BAWAG-Aktie schreibt Börsengeschichte: Über eine Milliarde Euro Handelsvolumen in der Schlussauktion
In der aktuellen Episode von „Kapitalmarkt-stimme.at daily voice" mit dem Titel „40 Jahre dabei" berichtet Christian Drastil von einem Ereignis, das selbst den langjährigen Börsenbeobachter aus dem bereits beendeten Arbeitstag zurück an den Rechner holte.
Ein beispielloser Rekord an der Wiener Börse
Was sich am Freitag in der Schlussauktion der Wiener Börse abspielte, hat Christian Drastil in seiner gesamten Karriere als Börsenbeobachter noch nicht erlebt. Seit Mitte der 1980er-Jahre verfolgt er das Geschehen am österreichischen Kapitalmarkt – ein Handelsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro in einer einzigen Schlussauktion war in dieser Zeit nie vorgekommen.
Die konkreten Zahlen sind beeindruckend: 8.404.000 BAWAG-Aktien wechselten in der Schlussauktion den Besitzer, bei einem Kurs von 132 Euro. Das entspricht einem Umsatz von mehr als 1,1 Milliarden Euro – allein in der Schlussauktion. Der gesamte Tagesumsatz der BAWAG-Aktie lag nur geringfügig höher bei 1,12 Milliarden Euro.
MSCI-Aufnahme als Auslöser des Rekordhandels
Der Grund für dieses außergewöhnliche Handelsvolumen liegt in einem markanten MSCI-Event: Die BAWAG wurde in den MSCI Global Standard Index aufgenommen. Diese Entscheidung war bereits am 10. Februar bekannt gegeben worden. Die tatsächliche Marktauswirkung zeigt sich jedoch traditionell erst am Ultimo, wenn die Aufnahme effektiv wird.
„Da wird dann beinhart in der Schlussauktion gehandelt", erklärt Drastil das Phänomen. Interessanterweise verlor die Aktie in der Schlussauktion noch von 133 auf 132 Euro – ein Kursrückgang, der auf den ersten Blick im Widerspruch zur positiven Index-Nachricht steht. Drastil ordnet dies jedoch als durchaus üblich ein: Investoren, die im Vorfeld der Index-Aufnahme gekauft haben, warten auf die indexbezogenen Kauforders, um ihren Ausstieg zu realisieren.
Einordnung in den Gesamtmarkt
Um die Dimension des Rekords zu verdeutlichen: Die höchsten Einzelaktien-Umsätze, die Drastil aus seiner Erinnerung nennen kann, lagen bei etwa 700 Millionen Euro. Im laufenden Jahr 2026, das bisher als gutes Börsenjahr gilt, betrug der durchschnittliche Tagesumsatz für alle 20 Aktien kumuliert rund 300 Millionen Euro.
Der Gesamtmarkt erreichte am Freitag ein Handelsvolumen von 1,603 Milliarden Euro. Auch die Erste Group verzeichnete mit 154 Millionen Euro einen beachtlichen Tagesumsatz und hat damit bereits Ende Februar die Marke von drei Milliarden Euro Handelsvolumen im Jahr 2026 überschritten. Die BAWAG liegt nun bei einem kumulierten Jahresumsatz von 2,562 Milliarden Euro.
Börsengeschichte für das Buch
Der Zeitpunkt dieses historischen Ereignisses passt für Drastil perfekt: Er arbeitet derzeit an einem Buch über die jüngere Geschichte der Wiener Börse. Das Werk beginnt am 22. März 1985 – seinem 17. Geburtstag, an dem auch an der Börse etwas Besonderes passierte – und endet am 22. März 2026. Der Rekord-Event kann damit noch Eingang in das 420 Seiten starke Buch finden.
„Wenn jemand einen höheren Umsatz von einer Aktie an einem Tag kennt, bitte, bitte melden", fordert Drastil seine Zuhörer auf. Er selbst kennt keinen vergleichbaren Fall aus den Jahrzehnten seiner Berichterstattung. Das Buch, ursprünglich zum Börsentag Wien am 14. März geplant, soll nun im April erscheinen und wird mit einer Lesung samt Party präsentiert. Mehr als 500 Personen sind im Personenindex verzeichnet, der Verkaufspreis liegt bei 42 Euro.
Fazit
Die BAWAG-Aktie hat mit der Aufnahme in den MSCI Global Standard Index einen historischen Handelstag an der Wiener Börse ausgelöst. Das Volumen von über einer Milliarde Euro in der Schlussauktion stellt einen beispiellosen Rekord dar, der die bisherigen Höchstwerte deutlich übertrifft. Für langjährige Marktbeobachter wie Christian Drastil ist dies ein Ereignis, das Börsengeschichte schreibt – und genau deshalb den Rechner noch einmal einzuschalten rechtfertigt.








