Liebe Leserinnen und Leser,

während die Weltmärkte gebannt auf die geopolitischen Beben im Nahen Osten starren, vollzieht sich in Brüssel und Südamerika eine stille handelspolitische Revolution. Es sind diese Momente der Divergenz – Lärm hier, strukturelle Verschiebungen dort –, die den Unterschied für langfristig orientierte Anleger ausmachen.

Ich begrüße Sie an diesem Freitag mit einem bemerkenswerten Kontrastprogramm: Während die Wall Street noch dem Nvidia-Kater der gestrigen Sitzung hinterhergrübelt, sendet die „Old Economy\" in Europa handfeste Lebenszeichen. Lassen Sie uns die losen Fäden dieses Handelstages entwirren.

Das Öl-Omen und die Nervosität am Golf

Die geopolitische Risikoprämie ist zurück – und sie macht sich direkt in den deutschen Heizungskellern bemerkbar. Angesichts der massiv wachsenden Spannungen mit dem Iran hat Washington einem Teil seines Botschaftspersonals in Israel die Ausreise genehmigt. Ein diplomatischer Schritt, der an den Rohstoffmärkten sofort als Warnsignal gelesen wird.

Die Folge spüren wir hierzulande unmittelbar: Die Heizölpreise haben ein 8-Monatshoch erreicht. Der bundesweite Durchschnitt für eine 2.000-Liter-Abnahme liegt mittlerweile bei über 106 Euro pro 100 Liter, in südwestdeutschen Regionen wie Steinalben werden für Premium-Qualität sogar über 116 Euro aufgerufen. Auch Gold reagiert auf die Unsicherheit und notiert bei robusten 141,00 Euro pro Gramm. Der Markt preist ein Eskalationsszenario ein – auch wenn Experten mittelfristig wieder auf sinkende Energiepreise hoffen.

Europas Freihandels-Coup vs. Amerikas Zoll-Chaos

Während am Golf die diplomatischen Kanäle glühen, hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel Fakten geschaffen. Das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten wird in Kürze vorläufig angewendet. Der Weg dafür wurde frei, als Uruguay und Argentinien das Abkommen ratifizierten. Für die europäische Exportindustrie ist das ein Befreiungsschlag.

Wie wichtig verlässliche Handelsrouten sind, zeigt ein Blick über den Atlantik. Dort herrscht nach dem juristischen Debakel der Trump-Administration – der Supreme Court hatte am 20. Februar die präsidialen Notstandsbefugnisse für Zölle gekippt – handfestes Chaos. Für den amerikanischen Mittelstand kommt das Urteil reichlich spät: In Bundesstaaten wie Texas sind die Schäden längst eingepreist. Lokale Unternehmen klagen über Preisaufschläge von bis zu 44 Prozent bei Zulieferteilen aus dem Ausland. Die bittere Lektion: Zölle sind eine versteckte Steuer, die zuerst den eigenen Mittelstand trifft. Europa scheint aus diesem US-Debakel die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Deutsche Ingenieurskunst im Rausch

Dass es der heimischen Industrie besser geht als ihr Ruf, beweist ein Blick auf den DAX, der sich am Vormittag über der Marke von 25.330 Punkten stabilisiert. Besonders ein Unternehmen vom Bodensee zieht die Blicke auf sich: Rolls-Royce Power Systems. Die Tochter des britischen Mutterkonzerns mit Sitz in Friedrichshafen hat ihre Rekordzahlen pulverisiert. Der Umsatz kletterte 2025 auf 4,89 Milliarden Pfund, der bereinigte Betriebsgewinn schoss um 60 Prozent auf 852 Millionen Pfund nach oben. Das Rezept? Eine brisante, aber hochprofitable Mischung aus Notstromaggregaten und Panzermotoren.

Nicht nur die Rüstung floriert. Die Aktien des Hamburger Windkraftanlagenbauers Nordex zündeten nach positiven Analystenkommentaren den Turbo, sprangen um gut fünf Prozent auf rund 44 Euro und erreichten damit den höchsten Stand seit Mai 2002. Und auch im Telekom-Sektor brodelt es: Gerüchte aus Spanien über ein angebliches Übernahmeinteresse von Telefonica an der United-Internet-Tochter 1&1 treiben die Kurse im Sektor spürbar an.

Der Nvidia-Kater und eine ketzerische These

An der Wall Street deuten die Futures auf einen schwächeren Start hin. Der Markt leidet noch immer unter einem leichten Nvidia-Kater. Gestern schrieb ich über das „Perfektions-Paradoxon\" – und heute setzt sich diese Ernüchterung fort. Obwohl die Zahlen des Chip-Giganten fantastisch waren, wachsen die Zweifel an der Nachhaltigkeit der Margen.

Interessanten intellektuellen Unterbau liefert dazu BCA Research mit einer ketzerischen These: Künstliche Intelligenz könnte paradoxerweise das Ende der großen Tech-Monopole bedeuten. Die Begründung: KI senkt die Eintrittsbarrieren für Konkurrenten drastisch und untergräbt die klassischen Skaleneffekte, die Giganten wie Google oder Microsoft bisher schützten. Ein Gedanke, den man im Hinterkopf behalten sollte – gerade nach dem Nutanix-AMD-Deal, der gestern zeigte, wie schnell neue Allianzen entstehen können.

Anzeige

Genau zu diesem Thema hat Technologie-Experte Bernd Wünsche eine umfassende Analyse zum globalen Chip-Krieg zwischen den USA und China durchgeführt. In seinem kostenlosen Webinar zeigt er, welche Halbleiter-Aktie vom 624-Milliarden-Dollar-Chip-Markt besonders profitieren könnte – ein Unternehmen, das er als „die neue Nvidia" bezeichnet. Sie erfahren konkret, wie der US Chips Act mit 280 Milliarden Dollar Fördervolumen die gesamte Branche transformiert und warum gerade jetzt institutionelle Investoren massiv in diesen Sektor einsteigen. Wünsche analysiert detailliert, welche Rolle geopolitische Spannungen spielen und wie Sie als Privatanleger von dieser Entwicklung profitieren können. Kostenlose Analyse zum Chip-Sektor ansehen

Zum Schluss noch eine gute Nachricht für die Europäische Zentralbank und unsere Geldbeutel: Die Inflationserwartungen der Konsumenten in der Eurozone sind im Januar auf 2,6 Prozent gesunken. Das gibt EZB-Chefin Christine Lagarde genau jenen fundamentalen Spielraum, den sie für die kommenden Zinssitzungen benötigt.

Was wir mitnehmen

Während Amerika mit den Folgen seiner Zollpolitik kämpft und der Nahe Osten die Energiepreise treibt, positioniert sich Europa still, aber wirkungsvoll: mit dem Mercosur-Abkommen, mit industriellen Champions wie Rolls-Royce Power Systems und Nordex, mit sinkenden Inflationserwartungen. Die „Old Economy\" lebt – und sie hat einiges an Substanz zu bieten, während die Tech-Welt ihre Bewertungen rechtfertigen muss.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Tanken Sie Kraft – die Märkte werden auch in der kommenden Woche keine Pause machen.

Herzlichst, Ihr

Eduard Altmann