Verschobene Jahresabschlüsse, eine laufende BaFin-Prüfung und drohender Indexausschluss: Gerresheimer steckt tief in der Krise. Der Pharmaverpackungsspezialist hat gestern bestätigt, seinen testierten Abschluss für 2025 erst im Juni vorzulegen – und damit weit nach der regulatorischen Frist der Deutschen Börse zum 31. März. Die Konsequenz könnte der Rauswurf aus dem SDAX sein.

Buchführungsfehler unter der Lupe der BaFin

Der Kern des Problems liegt in laufenden externen Prüfungen von Geschäftsvorgängen aus den Jahren 2024 und 2025. Die BaFin hatte ihre Untersuchung bereits im September 2025 gestartet und zuletzt ausgeweitet. Im Fokus stehen sogenannte „Bill-and-Hold"-Buchungen: Dabei werden Umsätze als realisiert ausgewiesen, obwohl die Ware das Lager noch nicht verlassen hat. Zusätzlich beanstandet die Aufsicht fehlerhafte Abschreibungen bei einer Schweizer Tochtergesellschaft sowie Unstimmigkeiten bei Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.

Eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht nun die Unregelmäßigkeiten. Das Ergebnis dieser Prüfung ist offen – und genau das macht die Aktie für Analysten derzeit zur „Blackbox".

Finanzkalender in Auflösung

Die Verschiebung des Jahresabschlusses zieht weitere Termine mit sich. Die Quartalszahlen für Q1 2026, ursprünglich für den 16. April geplant, sind ebenfalls verschoben. Die Hauptversammlung, angesetzt für den 3. Juni, wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

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Besonders brisant: Mit einer Nettoverschuldung von rund 2,2 Milliarden Euro (Stand August 2025) könnte die verspätete Vorlage des testierten Abschlusses vertraglich vereinbarte Fristen gegenüber Kreditgebern verletzen. Gerresheimer hat bereits Gespräche mit seinen Geldgebern aufgenommen, um mögliche Covenant-Verstöße abzuwenden und die Finanzierung bis zur Testierung im Juni zu sichern.

Kurs auf dem tiefsten Stand seit 2009

Die Reaktion an der Börse war heftig: Am Mittwoch brach die Aktie in der Spitze um fast 18 Prozent ein und markierte bei 16,30 Euro zeitweise den niedrigsten Stand seit 2009. Zum Vergleich: Mitte 2023 lag der Kurs noch bei rund 120 Euro, die Marktkapitalisierung damals bei etwa 4 Milliarden Euro – heute sind es rund 650 Millionen Euro.

Das Papier hat damit innerhalb von zwölf Monaten rund 77 Prozent seines Wertes verloren. Nachdem Gerresheimer bereits aus dem MDAX abgestiegen ist, droht nun auch der Verlust des SDAX-Status. Für institutionelle Investoren, die an Indexmitgliedschaften gebunden sind, wäre das ein weiterer Grund zum Verkauf.

Die weitere Entwicklung hängt an zwei Faktoren: dem Ausgang der Bankengespräche und dem Ergebnis der BaFin-Prüfung. Sollte der testierte Abschluss im Juni tatsächlich vorliegen und keine weiteren Bilanzfehler offenbaren, könnte sich die Lage stabilisieren. Bis dahin bleibt die fundamentale Bewertung des Unternehmens schlicht nicht möglich.

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