Der Leverkusener Polymerkonzern bereitet seinen Abschied vom Kapitalmarkt vor. Nachdem Großaktionär XRG die 95-Prozent-Schwelle überschritten hat, läuft das Squeeze-out-Verfahren. Parallel belastet eine tiefe Branchenkrise die Geschäftszahlen massiv – doch für den Aktienkurs spielt das keine Rolle mehr.

Squeeze-out: Rückzug vom Kapitalmarkt eingeleitet

XRG hat die entscheidende Marke geknackt und das formale Verfahren zur Übernahme der verbliebenen Anteile gestartet. Ein unabhängiger Prüfer ermittelt derzeit den fairen Wert für die Barabfindung der Minderheitsaktionäre.

Auf der Hauptversammlung am 19. Mai 2026 soll der Squeeze-out beschlossen werden. Mit der Eintragung ins Handelsregister gehen sämtliche verbliebenen Papiere automatisch auf den Großaktionär über.

Der Rückzug ist bereits in vollem Gange. Seit Anfang Februar notiert Covestro nur noch im General Standard statt im Prime Standard – ein klarer Schritt in Richtung Delisting. Die vollständige Zulassung zum geregelten Markt endet nach dem 5. Mai.

XRG wurde im November 2024 als internationales Investitionsvehikel für kohlenstoffarme Energie und Chemie gegründet. Die Muttergesellschaft ADNOC aus Abu Dhabi hat mit Covestro ihre bislang größte Übernahme gestemmt.

Geschäftsjahr 2025: Deutliche Verluste unter Preisdruck

Die Zahlen spiegeln eine schwere Branchenkrise wider. Der Konzernumsatz sank um 8,7 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro. Das EBITDA brach um fast 31 Prozent auf 740 Millionen Euro ein.

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Besonders deutlich zeigt sich die Belastung beim Cashflow: Der Free Operating Cash Flow rutschte auf minus 283 Millionen Euro. Unter dem Strich steht ein Konzernverlust von 644 Millionen Euro.

Als Haupttreiber nennt das Unternehmen sinkende Verkaufspreise, Währungseffekte und strukturelle Überkapazitäten bei anhaltend niedriger Auslastung. Eine Dividende gibt es zum vierten Mal in Folge nicht – zuletzt floss 2021 eine Ausschüttung.

Im Segment Performance Materials gingen die Erlöse um 12,1 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zurück.

Sparprogramm und Führungswechsel

Trotz der operativen Schwäche setzt Covestro auf strukturelle Gegenmaßnahmen. Das Sparprogramm STRONG hat bis Ende 2025 rund 275 Millionen Euro eingespart, bis 2028 sollen es jährlich 400 Millionen Euro werden.

In einer strategischen Expansion plant der Konzern die Übernahme zweier Produktionsstandorte für HDI-Derivate von Vencorex in Thailand und Texas. Diese Transaktion soll in der ersten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.

Parallel dazu steht ein Führungswechsel an: CEO Markus Steilemann hat angekündigt, keine Vertragsverlängerung anzustreben. Sein Mandat läuft bis Mai 2028. CFO Christian Baier verlässt das Unternehmen im September. Der Aufsichtsrat muss nun beide Schlüsselpositionen neu besetzen.

Kurs folgt Abfindungslogik

Die Covestro-Aktie notiert stabil nahe dem 52-Wochen-Hoch. Diese Entkopplung von den schwachen Fundamentaldaten hat einen einfachen Grund: Der Kurs orientiert sich nicht mehr an Geschäftszahlen, sondern einzig an der erwarteten Barabfindung im Squeeze-out-Verfahren.

Für die verbleibenden Minderheitsaktionäre ist nur noch eine Kennzahl relevant – die Höhe der Barabfindung, die der unabhängige Prüfer ermittelt. Am 19. Mai 2026 endet auf der Hauptversammlung das letzte Kapitel der Börsengeschichte des ehemaligen Bayer-Konzernteils.

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