestehende Aktionäre verwässern würde.

Genau dieses mathematische Problem begrenzt die Möglichkeit weiterer aggressiver Käufe, solange die Aktie nahe am reinen Bitcoin-Wert notiert.

Analystensicht und Ausblick

Analysten tun sich mit der Bewertung dieser Konstruktion schwer, bleiben aber teilweise optimistisch. Citigroup hat zuletzt zwar das Kursziel von 485 auf 325 US-Dollar gesenkt, das „Buy“-Rating jedoch beibehalten. Im Durchschnitt liegt das Kursziel der Analysten bei rund 489 US-Dollar und signalisiert damit ein deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber Kursen um 160 US-Dollar – vorausgesetzt, der Bitcoin-Preis entwickelt sich positiv.

Operativ steht Strategy damit zwischen mehreren Kräften: Die MSCI-Entscheidung nimmt kurzfristig Indexdruck von der Aktie, die hohen unrealiserten Verluste und das Kreditprofil zeigen jedoch klar die Abhängigkeit vom Bitcoin-Kurs. Entscheidend für die nächsten Quartale wird sein, ob sich wieder eine Bewertungsprämie über dem reinen Coin-Wert aufbauen lässt – nur dann bleibt Luft für weiteres Wachstum des Bitcoin-Bestands, ohne die Altaktionäre übermäßig zu verwässern.

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