PayPal schlägt heute ein neues Kapitel auf – und das gleich mit mehreren Baustellen. Der Konzern bekommt mit Enrique Lores einen neuen CEO, während Übernahmefantasien rund um Stripe wieder abkühlen und gleichzeitig Aktionärsklagen Druck machen. Entscheidend ist jetzt eine andere Frage: Kann PayPal ausgerechnet im Kerngeschäft „branded checkout“ wieder mehr Tempo aufnehmen?

Chefwechsel mit klarer Ansage

Der Verwaltungsrat hat Enrique Lores mit Wirkung zum 1. März 2026 zum President und CEO ernannt. Damit endet die Phase mit Interims-CEO Jamie Miller, die als Chief Financial and Operating Officer den Übergang abgesichert hatte. Neuer unabhängiger Verwaltungsratschef ist ab sofort David W. Dorman.

Bemerkenswert ist vor allem die Begründung: Der Verwaltungsrat verweist auf eine umfassende Überprüfung der Position gegenüber Wettbewerbern und dem Branchenumfeld. Zwar habe es in den vergangenen zwei Jahren Fortschritte gegeben – das Tempo bei Veränderung und Umsetzung habe aber nicht den Erwartungen entsprochen. Lores bringt Board-Erfahrung mit (knapp fünf Jahre, seit Juli 2024 als Chair) und soll den Umbau nun operativ beschleunigen.

Stripe-Gerüchte: Kurzer Rausch, harte Hürden

In der vergangenen Woche schoss die Spekulation hoch, Stripe könne an einer Übernahme ganz oder in Teilen interessiert sein. Berichte über ein „vorläufiges Interesse“ hatten die Fantasie befeuert. Kurz darauf folgte jedoch die Einordnung: PayPal sucht demnach keinen Käufer und führt keine Verhandlungen – weder mit Stripe noch mit anderen.

Selbst wenn Interesse existiert, stehen strukturelle Hürden im Weg. Stripe ist privat gehalten und hat damit keine börsennotierten Aktien, die sich als „Akquisitionswährung“ nutzen lassen. Eine Transaktion müsste folglich stark über Fremdkapital finanziert werden – in einem Umfeld, in dem PayPals Bewertung zudem bereits deutlich unter früheren Spitzenwerten liegt.

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Zahlen: Wachstum da – aber nicht dort, wo es zählt

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen das Dilemma, das Lores nun lösen muss. Im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz auf 8,68 Mrd. US-Dollar (+3,7% zum Vorjahr). Das bereinigte Ergebnis je Aktie legte auf 1,23 US-Dollar zu (+3,4%). Das gesamte Zahlungsvolumen wuchs um 8,8% auf 475,14 Mrd. US-Dollar, aktive Accounts nahmen leicht auf 439 Mio. zu (+1,2%).

Der Haken: Das Wachstum im wichtigen „branded checkout“-Geschäft fiel auf nur noch 1% – nach 6% ein Jahr zuvor. Als Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen Schwäche im US-Einzelhandel und Gegenwind international. Genau hier entscheidet sich, ob PayPal mehr ist als ein großer Zahlungsabwickler – nämlich ein Premium-Checkout mit entsprechender Monetarisierung.

Für 2026 klingt das Management zudem vorsichtig: Der bereinigte Jahresgewinn kann laut Ausblick von leichtem Plus bis zu einem Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich reichen. Gleichzeitig investiert PayPal gezielt, was das Wachstum der Transaction Margin Dollars um rund drei Prozentpunkte bremsen soll – mit Schwerpunkt auf branded checkout und „Buy Now, Pay Later“, ergänzt um Venmo-Loyalty und „agentic commerce“-Initiativen.

Juristischer Druck und strategische Baustellen

Parallel laufen mehrere Aktionärsklagen, die sich auf operative Umsetzung und Finanzkommunikation beziehen. Eine neue Klage wirft PayPal vor, Aktionäre über die 2027er Wachstumsziele und den Zustand des branded-checkout-Kerngeschäfts in die Irre geführt zu haben; Frist für den Lead Plaintiff ist der 20. April 2026. Laut Bericht arbeitet PayPal zudem mit Bankberatern, um sich gegen mögliche aktivistische Kampagnen oder feindliche Übernahmeversuche zu wappnen – ein Thema, das durch den starken Kursverfall zusätzliche Relevanz bekommt.

Strategisch soll unter Lores der Fokus stärker „zurück zu den Basics“ gehen: Nutzererlebnis beim Checkout verbessern und Venmo schneller monetarisieren. Venmo soll dabei auf Kurs sein, die Marke von 2 Mrd. US-Dollar Umsatz früher als geplant zu übertreffen. Zudem kehrte „Enterprise Payments“ im vierten Quartal zu zweistelligem Volumenwachstum zurück. Hinzu kommen Partnerschafts- und Technikthemen, etwa als Zahlungsoption in einem neuen Google-Checkout im Rahmen von Googles Universal Commerce Protocol.

Auf dem Kurszettel bleibt der Titel trotz einer Erholung in den letzten sieben Tagen angeschlagen: Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 21,25%, der Schlusskurs vom Freitag lag bei 39,09 €.

Am 20. April 2026 rückt mit der Lead-Plaintiff-Frist in den Aktionärsklagen ein konkreter nächster Termin in den Fokus – während sich der Markt operativ daran abarbeiten dürfte, ob das schwächelnde branded-checkout-Wachstum 2026 wieder anzieht und die Investitionen tatsächlich messbar auf Marge und Disziplin einzahlen.

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