Nach Jahren ohne Ausschüttung zahlt Siemens Energy erstmals wieder eine Dividende – doch die Hauptversammlung in Berlin offenbarte einen schwelenden Strategiekonflikt. Während das Kerngeschäft mit Rekordaufträgen glänzt, streiten Aktionäre über die Zukunft der defizitären Windkrafttochter Gamesa.

0,70 Euro Dividende – und ein aktivistischer Vorstoß

Mit 99,99 Prozent der Stimmen billigten die Aktionäre die Ausschüttung von 0,70 Euro je Aktie. Für den Energietechnikkonzern markiert dies die Rückkehr zur Dividende nach Jahren staatlicher Restriktionen im Zuge früherer Bundesbürgschaften. 800 Aktionäre waren persönlich vor Ort, insgesamt 66,10 Prozent des Kapitals vertreten.

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Doch die Dividendenfrage geriet schnell zur Nebensache. Der US-amerikanische aktivistische Investor Ananym drängt auf eine Abspaltung von Siemens Gamesa. Sein Argument: Die Windsparte verwässert die Konzernmarge. Während Siemens Energy zweistellige Renditen anstrebt, peilt Gamesa bis 2028 lediglich 3 bis 5 Prozent an. Selbst eine sanierte Einheit würde die Profitabilität langfristig belasten, so Ananym.

Rückendeckung für CEO Christian Bruch kommt von DWS, Deka Investment und Union Investment. Alle drei positionierten sich laut Reuters gegen eine sofortige Trennung und unterstützen zunächst die Stabilisierung. Der Hintergrund: Gamesa verbuchte im Geschäftsjahr 2025 einen operativen Verlust von 1,36 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 schrumpfte dieser zwar auf 46 Millionen Euro, der Break-even bleibt aber Ziel für das laufende Geschäftsjahr.

Rekordquartal stützt Bruchs Kurs

Das operative Geschäft liefert dem Management Argumente. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verzeichnete Siemens Energy einen Auftragseingang von 17,6 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 8,2 Prozent auf 9,68 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Sondereffekten verdoppelte sich auf 1,16 Milliarden Euro – eine Marge von 12 Prozent. Der freie Cashflow vor Steuern erreichte 2,87 Milliarden Euro.

Haupttreiber war Gas Services mit 102 gebuchten Gasturbinen – das stärkste Quartal der Unternehmensgeschichte. Grid Technologies profitierte von der Nachfrage nach Infrastruktur für Rechenzentren, besonders in den USA. Aufsichtsratschef Joe Kaeser sprach von einem der erfolgreichsten Turnarounds im DAX.

Bruch kündigte ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 6 Milliarden Euro bis Ende 2028 an und stellte ein Investitionsprogramm von 1 Milliarde US-Dollar für US-Standorte in Aussicht. Im Geschäftsjahr 2025 eröffnete der Konzern sieben neue Fabriken und schuf 4.000 Arbeitsplätze, viele davon in Europa.

Ausblick: Break-even als Richtungsentscheidung

Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert Siemens Energy ein Umsatzwachstum von 11 bis 13 Prozent sowie eine Gewinnmarge vor Sondereffekten zwischen 9 und 11 Prozent. Das Nettoergebnis soll 3 bis 4 Milliarden Euro erreichen, der Free Cash Flow vor Steuern 4 bis 5 Milliarden Euro. Analysten erwarten im Schnitt einen Umsatz von 43,9 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 3,2 Milliarden Euro.

Die nächsten Quartalsergebnisse am 12. Mai werden zeigen, ob Gamesa den Break-even tatsächlich schafft. Gelingt dies nicht, dürfte der Druck auf eine Abspaltung steigen. Vorerst bildet das starke Kerngeschäft mit seinem milliardenschweren Auftragsbestand das Fundament für Bruchs Stabilisierungskurs.

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