Der Pharmaverpackungsspezialist Gerresheimer rutscht immer tiefer in die Krise. Weil externe Prüfer die Bücher durchleuchten, muss der Konzern seinen Jahresabschluss massiv verschieben und warnt vor empfindlichen Verlusten. Kann sich das Unternehmen aus diesem bilanziellen Albtraum befreien, bevor die Gläubiger unruhig werden?

Prüfer und BaFin durchleuchten die Bücher

Ursprünglich sollten die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 längst auf dem Tisch liegen. Doch eine Sonderprüfung zwingt Gerresheimer, die Veröffentlichung des testierten Jahresabschlusses deutlich nach hinten zu schieben. Der Grund für die Verzögerung wiegt schwer: Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht derzeit intensiv die Geschäftsvorgänge der vergangenen zwei Jahre.

Im Zentrum des Interesses stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Dabei wurden Umsätze offenbar verbucht, bevor die Ware das Werk überhaupt verlassen hatte. Auch die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Untersuchungen mittlerweile auf den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025 ausgeweitet. Neben der Umsatzrealisierung prüfen die Aufseher nun auch möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten.

Verschobene Termine im Überblick

Die Verzögerungen bei der Bilanzierung werfen den gesamten Finanzkalender des Unternehmens durcheinander:
- Jahres- und Konzernabschluss 2025: Verschoben auf voraussichtlich Juni 2026
- Quartalsmitteilung Q1/2026: Ursprünglich 16. April, auf unbestimmte Zeit verschoben
- Ordentliche Hauptversammlung: Ursprünglich 3. Juni, auf unbestimmte Zeit verschoben

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Dominoeffekt: Index-Ausschluss und Margendruck

Die Verschiebung des Jahresabschlusses löst eine gefährliche Kettenreaktion am Kapitalmarkt aus. Das Management rechnet fest damit, dass die Aktie aus dem SDAX der Deutschen Börse fliegt. Dies zwingt Indexfonds zum Umschichten und erzeugt zusätzlichen Verkaufsdruck.

Gleichzeitig bricht die Profitabilität ein. Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 wird die Zielvorgaben verfehlen, und beim Gewinn je Aktie droht ein zweistelliger Einbruch – selbst ein Verlust ist nicht mehr ausgeschlossen. Hinzu kommen massive Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro auf Tochtergesellschaften. Um die angeschlagene Bilanz zu entlasten, plant Gerresheimer nun den Verkauf der hochmargigen US-Tochter Centor. Marktbeobachter werten dies als zweischneidiges Schwert, da der Verkauf die ohnehin geschwächte Ertragskraft des Gesamtkonzerns weiter aushöhlen dürfte.

Anleger kapitulieren vor der Unsicherheit

Die Börse reagiert auf diese Gemengelage mit massiven Verkäufen. Auf Sicht von zwölf Monaten hat das Papier dramatische 77,76 Prozent an Wert verloren und notiert aktuell bei nur noch 18,24 Euro. Das Vertrauen der Investoren ist vorerst stark beschädigt.

Ob sich das Unternehmen aus der Krise befreien kann, hängt nun maßgeblich von den laufenden Gesprächen mit den Banken ab. Das Management verhandelt bereits über eine Verlängerung der Fristen zur Vorlage des Abschlusses, um formale Vertragsbrüche bei den Kreditlinien zu vermeiden. Der nächste harte Meilenstein ist für Juni 2026 angesetzt. Dann muss Gerresheimer den testierten Jahresabschluss vorlegen und beweisen, dass die BaFin-Prüfungen keinen weiteren fatalen Korrekturbedarf zutage gefördert haben.

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