Evonik Aktie: Neblige Aussichten!
Evonik steht vor einem tiefgreifenden Umbau – und nun verschärft Berenberg den Druck mit einer klar negativen Einschätzung. Die Kombination aus anhaltendem Preisdruck und strukturellen Problemen im Methionin-Geschäft zwingt das Management zu weitreichenden Maßnahmen.
Berenberg dreht den Daumen nach unten
Die Privatbank Berenberg hat die Aktie von Evonik von „Hold“ auf „Sell“ herabgestuft und das Kursziel deutlich von 14,60 auf 11,60 Euro gesenkt. Grundlage ist ein merklich pessimistischerer Blick auf die Ergebnisentwicklung der kommenden Jahre.
Kern der Argumentation: Das Produktportfolio des Spezialchemiekonzerns steht nach Einschätzung der Analysten vor anhaltenden Preisrisiken. Das hauseigene KI-Analysetool „ChemCast“ signalisiert Schwäche – sieben von zehn beobachteten Preisindikatoren sind zuletzt ins Negative gedreht.
Berenberg rechnet deshalb damit, dass die Verkaufspreise 2026 und 2027 im niedrigen einstelligen Prozentbereich weiter nachgeben. Damit würden die kräftigen Preiserhöhungen aus den Jahren 2021 (+10 %) und 2022 (+18 %) schrittweise wieder erodieren.
Die Folgen für die Ergebnisprognosen sind deutlich:
- EBITDA-Schätzung 2026: rund 1,79 Mrd. Euro, etwa 5 % unter Marktkonsens
- EBITDA-Schätzung 2027: nur noch 1,77 Mrd. Euro, etwa 10 % unter Marktkonsens
- EPS 2026: Kürzung um 5,2 % auf 1,07 Euro
- EPS 2027: Kürzung um 19,7 % auf 1,04 Euro
Damit positioniert sich Berenberg klar am unteren Ende der Erwartungen.
Methionin als Problemherd
Besonders kritisch sehen die Analysten das Geschäft mit Tierernährung, vor allem die Aminosäure Methionin. Dieses Segment steuert nach Schätzungen rund 300 Mio. Euro zum EBITDA bei – könnte aber in eine dauerhaft margenschwache Kategorie abrutschen.
Der zentrale Belastungsfaktor ist der massive Kapazitätsausbau in China:
- Geplante zusätzliche Methionin-Kapazitäten: bis zu 1,5 Mio. Tonnen bis Anfang der 2030er Jahre
- Möglicher Anstieg der globalen Kapazität: mehr als +50 %
- Geplante Methionin-Kapazität in China: 2,3 Mio. Tonnen pro Jahr
- Prognostizierte chinesische Inlandsnachfrage: nur etwa 0,9 Mio. Tonnen
Selbst in einem Extremfall, in dem China keine Soja-Importe mehr benötigen würde, bliebe laut Berenberg ein Überangebot von rund 0,6 Mio. Tonnen. Das deutet auf ein dauerhaft angespanntes Preisumfeld hin – ein Risiko für Margen und Investitionsrenditen.
„Radikalerer Ansatz“ gefordert
Berenberg geht davon aus, dass Evonik zunächst mit inkrementellen Maßnahmen reagieren wird. Dazu zählen aus Analystensicht:
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- Kürzungen der Dividende
- Desinvestitionen bzw. Vermögensverkäufe
Diese Schritte gelten jedoch nur als erster Aufschlag. Um die strukturellen Probleme wirklich anzugehen, hält Berenberg einen deutlich konsequenteren Kurs für nötig. Im Raum stehen:
- deutlich stärkere Einschnitte bei der Dividende
- eine mögliche Aufspaltung des Konzerns in klar getrennte Einheiten
Die Botschaft: Kosmetische Eingriffe reichen nicht, um die Ertragsbasis nachhaltig zu stabilisieren.
Umbau nimmt Fahrt auf
Unabhängig von der Berenberg-Studie arbeitet Evonik bereits an einer umfassenden Neuausrichtung. Der Konzern befindet sich nach eigener Darstellung im größten Umbau seiner Geschichte.
Ein zentrales Element ist die Abspaltung der Infrastruktur-Aktivitäten an den Standorten Marl und Wesseling in die neue Tochter SYNEQT GmbH. Das ausgelagerte Geschäft umfasst:
- rund 3.500 Mitarbeiter
- etwa 1,8 Mrd. Euro Umsatz
Mit der Verselbstständigung dieser Aktivitäten schafft Evonik eine klarere Struktur zwischen Industrieinfrastruktur und Spezialchemie-Kerngeschäft. Wie weitreichend die Effekte auf Profitabilität und Bewertung sein werden, hängt allerdings stark davon ab, ob weitere Portfolioentscheidungen folgen.
Kursentwicklung und Bewertungsspagat
An der Börse spiegelt sich die Skepsis bereits wider. Die Aktie notiert heute mit 13,12 Euro nur knapp über dem jüngsten 52‑Wochen‑Tief von 12,83 Euro und rund 41 % unter dem Hoch von 22,26 Euro. Der Rückgang der vergangenen zwölf Monate summiert sich auf über 21 %.
Auffällig ist dabei das technische Bild:
- Abstand zum 200‑Tage‑Durchschnitt: rund −19 %
- RSI (14 Tage): 15,8 – ein Niveau, das klar auf einen überverkauften Zustand hindeutet
Kurzfristig zeigt der Markt damit eine deutliche Zurückhaltung, während der Wert gleichzeitig in eine stark überverkaufte Zone gerutscht ist.
Im Fazit steht Evonik zwischen ambitioniertem Umbau und wachsendem externen Druck: Berenberg sieht deutliche Risiken durch fallende Preise und Überkapazitäten im Methionin-Geschäft und fordert tiefgreifende Schritte wie eine härtere Dividendenpolitik oder sogar eine Konzernaufspaltung. Entscheidend wird nun, ob das Management den bereits laufenden Restrukturierungskurs konsequent genug verschärft, um die Ertragskraft trotz der strukturellen Belastungen wieder auf ein stabileres Fundament zu stellen.
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