Der Absturz geht weiter. Die Schweizer Großbank UBS hat die Gerresheimer-Aktie von „Neutral" auf „Sell" herabgestuft und das Kursziel von 29 auf 12,90 Euro mehr als halbiert. Am Dienstag brach der Kurs zeitweise um rund 10 Prozent ein – ein weiterer Tiefschlag für eine Aktie, die seit Monaten im freien Fall ist.

UBS: Schuldenabbau enttäuscht

UBS-Analyst Olivier Calvet machte am Montagabend seine Hausaufgaben. Er analysierte den Wert der zum Verkauf stehenden US-Tochter Centor und des internationalen Glasgeschäfts. Sein Fazit: Der geplante Schuldenabbau dürfte hinter den Erwartungen zurückbleiben. Calvet sieht höhere Risiken und langsameres Wachstum. Sowohl die kurz- als auch mittelfristigen Gewinnschätzungen kappte er deutlich.

Die Abstufung trifft den Düsseldorfer Spezialverpackungshersteller in einer bereits angespannten Lage. Anfang Februar hatte das Unternehmen die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2025 verschoben. Grund: Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht die Umsatzrealisierung und Bilanzierungspraxis der Jahre 2024 und 2025. Einzelne Mitarbeiter sollen gegen interne Richtlinien und IFRS-Vorgaben verstoßen haben. Gerresheimer erwartet nicht-zahlungswirksame Wertberichtigungen von 220 bis 240 Millionen Euro, die vor allem Technologieprojekte der Sensile Medical AG und Vermögenswerte der Moulded Glass Chicago Inc. betreffen.

Centor-Verkauf läuft – Moulded Glass verschoben

Das Management reagiert mit Restrukturierung. Die US-Tochter Centor, spezialisiert auf Verpackungen für verschreibungspflichtige Medikamente, soll noch 2026 verkauft werden. Morgan Stanley begleitet die Transaktion. Die ursprünglich ebenfalls für dieses Jahr geplante Trennung des Moulded-Glass-Geschäfts wurde hingegen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Für 2026 peilt Gerresheimer Umsätze von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro an, bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Der Free Cash Flow soll trotz eines schwachen ersten Halbjahres moderat positiv ausfallen.

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Leerverkäufer verstärken den Druck

Die Abwärtsspirale befeuert eine außergewöhnlich hohe Leerverkaufsquote. Rund 13,9 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals sind leerverkauft – eine der höchsten Quoten in Europa. Hedgefonds wie D.E. Shaw & Co. halten meldepflichtige Positionen. Die Wette auf fallende Kurse hat sich bisher ausgezahlt.

Die Analystenlandschaft ist überwiegend skeptisch. Neben UBS raten Bernstein Research und die DZ Bank zum Verkauf. Deutsche Bank, Berenberg und Barclays halten neutral. Einzig Jefferies bleibt optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 25,86 Euro – weit über dem aktuellen Niveau von 18,74 Euro, aber auch deutlich unter den Jahreshöchstständen von über 80 Euro.

Zusätzlich belasten externe Faktoren. Schwache Studiendaten zur Abnehmspritze CagriSema von Novo Nordisk sorgen für Verunsicherung. Gerresheimer liefert Autoinjektoren für dieses Produkt. Unsicherheiten bei der Marktzulassung verstärken die Zurückhaltung.

Mit einer Marktkapitalisierung von nur noch rund 661 Millionen Euro und einem Minus von über 76 Prozent binnen zwölf Monaten steht Gerresheimer vor einer existenziellen Bewährungsprobe. Der verschobene Jahresabschluss soll Klarheit bringen – ein konkreter neuer Termin steht noch aus.

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