In der aktuellen Episode „Börsepeople im Podcast S23/21" spricht Host Christian Drastil mit Oberbank-Vorstandsdirektor Martin Seiter über die strategische Ausrichtung der Bank und das Firmenkundengeschäft Die Gespräche wurden bei der Treasury and Finance Convention in Schladming geführt – einmal 2024 und einmal 2025.

Die Oberbank steht vor einem historischen Führungswechsel. Generaldirektor Franz Gasselsberger hat um die einvernehmliche Auflösung seines bis Mai 2027 laufenden Vorstandsvertrags mit Wirkung zum 31. Dezember 2026 ersucht. Als Nachfolger wird der Nominierungsausschuss dem Aufsichtsrat voraussichtlich Vorstandsdirektor Martin Seiter vorschlagen. Entsprechende Beschlüsse werden für März 2026 erwartet.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Der steile Aufstieg eines Bankers aus Leidenschaft

Martin Seiters Karriere bei der Oberbank begann 2006 als Privatkundenberater in der Filiale Gmundner Rathausplatz. Mit 25 Jahren wurde er zum jüngsten Filialleiter der Bank berufen. Es folgten rasche Aufstiege: Leitung der strategisch wichtigen Filiale Vöcklabruck für das Firmenkundengeschäft, stellvertretende Leitung des Geschäftsbereichs Salzkammergut, Leitung des Geschäftsbereichs Salzburg und schließlich die Leitung der Zentralen Geschäftsabteilung Privatkunden.

Nach der Fusion der Geschäftsbereiche Salzkammergut und Wels übernahm Seiter die Mitleitung des Geschäftsbereichs Oberösterreich-Süd – einem der größten und ertragsstärksten Bereiche im Kernmarkt der Oberbank. 2020 erfolgte die Bestellung in den Vorstand. Parallel zu seiner beruflichen Entwicklung absolvierte er die Führungskräfteakademie an der Linzer Managementakademie LIMAK sowie ein Studium zum Global Executive MBA.

Firmenkundengeschäft als strategischer Schwerpunkt

Die Oberbank positioniert sich als Bank für die Industrie. Der größte Anteil der Erträge stammt aus dem Firmenkundengeschäft, das in fünf Märkten betrieben wird: Österreich, Deutschland, Tschechien, Slowakei und Ungarn. Seiter beschreibt das Alleinstellungsmerkmal der Bank: „Wir können das, was die Großen können, aber wir sprechen wie eine Regionalbank."

Diese Kombination aus Know-how und regionaler Nähe bringe kontinuierlich Neukunden und zusätzliche Marktanteile. Langjährige Bankverbindungen mit börsennotierten Konzernen wie der voestalpine unterstreichen diese Position. Bei der voestalpine ist die Oberbank gemeinsam mit Raiffeisen und der Mitarbeiterstiftung ein Kernaktionär und sichert so die Unabhängigkeit des oberösterreichischen Leitbetriebs.

Im Gespräch von 2025 berichtet Seiter von einem Rekordjahr bei der Firmenkreditnachfrage. Die Bank verzeichnet ein historisch starkes Neuvergabejahr bei Investitions- und Exportfinanzierungen. Die Investitionen fließen dabei weniger in Kapazitätsausweitungen, sondern verstärkt in Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Automatisierung.

Wachstumsstrategie in Deutschland und Europa

Deutschland ist der Wachstumsmarkt Nummer eins für die Oberbank. In der neuen Strategie plant die Bank, Nordrhein-Westfalen als zehntes deutsches Bundesland stärker zu erschließen und bis zu zehn Standorte aufzubauen. Die Diskussionen um Commerzbank und UniCredit spielen der Oberbank dabei in die Karten, da sie als gefragte Alternative zu den Großbanken positioniert ist.

In Österreich hat die Oberbank die Grenzen ihrer Kernbundesländer längst verlassen und ist mittlerweile die größte Regionalbank in Wien. Auch Tschechien und Ungarn gewinnen an Bedeutung, insbesondere bei Fremdwährungsabsicherungen und Exportthemen.

Die Unabhängigkeit bezeichnet Seiter als oberstes Unternehmensziel, das seit über 40 Jahren im Haus verankert ist. „Die Unabhängigkeit ist das Allerwichtigste. Es ist ein großer Mehrwert für alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für alle unsere Aktionärinnen und Aktionäre und vor allem für alle unsere Kundinnen und Kunden", betont der Vorstandsdirektor.

ESG, Regulierung und geopolitische Herausforderungen

Das Thema ESG spielt für die Oberbank eine zunehmend wichtige Rolle. Die Kapitalmarktemissionen sollen verstärkt grün werden, da Anleger und Investoren entsprechende Standards erwarten. Die Bank ist von der Ratingagentur ISS ESG mit dem Prädikat „Prime" bewertet.

Bei der Regulierung zeigt sich Seiter weniger optimistisch als noch 2024. Die Überregulierung belaste Banken weiterhin massiv – vom Wertpapiergeschäft über Geldwäsche bis hin zu Nachhaltigkeitsthemen. Die Hoffnung, dass der Peak der Regulierung erreicht sei, hat sich nicht vollständig erfüllt.

Die geopolitische Unsicherheit und die kurzfristig schwankende Tagespolitik, insbesondere Aussagen des US-Präsidenten zu Zöllen und Währungspolitik, haben direkte Auswirkungen auf das Geschäft. Der größte Impact liegt auf Währung und Zinspolitik. Wenn die Unabhängigkeit von Notenbanken angezweifelt wird, entstehen Verwerfungen an Börsen und Kapitalmärkten. Die Oberbank reagiert darauf mit verstärkten Absicherungsangeboten für Kunden.

Personalstrategie und moderne Markenpositionierung

Human Resources ist als eines der wichtigsten Kernthemen in der Strategiearbeit verankert. „Banking is people" – dieser Grundsatz prägt Seiters Führungsverständnis. Die Bank konnte viele Nachwuchsführungskräfte aus den eigenen Reihen besetzen und verfügt über ein starkes Potenzialprogramm.

Die Frauenführungsquote liegt mittlerweile über 30 Prozent. Mit zwei Frauen im Vorstand gehört die Oberbank zu den wenigen Unternehmen mit einer solchen Besetzung. Ein moderner, jüngerer Markenauftritt soll helfen, junge, dynamische Talente anzusprechen.

Seiter selbst pflegt intensive Kundenbeziehungen und absolviert über 300 Kundentermine pro Jahr bei den besten Kunden der Bank. „Ich brauche keine Wirtschaftsforscher, sondern ich höre zu, was unsere Kunden sagen, dann weiß ich, wie es der Wirtschaft geht", erklärt er seinen Ansatz.

Sport als Teil der Unternehmenskultur

Die Oberbank engagiert sich stark im Sport. Der Oberbank Linz Marathon ist eine etablierte Veranstaltung, an der auch Seiter persönlich teilnimmt – 2024 mit einem Halbmarathon unter 1:30 Stunden, 2025 mit dem vollen Marathon. Im Fußball ist die Bank als Namensgeber beim SV Oberbank Ried aktiv und wurde kürzlich Premium-Partner bei den Blau-Weißen.

Die Oberbank steht vor einem bedeutenden Führungswechsel, der die erfolgreiche Strategie der vergangenen Jahre fortsetzen soll. Mit Martin Seiter als voraussichtlichem neuem Generaldirektor setzt die Bank auf Kontinuität, Unabhängigkeit und weiteres Wachstum im Firmenkundengeschäft – insbesondere in Deutschland.