Shell muss in diesen Tagen gleich mehrere Themen gleichzeitig managen: Eine juristische Niederlage im wichtigen LNG-Geschäft, ein kapitalintensives Engagement beim angeschlagenen brasilianischen Ethanolproduzenten Raízen – und parallel läuft das Rückkaufprogramm auf Hochtouren. Für Anleger wird damit vor allem eines spannend: Wie gut hält Shell die Balance zwischen Strategie, Risiko und Kapitalrückfluss?

Gericht stoppt LNG-Anlauf gegen Venture Global

In New York hat ein Richter Shells Versuch abgewiesen, einen Schiedsspruch zugunsten von Venture Global kippen zu lassen. Das Gericht sah keinen Grund für zusätzliche Beweiserhebungen und betonte, Schiedsentscheidungen seien mit „erheblicher Zurückhaltung“ zu überprüfen. Shells Vorwurf, die Gegenseite habe das Tribunal mit Falschangaben beeinflusst, wertete der Richter als Spekulation.

Damit ist Shells juristische Gegenwehr gegen den Vorwurf faktisch beendet, Venture Global habe über Jahre keine LNG-Lieferungen bereitgestellt, obwohl die Anlage bereits produzierte. Hintergrund des Konflikts: Mehrere Energieunternehmen – darunter Shell, Repsol und BP – hatten 2023 Schiedsverfahren angestoßen. Der Vorwurf lautete, Venture Global habe nach dem Ukraine-Krieg lieber teurer am Spotmarkt verkauft, statt Lieferverträge zu erfüllen. Shell und Repsol verloren ihre Verfahren, BP gewann zwar im Oktober, wartet aber noch auf eine Entscheidung zur Schadenshöhe. Shell verwies nach dem Urteil darauf, man habe an die eigene Rechtsposition geglaubt, sei nun aber enttäuscht.

Raízen: 668 Millionen Dollar – und offene Fragen

Parallel erhöht Shell in Brasilien den Einsatz. Die Landeschefin bestätigte am Dienstag, dass Shell 3,5 Milliarden Reais (rund 668 Millionen US-Dollar) in Raízen investieren will. Der Zucker- und Ethanolproduzent steht unter Druck: zuletzt eine Serie von Verlusten, steigende Nettoverschuldung und Belastungen durch teure Investitionen sowie schlechtes Wetter bei den Ernten. Im Februar sprach Raízen selbst von „erheblicher Unsicherheit“ mit Blick auf die Fortführung des Geschäfts.

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Shell würde Raízen laut Management am liebsten in einem Stück stabilisieren – und rechnet damit, dass ein weiterer Aktionär ebenfalls 3,5 Milliarden Reais zuschießt. Gleichzeitig verdichten sich aber widersprüchliche Signale: Laut einem Bericht der Zeitung Valor Econômico plane Cosan keine Kapitalzufuhr, während der Cosan-Gründer Rubens Ometto demnach über sein Family Office 500 Millionen Reais investieren könnte. Zusätzlich berichtete Reuters von Unzufriedenheit auf Gläubigerseite über einen Vorschlag, Raízen in zwei Teile zu trennen (Kraftstoffvertrieb getrennt von Raffinerien und weiteren Assets). Shell betonte, eine mögliche Aufspaltung solle erst nach einer Rekapitalisierung bewertet werden.

Rückkäufe laufen weiter – und Termine rücken näher

Während diese Themen laufen, setzt Shell sein Aktienrückkaufprogramm fort. Am 3. März 2026 kaufte und annullierte das Unternehmen 2.060.266 eigene Aktien im Rahmen des am 5. Februar gestarteten Programms, das bis 1. Mai 2026 läuft. Zur Einordnung: Die Aktie notiert aktuell bei 35,88 Euro und damit nur knapp unter dem 52‑Wochen‑Hoch.

In den nächsten Wochen stehen zudem feste Termine an: Am 16. März veröffentlicht Shell einen LNG-Ausblick samt strategischem Fokus auf das LNG-Portfolio. Die Zahlen für das erste Quartal folgen am 7. Mai. Außerdem läuft die Q4‑Dividende (0,372 US‑Dollar je Aktie) Ende März zur Zahlung an – wichtige Frist für die Währungsauswahl ist der 6. März.

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