Ein Bilanzierungschaos zieht immer weitere Kreise und stürzt den Pharmaverpackungsspezialisten Gerresheimer in eine handfeste Unternehmenskrise. Weil interne Richtlinien missachtet wurden, verzögert sich der Jahresabschluss massiv. Die Folgen sind gravierend und rufen nun nicht nur die Finanzaufsicht, sondern auch besorgte Kreditgeber auf den Plan.

BaFin prüft, Abschluss verschoben

Ursächlich für die aktuelle Lage ist eine Sonderuntersuchung durch eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Einzelne Mitarbeiter haben offenbar systematisch gegen Bilanzierungsvorschriften verstoßen. Dabei geht es vor allem um die korrekte Verbuchung von Umsätzen und die Bewertung von Lagerbeständen. Weil die Aufarbeitung stockt, verschiebt der Konzern die Vorlage des testierten Jahresabschlusses 2025 auf Juni dieses Jahres. Die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Prüfungen bereits ausgeweitet und nimmt nun auch möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten ins Visier.

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Dominoeffekt trifft Anleger hart

Die Verzögerung löst eine fatale Kettenreaktion aus. Gerresheimer rechnet selbst mit dem zeitnahen Ausschluss aus dem SDAX, was Indexfonds zu Zwangsverkäufen zwingen wird. Zudem fallen die für das Frühjahr geplante Hauptversammlung und der Bericht zum ersten Quartal vorerst ins Wasser. Besonders brisant: Das Management muss nun mit den Kreditgebern über Fristverlängerungen für die Finanzierungsverträge verhandeln. An der Börse quittierten Investoren diese Nachrichtenlage mit massiven Verkäufen. Allein auf Sicht von zwölf Monaten verlor das Papier über 76 Prozent an Wert und ging gestern bei lediglich 18,10 Euro aus dem Handel.

Rote Zahlen und ein Notverkauf

Auch operativ hinterlassen die Korrekturen tiefe Spuren. Die bereinigte EBITDA-Marge schrumpft auf 16,5 bis 17,5 Prozent, während unter dem Strich sogar ein Jahresverlust droht. Belastet wird das Ergebnis zusätzlich durch massive Abschreibungen in Höhe von bis zu 240 Millionen Euro, die vor allem das Schweizer Geschäft und den US-Standort Chicago betreffen. Um die angeschlagene Bilanz zu entlasten, zieht der Vorstand nun die Reißleine und plant den Verkauf der US-Tochter Centor noch im laufenden Jahr.

Der nächste Fixpunkt für Investoren ist nun der Juni 2026. Bis der testierte Jahresabschluss tatsächlich vorliegt, operiert der Konzern am Kapitalmarkt faktisch im Blindflug. Gelingt es nicht, die Gespräche mit den Kreditgebern bis dahin erfolgreich abzuschließen und die Bilanzierungslücken lückenlos aufzuklären, droht eine weitere Verschärfung der Vertrauenskrise.

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