Kurz vor den finalen Jahreszahlen bringt ein US-Urteil plötzlich Zusatzmusik ins Spiel: Evonik prüft, ob unrechtmäßige Zölle erstattet werden könnten. Der mögliche Effekt klingt attraktiv, ist aber begrenzt. Entscheidend wird vielmehr, ob der Konzern am Mittwoch mit Zahlen, Ausblick und Dividendenlinie Vertrauen zurückgewinnt.

US-Zölle: Rückforderung als Sonderfaktor

Auslöser ist ein Urteil des US Supreme Court vom 20. Februar, das einen erheblichen Teil bestimmter Zölle auf Basis eines älteren Gesetzes für unrechtmäßig erklärt hat. Evonik checkt nun, ob daraus Erstattungen entstehen könnten.

Interims-Finanzchef Claus Rettig bestätigte am 26. Februar, dass Optionen aktiv evaluiert werden. Im Raum steht eine „kleinere zweistellige Millionensumme“. Konkrete Schritte will der Konzern allerdings erst einleiten, wenn klar ist, wie die US-Regierung weiter vorgeht. Heißt: juristisch offen bleiben, finanziell nichts vorwegnehmen.

Wichtig für die Einordnung: Evonik beschreibt die direkte Belastung durch US-Handelsmaßnahmen als überschaubar. Viele Produkte für den US-Markt werden dort auch hergestellt – das senkt die Anfälligkeit für grenzüberschreitende Abgaben.

Jahreszahlen am 4. März: Was schon klar ist

Am 4. März veröffentlicht Evonik die vollständigen Jahreszahlen 2025. Vorab hatte der Konzern Eckdaten geliefert: Das bereinigte EBITDA lag bei 1,874 Mrd. Euro und damit im Rahmen der Prognose von rund 1,9 Mrd. Euro. Der Umsatz kam 2025 auf 14,1 Mrd. Euro, etwa 7% weniger als im Vorjahr.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Evonik?

Unterm Strich wies Evonik einen Überschuss von 265 Mio. Euro aus (Vorjahr: 222 Mio. Euro). Genau hier dürfte der Markt hinschauen: Wie stabil sind Ergebnisqualität und Cashflow – und wie plausibel ist der Ausblick in einem schwierigen Umfeld?

Dividende, Sparprogramm, Ausblick: Der Druck bleibt

Für 2025 soll die Dividende von 1,17 auf 1,00 Euro je Aktie sinken. Ab 2026 plant Evonik eine Ausschüttung von 40 bis 60% des bereinigten Nettogewinns, um die finanzielle Flexibilität zu erhöhen – inklusive Spielraum für Investitionen und weiteren Schuldenabbau.

Parallel läuft das Effizienzprogramm „Evonik Tailor Made“ weiter. 2026 sollen zusätzliche Kostensenkungen folgen, inklusive Abbau von bis zu 2.000 Stellen. Zudem wurde SYNEQT, die Betriebsgesellschaft für die Chemieparks Marl und Wesseling, zu Jahresbeginn als eigenständige Einheit ausgegliedert.

Beim Blick nach vorn bleibt der Ton nüchtern: Für 2026 erwartet Evonik ein bereinigtes EBITDA zwischen 1,7 und 2,0 Mrd. Euro. Eine schnelle Branchenbesserung sieht CEO Christian Kullmann laut aktuellem Stand nicht. Mittelfristig hält der Konzern am ROCE-Ziel von 11% fest.

Am Markt spiegelt sich die Vorsicht weiterhin: Die Aktie schloss am Freitag bei 14,73 Euro (-1,60%) und liegt auf 12 Monate gerechnet mit -23,14% im Minus. Auffällig ist der sehr niedrige RSI von 15,8 – ein Signal für stark überverkaufte Stimmung, das allerdings erst dann trägt, wenn die Nachrichtenlage dreht.

Am Mittwoch (4. März) folgen die finalen 2025er-Zahlen. Danach stehen bereits der nächste Termin im Kalender: die Quartalsmitteilung zu Q1 2026 am 8. Mai sowie die virtuelle Hauptversammlung am 3. Juni, bei der Dividende und die überarbeitete Ausschüttungsstrategie im Mittelpunkt stehen.

Evonik-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Evonik-Analyse vom 28. Februar liefert die Antwort:

Die neusten Evonik-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Evonik-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. Februar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Evonik: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...