Die Schweizer Großbank UBS hat am Montag einen drastischen Schnitt vollzogen: Die Gerresheimer-Aktie wurde von Neutral auf Sell herabgestuft, das Kursziel von 29 auf 12,90 Euro mehr als halbiert. Die Botschaft ist eindeutig – Analyst Olivier Calvet sieht beim Pharma-Verpackungsspezialisten fundamentale Probleme, die weit über eine vorübergehende Schwächephase hinausgehen.

Die Aktie notiert aktuell bei 18,75 Euro und hat damit binnen zwölf Monaten über drei Viertel ihres Werts verloren. Noch im März 2025 erreichte der Titel 82 Euro, befeuert durch Übernahmespekulationen. Seither folgte ein kontinuierlicher Absturz, der sich durch die im Februar 2026 öffentlich gewordenen Bilanzprobleme dramatisch beschleunigte.

Bilanzskandal belastet das Vertrauen

Der Kern der Krise: Gerresheimer musste Mitte Februar die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2025 verschieben. Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht die Umsatzrealisierung und Bilanzierungspraktiken der Jahre 2024 und 2025. Laut Unternehmen haben einzelne Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und IFRS-Anforderungen verstoßen.

Die Konsequenzen sind erheblich: Für 2024 erwartet Gerresheimer Korrekturen von rund 35 Millionen Euro bei den Umsatzerlösen und 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA. Hinzu kommen nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro im Konzernabschluss 2025, die hauptsächlich Technologie- und Entwicklungsprojekte der Schweizer Tochter Sensile Medical sowie Vermögenswerte des US-Werks in Chicago Heights betreffen.

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Verkauf von Centor als Notmaßnahme

Um die Kapitalstruktur zu stabilisieren, hat das Management den Verkauf der US-Tochter Centor eingeleitet. Die auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente spezialisierte Einheit soll noch 2026 veräußert werden. Morgan Stanley wurde mit der Transaktion beauftragt. Die ursprünglich ebenfalls geplante Veräußerung des Moulded-Glass-Geschäfts wurde hingegen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Für 2025 rechnet Gerresheimer mit einem Umsatzrückgang am oberen Ende der Spanne von minus 4 bis minus 2 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge wurde von 18,5 bis 19,0 Prozent auf 16,5 bis 17,5 Prozent gesenkt. Das bereinigte Ergebnis je Aktie dürfte im hohen zweistelligen Prozentbereich sinken und könnte negativ ausfallen.

Analysten wenden sich ab

Die UBS-Herabstufung reiht sich in eine Serie negativer Einschätzungen ein. Seit der Ad-hoc-Meldung vom 10. Februar haben DZ Bank (Sell), Bernstein (Underperform), Berenberg (Hold mit Kursziel 20 Euro), Deutsche Bank (Hold) und LBBW (Hold mit Kursziel 23 Euro) ihre Bewertungen angepasst oder gesenkt. Der Analystenkonsens liegt bei Hold mit einem durchschnittlichen Kursziel von 27,74 Euro – wobei das neue UBS-Ziel von 12,90 Euro diesen Schnitt deutlich nach unten ziehen wird.

Für 2026 stellt Gerresheimer Umsätze von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht. Das erste Halbjahr soll allerdings schwach ausfallen. Ob diese Prognose nach den massiven Korrekturen der Vorjahre Bestand hat, hängt auch vom Ausgang der laufenden Bilanzprüfung ab – deren Ergebnisse weiterhin ausstehen.

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