Die Bilanzprobleme bei Gerresheimer schlagen immer härtere Wellen: UBS stuft die Aktie auf „Sell" herab und halbiert das Kursziel auf 12,90 Euro. Dahinter stehen nicht nur die verschobenen Jahresabschlüsse, sondern vor allem eine erdrückende Schuldenlast und schwindende Ertragsperspektiven. Für das neue Management wird die Luft dünn.

Kursziel von 29 auf 12,90 Euro gesenkt

UBS-Analyst Olivier Calvet begründet die Abstufung mit drei zentralen Risiken: einer gefährlich hohen Verschuldung, gesenkten Wachstumserwartungen und schrumpfenden Margenprognosen. Das neue Kursziel liegt 55 Prozent unter der bisherigen Einschätzung.

Besonders brisant: Der Verschuldungsgrad liegt laut UBS bei etwa dem Fünffachen des EBITDA – auf Ex-Leasing-Basis. Für das Geschäftsjahr 2025 schätzt die Bank den Wert auf 4,9x, verglichen mit einem früheren Covenant-Level von 4,25x. Nach der Schulden-Neuverhandlung im August 2025 fehlt es allerdings an Transparenz über die aktuellen Kreditvereinbarungen.

Die Nettoverschuldung beziffert UBS für 2025 auf rund 2,07 Milliarden Euro, für 2026 auf 2,04 Milliarden Euro. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA soll bei 5,5x liegen – ein Niveau, das wenig Spielraum lässt.

Margen unter Druck

Die adjustierten EBITDA-Margen-Prognosen hat UBS für 2025 um 2,0 Prozentpunkte und für 2026 um 1,3 Prozentpunkte gesenkt. Auch die organischen Wachstumsschätzungen für 2027 und 2028 wurden nach unten korrigiert – um 0,7 bzw. 1,5 Prozentpunkte.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet UBS einen Umsatz von 2,28 Milliarden Euro und ein adjustiertes EBITDA von 379 Millionen Euro, was einer Marge von 16,6 Prozent entspricht. 2026 soll die Marge auf 18,0 Prozent steigen – bei einem EBITDA von 412 Millionen Euro.

Bilanzprobleme und Wertberichtigungen

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Der Hintergrund der UBS-Abstufung ist eine tiefe Vertrauenskrise. Am 10. Februar verschob Gerresheimer die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse für 2025. Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht seither Umsatzrealisierung und Bilanzierungspraktiken der Jahre 2024 und 2025. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass einzelne Mitarbeiter interne Richtlinien und IFRS-Anforderungen verletzt haben.

Die Folge: nicht zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro. Betroffen sind hauptsächlich Technologie- und Entwicklungsprojekte der Sensile Medical AG sowie Vermögenswerte des Werks in Chicago Heights, das bis Ende 2026 geschlossen werden soll.

Centor-Verkauf eingeleitet

Um die Kapitalstruktur zu stabilisieren, hat Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor eingeleitet. Die auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisierte Gesellschaft soll dabei helfen, die Schuldenlast zu reduzieren. Morgan Stanley begleitet den Prozess.

Parallel läuft das Transformationsprogramm „gto", das Kosten senken und den Free Cashflow verbessern soll. Für 2026 erwartet Gerresheimer Umsätze von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro, eine adjustierte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent und einen moderat positiven Free Cashflow.

Wie es weitergeht

Die Veröffentlichung der geprüften Jahresabschlüsse bleibt vorerst offen. Ob das Transformationsprogramm und die geplante Centor-Veräußerung ausreichen, um die Verschuldung auf ein tragfähiges Niveau zu senken, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Die UBS-Abstufung setzt ein klares Zeichen: Der Vertrauensvorschuss ist aufgebraucht.

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