In der aktuellen Episode des Podcasts „Börsepeople" spricht Host Christian Drastil mit Michael Hofbauer, Mitgründer und CEO von HMW Mobility, über die Wiederbelebung einer fast vergessenen österreichischen Motorradmarke und deren ambitionierte Zukunftspläne.

Die Geschichte klingt wie aus einem Wirtschaftskrimi: Eine Marke, die einst 25.000 Fahrzeuge pro Jahr produzierte, gerät in Vergessenheit – nur um Jahrzehnte später von einem Produktdesigner mit Lamborghini-Erfahrung neu zum Leben erweckt zu werden. Michael Hofbauer hat genau das getan und verbindet dabei Traditionsmarkenwerte mit modernen Mobilitätskonzepten.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Vom Autodesigner zum Motorrad-Unternehmer

Michael Hofbauers Karriereweg ist ungewöhnlich und erklärt zugleich seinen Zugang zur Fahrzeugbranche. Nach einem Industriedesign-Studium an der Kunstuniversität Linz zog es ihn nach Italien, wo er in Mailand Autodesign studierte. „Nach dem Studium dort auch Projekte mit Lamborghini machen dürfen", beschreibt Hofbauer diese prägende Zeit. Im Volkswagen-Konzern schnupperte er zudem in Richtung Audi und Ducati – hier entstand der erste Berührungspunkt mit der Zweiradbranche.

Die Rückkehr nach Österreich führte ihn in den Pinzgau, wo er weitere Automobildesign-Projekte umsetzte. Parallel engagierte er sich als Lecturer an seiner Alma Mater in Linz. 2019 folgte dann die erste Unternehmensgründung: Mit seinem Partner Florian Nimmervoll etablierte er das Industriedesign- und Marketingstudio doit.world. Der Name steht für „Design, Opportunity, Innovation und Technology" – und für den Anspruch, Kreativität tatsächlich in marktreife Produkte zu übersetzen.

Die Wiedergeburt der Halleiner Motorenwerke

Die ursprünglichen Halleiner Motorenwerke wurden 1948 in Hallein bei Salzburg gegründet. Mitinitiator war Ingenieur Fuchs, dessen Fuchs-Motor ein wichtiger Baustein der österreichischen Nachkriegsmobilität war. Nach etwa fünf bis sechs Jahren in Hallein zog das Unternehmen nach Kottingbrunn in Niederösterreich, wo es schließlich aufgrund veränderter Marktbedingungen den Betrieb einstellte.

Was blieb, war eine lebendige Oldtimer-Szene, die den Markengeist hochhielt. „Obwohl es die Firma nicht mehr gibt, gibt es die Marke. Die Marke lebt", erklärt Hofbauer den entscheidenden Impuls für die Neugründung. Im August 2023 erwarb sein Team die Markenrechte von einem Oldtimer-Enthusiasten, erweiterte sie zur Weltmarke und gründete die HMW Mobility.

Ein wichtiger Meilenstein folgte Ende 2025 mit dem Einstieg der RBO Ingenieur Stöckl GmbH als Lead-Investor und Mitgesellschafter. Dieses Unternehmen ist in der Oldtimer-Szene als Branchenleader für Ersatzteil-Logistik bekannt und betreibt zudem ein Museum mit einer beachtlichen HMW-Oldtimer-Sammlung. Der neue Firmensitz in Stetten bei Korneuburg ermöglicht es, historische und moderne HMW-Fahrzeuge direkt nebeneinander zu präsentieren.

Zwei Produktlinien für unterschiedliche Zielgruppen

Die strategische Entscheidung, sowohl elektrische als auch Verbrennerfahrzeuge anzubieten, basiert auf intensiver Marktforschung. „Wir starten mit Marktumfragen, mit Händlerbefragungen, wir klopfen den Demand direkt am Markt ab", beschreibt Hofbauer den Entwicklungsansatz.

Die Electric-Linie umfasst drei Modelle: Den Roller Con-E, inspiriert vom historischen Conny-Roller, sowie die Enduro Fox-E in zwei Varianten. Die Geländeversion mit 8 kW erreicht knapp 80 km/h, während die straßenzugelassene Moped-Variante als Zweisitzer mit 45 km/h limitiert ist. Der zentrale USP dieser Elektromodelle ist laut Hofbauer das Drehmoment – ein Aspekt, der sich am besten bei einer Testfahrt erleben lässt.

Die Classics-Reihe setzt auf 125-Kubik-Verbrennermotoren in Euro-5-Plus-Norm mit modernen Sicherheitsfeatures wie ABS. Drei Varianten stehen zur Wahl: Die Classic als traditionelles Motorrad, die Sprint im Café-Racer-Segment und die Gravel fürs Gelände.

Preislich positioniert sich HMW Mobility zugänglich: Die Electrics starten bei knapp über 5.000 Euro brutto, die Classics-Modelle bei unter 3.000 Euro brutto. Testfahrten sind an mehreren Standorten in Österreich möglich, darunter Vorarlberg, Kärnten, Tirol, Wien und Niederösterreich.

Genussscheine als Community-Building-Instrument

Über die Plattform Condor Capital Markets bietet HMW Mobility aktuell Genussscheine mit österreichischer ISIN an. Die Stückelung beginnt bewusst niedrig bei 250 Euro. Hofbauer betont dabei einen ungewöhnlichen Ansatz: „Wir wollen nicht einfach Investorinnen und Investoren an Bord, die Geld zuschießen, sondern wir wollen eine Investor-Community schaffen, die an die Marke und an unsere Produkte glaubt."

Verschiedene Investmentpakete staffeln sich von 1.000 bis 25.000 Euro. Das Rider-Paket für 3.000 Euro beispielsweise beinhaltet neben der Gewinnbeteiligung einen direkten Teamzugang, eine Einladung ins HMW-Museum und 500 Euro Rabatt beim Neufahrzeugkauf. Die Genussscheine ermöglichen eine Beteiligung am Unternehmensgewinn ohne fixen Kupon.

Auf die Frage nach einem möglichen Börsengang zeigt sich Hofbauer offen: „Um sich hier nach der Decke zu strecken, absolut denkbar. Warum soll man Nein sagen?"

Partnerschaft mit Masters of Dirt

Eine aktuelle Kooperation unterstreicht die Markenpositionierung: HMW Mobility ist offizieller Fahrzeugausstatter bei Masters of Dirt. Die Extremsport-Show hat ihren neuen Standort ebenfalls in Korneuburg – die räumliche Nähe machte die Zusammenarbeit naheliegend. Bei den Veranstaltungen kommt ausschließlich die Fox-E Enduro zum Einsatz.

Die Zielgruppenansprache ist bewusst breit angelegt. Die Electric-Linie richtet sich primär an jüngere Fahrer mit Moped-Führerschein, während die Classics-Reihe Wiedereinsteiger und Neueinsteiger im höheren Alter anspricht. Hofbauer sieht die Zweiradszene als verbindendes Element zwischen den Generationen und positioniert HMW entsprechend als Mobilitätsanbieter für alle Altersgruppen.

Fazit: Tradition trifft Mobilitätswende

HMW Mobility verbindet mehrere aktuelle Trends: die Wiederbelebung von Traditionsmarken, die Elektrifizierung des Zweiradmarkts und innovative Finanzierungsmodelle über Community-Investments. Mit einem erfahrenen Designerteam, einem strategischen Logistikpartner und einem wachsenden Händlernetz positioniert sich das Unternehmen als österreichischer Player in einem sich wandelnden Mobilitätsmarkt. Die Kombination aus Electric- und Classics-Linien zeigt dabei einen pragmatischen Ansatz, der verschiedene Kundenbedürfnisse bedient, statt auf nur eine Technologie zu setzen.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Marke HMW an ihre historischen Erfolge – damals 25.000 Fahrzeuge jährlich – auch nur ansatzweise anknüpfen kann. Die Grundlagen dafür werden gerade gelegt.