PayPal schlägt heute ein neues Kapitel auf – und das unter denkbar unruhigen Vorzeichen. Mit Enrique Lores übernimmt ein Sanierer das Ruder, während im Hintergrund unerwünschtes Übernahme-Interesse und juristischer Gegenwind für zusätzlichen Druck sorgen. Kann das neue Management gleichzeitig operativ stabilisieren und die strategische Richtung schärfen?

Neuer CEO, klarer Auftrag

Der Verwaltungsrat hat Enrique Lores mit Wirkung zum 1. März 2026 zum President und CEO ernannt. Er folgt auf Alex Chriss. Übergangsweise hatte Jamie Miller als Interim-CEO geführt, um den Wechsel abzufedern.

Entscheidend ist dabei die Begründung des Boards: Nach einer umfassenden Bewertung sah man zwar Fortschritte der vergangenen zwei Jahre, aber Tempo und Umsetzung reichten nicht an die Erwartungen heran. Übersetzt heißt das: PayPal soll schneller liefern – und zwar sichtbar.

Übernahme-Gerüchte: eher Abwehr als Verkaufssignal

Rund um PayPal kursiert seit Monaten ein M&A-Narrativ, das laut Bericht vor allem defensiv geprägt ist. Das Unternehmen arbeitet demnach seit geraumer Zeit mit Investmentbanken, um sich auf mögliche Aktivisten-Kampagnen oder ein ungewolltes Übernahmeangebot vorzubereiten. Hintergrund: Der Kursrückgang habe das Unternehmen aus Sicht von Führungskräften angreifbarer gemacht.

In dieses Umfeld fällt auch das Interesse von außen – unter anderem von Stripe. Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich um frühe, unverbindliche Überlegungen. PayPal befindet sich laut Bericht derzeit nicht in Verkaufsverhandlungen – weder mit Stripe noch mit anderen Interessenten. Beide Seiten wollten die Berichte nicht kommentieren.

Ein zusätzlicher Stolperstein ist die Größenordnung: Stripe wurde in einem jüngsten Tender Offer mit 159 Milliarden US-Dollar bewertet, deutlich über PayPals damaliger Marktkapitalisierung im Bericht. Weil Stripe nicht börsennotiert ist, wäre eine Übernahme nicht „einfach“ über Aktien zu bezahlen – das würde eine sehr große Cash-Finanzierung nötig machen. Dazu kommen Integrationsrisiken, etwa durch unterschiedliche Systeme und Kulturen.

Zahlen ordentlich – aber ein Kernsignal schwächelt

Auslöser der jüngsten Unruhe waren auch die Q4-Zahlen vom 3. Februar. Auf den ersten Blick wirkten sie solide: Umsatz plus 3,7% auf 8,68 Milliarden US-Dollar, bereinigtes EPS bei 1,23 US-Dollar, Total Payment Volume plus 8,8% auf 475,14 Milliarden US-Dollar. Auch die aktiven Accounts stiegen leicht auf 439 Millionen.

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Der Haken steckt in einer zentralen Kennzahl: Das Wachstum beim „branded checkout“ kühlte im vierten Quartal auf nur noch 1% ab – nach 6% im Vorjahr. Als Gründe nennt der Bericht Schwäche im US-Einzelhandel, internationalen Gegenwind und anspruchsvollere Vergleichswerte. Genau diese Verlangsamung trifft das Herz der PayPal-Story, weil sie einen wichtigen Teil der Monetarisierung widerspiegelt.

Dazu passt der vorsichtige Blick nach vorn: Für 2026 stellte PayPal beim bereinigten Gewinn entweder einen leichten Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich oder allenfalls einen kleinen Anstieg in Aussicht. Analystenreaktionen fielen entsprechend nüchtern aus: Jefferies sprach von Ergebnissen und Ausblick, die selbst niedrige Erwartungen verfehlten. HSBC stufte von „Buy“ auf „Hold“ ab und senkte das Kursziel; RBC blieb bei „Outperform“, reduzierte aber ebenfalls das Ziel.

Beim Blick auf den Kursverlauf zeigt sich, wie angespannt die Lage bleibt: In den vergangenen 30 Tagen liegt die Aktie trotz jüngster Erholung noch mit -13,62% im Minus.

Klagen und Strategie-Baustellen parallel

Nach dem Kursrutsch Anfang Februar nahm auch der juristische Druck zu. Laut Bericht wurde eine Sammelklage für Investoren eingereicht, die zwischen dem 25. Februar 2025 und dem 2. Februar 2026 PayPal-Wertpapiere gekauft oder gehalten haben. Der Vorwurf: ein zu optimistischer Eindruck zur Verlässlichkeit des Ausblicks sowie ein Herunterspielen von Risiken durch Saisonalität und makroökonomische Schwankungen.

Zusätzlich verteidigt sich PayPal in weiteren Sammelklagen – unter anderem im Zusammenhang mit Honey (Vorwürfe rund um Affiliate-Provisionen) sowie Kartellrechtsvorwürfen zu Regeln bei Händlergebühren.

Gleichzeitig laufen strategische Initiativen weiter: PayPal wurde im 2026 Evident AI Index for Payments als global führend beim KI-Talent genannt. Zudem soll PayPal Teil von Googles Universal Commerce Protocol als Zahlungsoption in einer neuen Checkout-Funktion werden. Auch eine Partnerschaft mit Sabre und Mindtrip rund um eine „agentic AI“-Reiselösung wird angeführt.

Zum Start von Lores’ Amtszeit ist die Gemengelage damit klar umrissen: operativ muss vor allem der branded checkout wieder mehr Zug bekommen, während Übernahme-Spekulationen, mögliche Portfolio-Diskussionen und mehrere Rechtsstreitigkeiten parallel das Bild prägen.

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