PayPal startet heute in eine neue Phase – und das gleich mit mehreren Baustellen. An der Spitze übernimmt Enrique Lores als neuer CEO, während der Konzern parallel seine Stablecoin-Pläne ausweitet und sich mit einer neuen Sammelklage von Aktionären konfrontiert sieht. Kann die neue Führung daraus eine klarere Strategie und bessere Umsetzung formen?

Führungswechsel nach enttäuschendem Quartal

Enrique Lores übernimmt zum 1. März 2026 den Posten als President und CEO. Er folgt auf Alex Chriss; bis zum Amtsantritt von Lores hatte CFO/COO Jamie Miller übergangsweise als Interim-CEO geführt. PayPals Verwaltungsrat beschreibt den Wechsel als Ergebnis einer umfassenden Bewertung der Wettbewerbsposition und des Branchenumfelds.

Der Hintergrund ist heikel: Das vierte Quartal 2025 fiel schwächer aus als erhofft. Der Umsatz lag mit 8,68 Mrd. US-Dollar unter den erwarteten 8,80 Mrd. US-Dollar. Auch der bereinigte Gewinn je Aktie blieb mit 1,23 US-Dollar unter dem Konsens von 1,28 US-Dollar. Besonders auffällig: Das Wachstum beim „branded checkout“ im Onlinehandel kühlte deutlich ab – auf 1% nach 6% im Vorjahr. Als Gründe nannte das Unternehmen schwächere US-Einzelhandelsdaten, Gegenwind international sowie anspruchsvollere Vergleichswerte.

Für 2026 stellte PayPal beim bereinigten Gewinn nur eine Spanne in Aussicht, die von leichtem Plus bis zu einem Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich reicht. Diese vorsichtige Ansage belastete das Vertrauen nach der Berichtssaison zusätzlich.

Stablecoin-Infrastruktur statt nur eigener Coin

Fast zeitgleich setzt PayPal ein Ausrufezeichen im Krypto-Bereich – allerdings weniger als Verbraucherprodukt, sondern als Infrastruktur. Am 27. Februar stellten MoonPay und M0 mit PYUSDx eine Plattform vor, mit der Entwickler anwendungsspezifische Stablecoins erstellen können, die durch PayPal USD (PYUSD) gedeckt sind.

Das Ziel: geringere technische und operative Hürden, schnellere Umsetzung und Funktionen wie Cross-Chain-Kompatibilität sowie On-Chain-Reservetransparenz. Als erstes Projekt nutzt laut Mitteilung USD.ai PYUSDx für einen Stablecoin, der für Zahlungen in KI-Infrastruktur gedacht ist.

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Wichtig für die Einordnung: PYUSDx läuft über MoonPay Digital Assets Limited und ist ein separates Tokenisierungs- und Emissions-Framework. Die über PYUSDx erzeugten Tokens sind nicht identisch mit PYUSD und sollen nicht in PayPal- oder Venmo-Konten zum Halten oder für Transaktionen unterstützt werden. PayPal verschiebt sich damit von „ein eigener Stablecoin“ hin zu einem „Stablecoin-Baukasten“ für Dritte – und könnte so Reichweite im Ökosystem gewinnen, ohne zwingend die eigene Wallet-Nutzung ausweiten zu müssen.

Neue Sammelklage erhöht den Druck

Zusätzlich kommt juristischer Gegenwind: In den USA wurde eine Wertpapier-Sammelklage eingereicht. Sie betrifft Anleger, die zwischen dem 25. Februar 2025 und dem 2. Februar 2026 PayPal-Aktien gekauft oder erworben haben. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe in diesem Zeitraum wesentliche Aussagen irreführend dargestellt und relevante negative Fakten nicht ausreichend offengelegt – insbesondere rund um die Verlässlichkeit des Umsatz-Ausblicks und Risiken durch Saisonalität sowie makroökonomische Schwankungen.

Das Verfahren läuft vor dem U.S. District Court (Northern District of California). Bis 20. April 2026 können Investoren einen Antrag stellen, als Lead Plaintiff aufzutreten.

Konkurrenzdruck bleibt – aber PayPal nennt Hebel

Unabhängig davon bleibt der Wettbewerbsdruck ein Dauerthema. Im Markt gibt es seit Längerem die Sorge, dass Apple und Google im Kerngeschäft mit Zahlungen Marktanteile abknabbern könnten. PayPal verweist zugleich auf zusätzliche Treiber jenseits des klassischen Checkouts: Venmo soll sich weiter zur kommerziellen Plattform entwickeln, das Segment Enterprise Payments habe die Rückkehr in die Profitabilität geschafft, und „agentic commerce“ wird als neue Chance genannt.

Für 2026 erwartet PayPal beim branded checkout ein leicht positives bis niedrig einstelliges Wachstum, gestützt durch skalierende Produkt-Rollouts und zunehmende biometrische Nutzung. Venmo sei auf Kurs, mehr als 2 Mrd. US-Dollar Umsatz zu erreichen – früher als geplant. Zudem meldete PayPal für Enterprise Payments im vierten Quartal wieder zweistelliges Volumenwachstum.

Auch beim Thema KI will PayPal punkten: Im Evident AI Index 2026 für Payments wurde das Unternehmen als globaler Spitzenreiter beim KI-Talent genannt und belegte Platz zwei bei Innovation in der Zahlungsbranche.

Zum Aktienbild: Nach der jüngsten Erholung liegt die Aktie in den letzten 7 Tagen zwar deutlich im Plus, bleibt aber seit Jahresbeginn klar im Minus.

Im Fokus stehen nun zwei konkrete Marker der ersten Wochen unter Lores: ob PayPal die angekündigte „Transformation“ mit verlässlicheren Quartalsergebnissen untermauern kann – und wie stark Sammelklagen und die neue Krypto-Infrastruktur-Initiative die Wahrnehmung des Konzerns bis zur Frist für den Lead-Plaintiff-Antrag am 20. April 2026 prägen.

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