In einer Episode von Börsepeople im Podcast empfängt Christian Drastil den Pressesprecher der Österreichischen Post, Markus Leitgeb, zu einem Gespräch über Unternehmenskultur, Digitalisierung und die Transformation eines traditionsreichen Logistikunternehmens.

Der Einstieg des gebürtigen Klagenfurters, der heute "6 Jahre bei der POST POSTete", hätte kaum turbulenter sein können: Anfang März 2020, nur zwei Wochen vor dem ersten Lockdown, begann Leitgeb seine neue Position. Was als klassisches Onboarding geplant war, wurde zum Crashkurs in Krisenkommunikation – und offenbart gleichzeitig die Resilienz eines Unternehmens, das sich als Teil der kritischen Infrastruktur Österreichs beweisen musste.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Der Sprung ins kalte Wasser der Pandemie

Die erste Medienanfrage, die Leitgeb bei der Post bearbeitete, kam vom Börsen-Kurier und betraf die Auswirkungen der Covid-Pandemie in China auf Lieferketten. „Interessante Frage. Haben wir damals am Rande mitgenommen, aber war jetzt nicht wirklich direkt bei uns im Radar", erinnert sich der Pressesprecher. Was sich dann innerhalb weniger Wochen entwickelte, war eine beispiellose Herausforderung: Paketvolumina wie zu Weihnachten, jedoch ohne die übliche sechsmonatige Vorbereitungszeit.

Die Post musste gleichzeitig mehrere Fronten bedienen: den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommunizieren, die Bevölkerung über die fortlaufende Grundversorgung informieren und mit massiven Personalausfällen durch Covid-Infektionen umgehen. Als Teil der kritischen Infrastruktur blieb das Unternehmen durchgehend operativ – mit Briefen, Paketen und Gelddienstleistungen wie der Auszahlung von Pensionen und Arbeitslosengeld.

Unternehmenskultur zwischen Tradition und Agilität

Mit über 500 Jahren Geschichte ist die Österreichische Post eines der traditionsreichsten Unternehmen des Landes. Doch Leitgeb beschreibt ein überraschend modernes Arbeitsumfeld: Du-Kultur vom Generaldirektor bis zum Zusteller, Open Office, Clean Desk Policy. „Es ist wirklich ein sehr agiles, sehr angenehmes und trotz seiner Größe auch wendiges und schnelles Unternehmen", so der Pressesprecher.

Besonders bemerkenswert ist das Programm „Hilfe fürs Christkind", bei dem Mitarbeiter aus den Zentralbereichen während der Weihnachtsspitzenzeit in Logistikzentren und bei der Zustellung unterstützen. Für Leitgeb ist das nicht nur praktische Hilfe, sondern ein Zeichen der Wertschätzung: „Wirklich da auch zu wissen, was unsere 10.000 Zustellerinnen Tag für Tag bewegen."

Der Pressesprecher selbst nutzt jede Gelegenheit, in Logistikzentren mitzuarbeiten oder bei der Zustellung dabei zu sein. Auf seinem LinkedIn-Profil bezeichnet er sich zuerst als „Postler" und dann als Pressesprecher – eine Haltung, die ihm von Kollegen attestiert, „gelbes Blut" zu haben.

Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten Zielen

Die Transformation zur nachhaltigen Logistik steht im Zentrum der überarbeiteten Unternehmensstrategie. Mit über 5.000 E-Fahrzeugen betreibt die Post die größte Elektroflotte Österreichs. Das erklärte Ziel: Bis 2030 soll die gesamte Zustellung auf der letzten Meile CO2-frei erfolgen – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Elektrofahrzeugen.

Die Umstellung erfolgt Stadt für Stadt: Graz, Innsbruck, Salzburg und Wiener Neustadt sind bereits komplett auf emissionsfreie Zustellung umgestellt. Wien steht als nächstes auf der Liste – laut Leitgeb sollen die Weihnachtspakete Ende des Jahres bereits „absolut grün und CO2-frei" ankommen.

Ergänzt wird die Mobilitätswende durch über 18 Megawatt-Peak Photovoltaikanlagen auf den Logistikzentren. Selbst die Laufshirts, die Mitarbeiter bei Sportveranstaltungen tragen, bestehen aus Recyclingmaterial. Die Post übernimmt für ihre Belegschaft die Startgebühren für Lauf- und Radveranstaltungen – ein Angebot, das rege genutzt wird.

Digitale Kommunikation und LinkedIn-Strategie

Als Social-Media-Experte bringt Leitgeb fundiertes Wissen in die Unternehmenskommunikation ein. Alle drei Vorstände – Walter Oblin, Barbara Potisk-Eibensteiner und Peter Umundum – sind mittlerweile aktiv auf LinkedIn vertreten. CEO Walter Oblin erreichte bei einem Reichweiten-Ranking unter ATX-CEOs sogar den zweiten Platz.

Entscheidend ist dabei die Authentizität: Die Vorstände verfassen ihre Beiträge selbst, machen eigene Fotos und Selfies. „Es soll nichts Aufgesetztes sein, es soll kein LinkedIn-Account sein, den wir im Namen von jemand anders betreiben", betont Leitgeb. Für ein Unternehmen mit starkem B2B-Geschäft ist LinkedIn eine wichtige Plattform, um Firmenkunden zu erreichen, die der Post ihre Sendungen anvertrauen.

Leitgeb selbst hat mit seinem Format „Markus 4 Weekly" ein eigenes Konzept entwickelt: Jeden Freitag teilt er vier persönliche Highlights aus seiner Arbeit bei der Post – von Filial-Eröffnungen bis zu Logistikzentren-Besuchen.

Ausbau der Infrastruktur und Kundenservice

Die Post investiert kontinuierlich in ihr Standortnetz. Ein aktuelles Beispiel ist die SB-Filiale in der Dittelgasse im 22. Wiener Gemeindebezirk, die 2025 gemeinsam mit Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy eröffnet wurde. Diese 24/7-Lösungen entsprechen dem Kundenwunsch, Pakete rund um die Uhr empfangen und versenden zu können.

Besonderheit der neuen Filiale: Ein Sperrgutschalter, der in der Weihnachtshochsaison mit Personal besetzt werden kann, um auch große Sendungen auszugeben, die nicht in die automatischen Post-Stationen passen.

Ausblick auf ein besonderes Jubiläum

Heuer feiert die Österreichische Post ihr 20-jähriges Börsenjubiläum. 2006 ging das Unternehmen an die Wiener Börse – ein Jahr nach der Raiffeisen Bank International. Beide Unternehmen haben sich seither als verlässliche Kapitalmarkt-Stories etabliert, wobei die Post besonders als einer der führenden Dividendenwerte in Europa gilt.

Für Leitgeb ist die tägliche Arbeit bei der Post vor allem eines: die Möglichkeit, jeden Tag etwas Neues zu lernen. „Neues zu lernen, im Privaten wie im Job" – das sei es, was ihm Freude bereite, auch in herausfordernden Zeiten. Ein Unternehmen, das in der Pandemie Zusammenhalt bewies und sich nun als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit positioniert, bietet dafür offenbar das passende Umfeld.