Der Traum von der schnellen Fusion bekommt Risse. Nachdem UniCredit-Chef Andrea Orcel die aktuelle Bewertung der Frankfurter Großbank als zu hoch für eine wirtschaftlich sinnvolle Übernahme bezeichnete, weicht die M&A-Euphorie zunehmend der Realität. Anleger stellen sich nun die Frage: Kann das Geldhaus auch ohne italienische Hilfe den Höhenflug fortsetzen?

  • Bewertungslücke: UniCredit schreckt vor hohem KGV der Commerzbank zurück.
  • Analysten-Votum: US-Banken sehen Kursziele kaum über aktuellem Niveau.
  • Strategiewechsel: Fokus liegt nun auf operativer Stärke und Aktienrückkäufen.

Die Preisfrage bremst die Bullen

Die Zurückhaltung der Italiener hat einen kühlen rechnerischen Hintergrund. Während UniCredit knapp 29 Prozent der Anteile hält, vermeiden sie bewusst den Sprung über die 30-Prozent-Schwelle, die ein Pflichtangebot auslösen würde. Der Grund liegt in der Bewertungsschere: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 14 ist die Commerzbank deutlich teurer als der potenzielle Käufer, der lediglich auf ein KGV von rund 10,6 kommt.

Diese Differenz macht eine Integration aus Sicht von Mailand derzeit unattraktiv. Der Markt reagiert nervös auf diesen Realitätscheck. Nachdem das Papier in den letzten 12 Monaten um fast 109 Prozent zugelegt hatte, ist nun Ernüchterung eingekehrt. Mit einem Schlusskurs von 35,77 Euro am Dienstag notiert die Aktie gut 14 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,58 Euro. Auch Analysten treten auf die Bremse: Institute wie Goldman Sachs und JPMorgan sehen angesichts der ambitionierten Bewertung kaum noch Luft nach oben, solange kein konkretes Angebot vorliegt.

Operative Stärke statt Fusionshoffnung

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Ohne den externen Kurstreiber rücken die fundamentalen Hausaufgaben in den Mittelpunkt. CEO Bettina Orlopp forciert eine aggressive „Stand-Alone“-Strategie, um Investoren zu binden. Ein Rekordergebnis von rund 3,4 Milliarden Euro im operativen Geschäft für 2025 und das größte Aktienrückkaufprogramm der Unternehmensgeschichte bilden dabei das Fundament. Für das Jahr 2026 ist bereits eine weitere Rückkauf-Tranche über 600 Millionen Euro eingeplant.

Charttechnik: Wichtige Unterstützung hält

Technisch bewegt sich die Aktie in einer fragilen Entscheidungszone. Der Kurs hält sich aktuell noch oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 34,74 Euro, was charttechnisch als wichtiges Signal für den mittelfristigen Trend gilt. Ein Rutsch unter die Unterstützungszone bei 34,50 bis 35,00 Euro könnte jedoch weiteren Verkaufsdruck auslösen. Der RSI von 45,6 signalisiert dabei eine neutrale Marktverfassung – weder überkauft noch überverkauft.

Am 11. Februar 2026 öffnet die Bank ihre Bücher für das Gesamtjahr 2025. Dieser Termin wird zum entscheidenden Prüfstein: Das Management muss beweisen, dass die Bewertung auch ohne Übernahmeprämie gerechtfertigt ist, besonders da UniCredit signalisiert hat, sich für eine endgültige Entscheidung bis 2026 Zeit zu lassen.

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