Der Düsseldorfer Pharmaverpackungshersteller Gerresheimer steckt tief in der Krise. Eine laufende Sonderuntersuchung, eine BaFin-Prüfung und verschobene Abschlüsse summieren sich zu einem Vertrauensproblem, das den Kurs seit März 2025 um rund 78 Prozent einbrechen ließ.

Bilanzfehler ziehen immer weitere Kreise

Den Ausgangspunkt bildeten Buchungsfehler, die Ende 2025 bekannt wurden: Mitarbeiter hatten Umsätze erfasst, bevor die Ware ausgeliefert war. Seitdem weitet sich der Untersuchungsrahmen stetig aus. Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchleuchtet Geschäftsvorgänge aus 2024 und 2025 — und braucht länger als geplant. Deshalb kann der testierte Jahresabschluss 2025 nicht wie vorgesehen bis Ende März vorgelegt werden. Gerresheimer rechnet nun mit einer Veröffentlichung im Juni 2026.

Die BaFin hat inzwischen eine eigene Prüfung der Zwischenabschlüsse von Dezember 2024 bis Mai 2025 eingeleitet. Die Behörde sieht konkrete Hinweise auf Verstöße gegen Bilanzierungsvorschriften — und nimmt dabei nicht nur die Umsatzrealisierung unter die Lupe, sondern auch möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.

Abschreibungen, Margeneinbruch und SDAX-Verlust

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Die operativen Folgen sind erheblich. Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 soll nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent erreichen, statt der ursprünglich geplanten 18,5 bis 19,0 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie droht ein deutlich zweistelliger Einbruch — ein Verlust ist nicht ausgeschlossen. Abschreibungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro, hauptsächlich auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und den US-Standort in Chicago, belasten zusätzlich. Zur Bilanzentlastung plant das Unternehmen den Verkauf der hochmargigen US-Tochter Centor, was die Ertragskraft mittelfristig weiter schwächen dürfte.

Die Verschiebung des Jahresabschlusses zieht weitere Termine mit sich: Die Quartalsmitteilung für Q1 2026 (ursprünglich 16. April) und die Hauptversammlung am 3. Juni werden ebenfalls verschoben. Gerresheimer erwartet zudem einen Ausschluss aus dem SDAX — was Indexfonds zum Umschichten zwingt und zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen kann. Shortseller erhöhten ihre Position am 11. März bereits auf 0,62 Prozent des Aktienkapitals. Parallel laufen Gespräche mit Gläubigern über eine Verlängerung der Fristen zur Vorlage des testierten Abschlusses.

Der Juni 2026 ist nun der entscheidende Termin: Erst wenn Gerresheimer den testierten Abschluss vorlegt und die BaFin-Prüfung ein klares Bild ergibt, lässt sich das tatsächliche Ausmaß der Bilanzprobleme beurteilen — und damit auch, ob die aktuellen Kursniveaus um 17,69 Euro die Lage bereits angemessen widerspiegeln.

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