Redcare Pharmacy Aktie: Gegenwind wächst
Die jüngsten Eckdaten zum vierten Quartal haben bei Redcare Pharmacy für Ernüchterung gesorgt. Trotz stark wachsender Rezeptumsätze in Deutschland blieb das Gesamtbild deutlich hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb im margenstarken OTC-Geschäft – ausgerechnet dort, wo das Unternehmen bereits unter Druck steht. Wie passt das zusammen?
Starke Rezepte, schwache OTC-Umsätze
Auf den ersten Blick klingen die Zahlen solide: Redcare steigerte den Konzernumsatz im vierten Quartal 2025 um 18 % auf 794 Mio. Euro. Das Problem: Der Markt hatte rund 3 % mehr erwartet. Der Rückstand geht im Wesentlichen auf das Konto des nicht verschreibungspflichtigen Geschäfts (Non-Rx), das etwa 9 % unter den Prognosen blieb.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Q4-Umsatz Konzern: 794 Mio. Euro (+18 % gegenüber Vorjahr, ca. 3 % unter Konsens)
- Umsatz Gesamtjahr 2025: 2,9 Mrd. Euro (+24 %)
- Deutsche Rx-Umsätze Q4: 155 Mio. Euro (+59 % gegenüber Vorjahr)
- Deutsche Rx-Umsätze Gesamtjahr: 503 Mio. Euro (+98 %, über der eigenen Prognose von 500 Mio. Euro)
- Non-Rx-Umsatz Q4: 483 Mio. Euro (+9 %, aber klar unter Erwartung)
- Aktive Kunden: 13,9 Mio. (+1,4 Mio. im Jahresvergleich)
Damit zeigt sich ein gespaltenes Bild: Das E-Rezept treibt das margenstarke Rx-Geschäft deutlich an und lässt die Jahresziele sogar leicht hinter sich. Gleichzeitig verliert der Non-Rx-Bereich an Dynamik und bremst das Wachstum, obwohl er weiterhin den größten Umsatzbeitrag liefert.
Am Markt kam diese Kombination schlecht an: Nach Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen am 7. Januar war die Reaktion deutlich negativ, auch wenn sich der Kurs seitdem leicht gefangen hat. Heute notiert die Aktie mit rund 65,65 Euro weiterhin mehr als 50 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch.
Analysten mit deutlich unterschiedlichen Kurszielen
Die widersprüchliche Entwicklung in den Segmenten spiegelt sich in den Analysteneinschätzungen wider. Nach den Q4-Daten passte mwb research sein Kursziel nach unten an, blieb aber bei der Empfehlung „Buy“. Barclays bestätigte das Votum „Overweight“ und ein Kursziel von 130 Euro, während UBS bei „Neutral“ und 74 Euro verharrt.
Die aktuelle Analysten-Landschaft im Überblick:
- Baader Bank: Buy, Kursziel 175 Euro
- Deutsche Bank: Buy, Kursziel 214 Euro
- Jefferies: Buy, Kursziel 150 Euro
- Barclays: Overweight, Kursziel 130 Euro
- UBS: Neutral, Kursziel 74 Euro
Im Schnitt liegt das 12-Monats-Kursziel bei 142,75 Euro und damit deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Das signalisiert, dass viele Häuser die strukturellen Wachstumstreiber – vor allem das E-Rezept – weiterhin positiv sehen, auch wenn die kurzfristige Enttäuschung im Non-Rx-Bereich den Kurs belastet.
dm drückt die Margen im OTC-Geschäft
Zusätzlichen Druck bringt die Konkurrenz: Der Drogerieriese dm ist Mitte Dezember 2025 mit seiner Online-Apotheke dm-med gestartet. Bestellt wird rezeptfreie Ware online, ausgeliefert wird aus Tschechien – mit angekündigten Preisvorteilen von 20–30 % gegenüber klassischen Apotheken.
dm bringt dafür beträchtliche Ressourcen mit:
- Rund 4.200 Filialen in Deutschland
- 12,5 Mio. App-Nutzer
- Mehrstellige Millioneninvestitionen in das Apothekenprojekt
- Möglichkeit zur Kombination von Apothekenbestellungen mit regulären dm-Einkäufen
Gerade im OTC-Segment, in dem die Margen ohnehin unter Druck stehen, ist das eine direkte Herausforderung für Redcare. Preisaggressive Angebote eines so etablierten Handelsnamens erhöhen den Wettbewerbsdruck in einem Bereich, der im jüngsten Quartal ohnehin hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.
Bilanz und Finanzierung im Fokus
Auf der Finanzierungsseite arbeitet Redcare aktiv an seiner Kapitalstruktur. Im Dezember 2025 bestätigte das Unternehmen, dass Gläubiger der 2021/2028er Wandelanleihe von ihrem Rückzahlungsrecht über 64,5 Mio. Euro Gebrauch machen. Die Auszahlung steht am 21. Januar 2026 an.
Bereits im April 2025 hatte Redcare seine Schuldenstruktur neu geordnet und eine neue Wandelanleihe über 300 Mio. Euro mit Laufzeit bis 2032 begeben. Damit wurde die Fälligkeitenstruktur verlängert und zusätzlicher finanzieller Spielraum geschaffen.
Die Liquidität wirkt derzeit solide: Zum Ende September 2025 verfügte das Unternehmen über 265,6 Mio. Euro an liquiden Mitteln und kurzfristigen Finanzanlagen, nach 177,6 Mio. Euro zum Jahresende 2024. Diese Basis erleichtert es, sowohl das operative Wachstum als auch anstehende Rückzahlungen zu stemmen.
Technisches Bild weiter schwach
Aus charttechnischer Sicht bleibt die Lage angespannt. Die Aktie handelt mit aktuell 65,65 Euro klar unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 87,21 Euro und damit in einem etablierten Abwärtstrend. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Minus von rund 45 % zu Buche, während das Papier gleichzeitig nur knapp über dem jüngsten 52-Wochen-Tief notiert.
Hinzu kommt ein Short Interest von etwa 14 %, was auf anhaltende Skepsis institutioneller Investoren hindeutet. Kurzfristige Erholungen ändern an diesem übergeordnet schwachen Bild bislang wenig.
Entscheidender nächster Termin ist der 4. März 2026: Dann legt Redcare die vollständigen Zahlen für 2025 vor, inklusive Profitabilitätskennzahlen und der ersten Prognose für 2026. Vor allem Aussagen zur Entwicklung des Non-Rx-Geschäfts, zur Konkurrenzsituation durch dm und zur weiteren Nutzung des E-Rezepts dürften dann maßgeblich bestimmen, ob der Markt seine derzeit sehr kritische Haltung überdenkt.
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