Der Ölmarkt wird gerade von zwei Kräften gleichzeitig durchgeschüttelt: einer eskalierenden Krise im Nahen Osten und der Aussicht auf neue, große Fördermengen in Irak. Genau an dieser Schnittstelle steht Chevron – als Profiteur steigender Preise, aber auch als Unternehmen mit wachsender Präsenz in einer politisch heiklen Region. Was heißt das für die Perspektive des Konzerns?

Ölpreis-Schock durch Hormuz-Risiko

Auslöser der jüngsten Unruhe sind US- und israelische Angriffe auf Iran – und die Folge davon: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist laut Bericht weitgehend zum Erliegen gekommen, weil Reeder und Händler eine Art selbst auferlegte Pause einlegen. Das ist deshalb so brisant, weil diese Meerenge als Engpass einen enormen Teil des globalen Energiehandels bündelt: Rund ein Drittel der seebasierten Ölexporte und etwa 20% der LNG-Exporte laufen dort durch.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Chevron?

Der Markt preist damit eine „Risikoprämie“ ein. Hintergrund ist die Sorge, Iran könnte die Route als Vergeltung für Angriffe gezielt unsicher machen. Barclays brachte in einer Kundennotiz sogar die Marke von 100 Dollar je Barrel Brent ins Spiel – allerdings klar als Szenario, falls sich die Sicherheitslage weiter zuspitzt.

Irak als strategischer Hebel – mit Auflagen

Parallel dazu treibt Chevron eine Expansion voran, die es in sich hat: Der Konzern ist laut Bericht der Favorit, um das riesige Ölfeld West Qurna 2 zu übernehmen – Irak’ zweitgrößter Ölkomplex, bislang von Lukoil im Rahmen eines Servicevertrags betrieben. Das Feld gilt als Schwergewicht: geschätzte förderbare Reserven von rund 14 Milliarden Barrel, aktuelle Förderung von 460.000 bis 480.000 Barrel pro Tag. Damit stehen etwa 9% der irakischen Ölproduktion und rund 0,5% des weltweiten Angebots im Raum.

Der Deal ist politisch aufgeladen. Irak hat das Feld im vergangenen Monat verstaatlicht, nachdem die USA Sanktionen gegen Lukoil verhängt hatten. Chevron hat nun für 12 Monate exklusive Verhandlungsrechte. Entscheidend ist aber: Die vorläufigen Vereinbarungen greifen nur, wenn die irakische Bundesregierung zustimmt – und wenn weitere Genehmigungen erteilt werden, inklusive Freigaben durch die US-Behörde OFAC.

Eine zusätzliche Dimension: Iraks Ölminister stellte in Aussicht, dass die Produktion nach einer Übernahme durch Chevron auf 750.000 bis 800.000 Barrel pro Tag steigen könnte. Das wäre ein kräftiger Sprung – aber einer, der regulatorisch und sicherheitspolitisch abgesichert werden muss. Genau diese Risiken sind laut Bericht auch der Grund, warum viele US-Energiekonzerne Irak-Investments bislang mieden.

Fundament bleibt robust – und der Kurs läuft

Operativ kommt Chevron aus einer soliden Ausgangslage: Für das vierte Quartal 2025 meldete das Unternehmen 2,8 Milliarden Dollar Gewinn (1,39 Dollar je Aktie) nach 3,2 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Gleichzeitig stieg die Produktion 2025 deutlich auf 3,72 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag (2024: 3,34 Millionen).

Wichtig für die Einordnung: Chevron betonte zuletzt, die eigene „Break-even“-Schwelle für Dividende und Investitionen auf etwa 50 Dollar je Barrel Brent gesenkt zu haben. Das soll helfen, auch bei schwächeren Ölpreisen Dividende und Investitionspläne zu tragen. Passend dazu verweist der Konzern auf 38 Jahre in Folge mit steigender Dividende.

Am Markt kommt diese Kombination aus Cashflow-Logik und Ölpreis-Rückenwind an: Heute markierte die Aktie mit 165,74 € ein neues 52-Wochen-Hoch.

Zum nächsten Prüfstein werden zwei Faktoren: erstens, ob sich die Lage rund um die Straße von Hormus zu einer länger anhaltenden Störung entwickelt – oder ob der Verkehr wieder anläuft. Und zweitens, ob Chevron die Irak-Pläne tatsächlich durch die nötigen politischen und US-seitigen Genehmigungsprozesse bekommt und damit West Qurna 2 von einer Option zu einem echten Wachstumstreiber macht.

Chevron-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Chevron-Analyse vom 02. März liefert die Antwort:

Die neusten Chevron-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Chevron-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 02. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Chevron: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...