Ein großer Rechtsstreit und eine Milliarden-Übernahme treffen am selben Tag aufeinander: BioNTech sieht sich seit heute einer Patentklage von Bayer zur mRNA-Technologie gegenüber – und schließt gleichzeitig die Übernahme von CureVac ab. Für Anleger stellt sich vor allem eine Frage: Wie stark könnten die rechtlichen Risiken die strategischen Pläne ausbremsen?

Bayer zieht vor Gericht

Auslöser der Unruhe ist eine am Donnerstag eingereichte Klage von Bayer gegen BioNTech, Partner Pfizer sowie Konkurrent Moderna. Im Zentrum stehen Patente, die ursprünglich von Monsanto stammen – jenem Agrarkonzern, den Bayer vor einigen Jahren übernommen hat.

Bayer wirft den Unternehmen vor, dass in den COVID-19-Impfstoffen verwendete mRNA-Technologien auf Innovationen aus den 1980er-Jahren zurückgehen, die damals bei Monsanto entwickelt wurden. Der Konzern fordert Schadenersatz für einen Teil der Milliardenumsätze, die mit den Vakzinen in der Pandemie erzielt wurden.

An der Börse fällt die unmittelbare Marktreaktion bislang moderat aus: Die BioNTech-Aktie gibt heute um rund ein halbes Prozent auf 84,90 Euro nach. Angesichts der potenziellen finanziellen Tragweite des Verfahrens werten Marktbeobachter die Kursbewegung eher als verhalten.

Rechtlich betritt BioNTech kein völliges Neuland. Das Umfeld rund um mRNA-Patente ist seit Jahren umkämpft, frühere Streitfälle wurden meist über langwierige Verfahren und Vergleiche gelöst. Neu ist jedoch das Gewicht des Gegners: Mit Bayer greift nun ein globaler Schwergewichtskonzern die IP-Basis der Pandemie-Gewinner direkt an.

CureVac-Übernahme: IP-Schutzschild wird ausgebaut

Parallel dazu erreicht eine zentrale strategische Transaktion ihre entscheidende Phase: Die Übernahme des Konkurrenten CureVac. Heute werden CureVac-Aktien im Zuge des laufenden Takeovers von Handelsplattformen wie Vantage Markets genommen, die Aktie verschwindet damit schrittweise vom regulären Handel.

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Die deutsche Wettbewerbsbehörde hatte den Deal bereits im Oktober 2025 freigegeben. Ziel der Transaktion ist es, BioNTechs Technologie- und Patentbasis zu verbreitern und Forschungskapazitäten zu bündeln – insbesondere im Bereich mRNA und Immuntherapien. Gerade vor diesem Hintergrund wirkt das Timing der Bayer-Klage brisant: Während BioNTech seine Position im deutschen Biotech-Sektor über CureVac stärken will, wird die eigene mRNA-IP von einem mächtigen Kläger infrage gestellt.

Für die mittlere Frist ist die strategische Logik klar: Mehr Patente, mehr Plattformen, mehr Pipeline-Tiefe sollen die Abhängigkeit vom COVID-Geschäft reduzieren und das Wachstum in Onkologie und Immunologie tragen. Ob und wie stark eine mögliche Zahlung an Bayer diesen Spielraum einengt, hängt von Verlauf und Ausgang des Verfahrens ab – hier sind erfahrungsgemäß mehrjährige Prozesse und am Ende ein Vergleichsszenario wahrscheinlicher als ein kurzfristiger Einschnitt ins operative Geschäft.

Marktumfeld und technisches Bild

Die Aktie bewegt sich ohnehin in einem schwierigen langfristigen Trend. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Rückgang von 28,35 % zu Buche; seit Jahresbeginn summiert sich das Minus derzeit auf 11,79 %. Der Kurs liegt rund 29 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 120 Euro und nur noch gut 9 % über dem Tief von 78 Euro.

Charttechnisch notiert der Titel knapp unter dem 50‑Tage-Durchschnitt und rund 5 % unter der 200‑Tage-Linie, was auf ein angeschlagenes, aber nicht überverkauftes Bild hindeutet. Ein RSI von 44,5 stützt diese Einschätzung: Von klaren Übertreibungen nach unten ist der Wert aktuell entfernt.

Auch das Sektorumfeld reagiert: Moderna verzeichnet heute ebenfalls spürbare Abschläge, was auf eine breitere Skepsis gegenüber den rechtlichen Risiken im mRNA-Bereich hindeutet. Der gesamte Komplex steht damit wieder stärker unter dem Brennglas von Gerichten und Patentämtern.

Ausblick: Zwischen Gerichtssaal und Pipeline

In den kommenden Monaten wird entscheidend sein, wie BioNTech die juristische Front organisatorisch und kommunikativ managt und gleichzeitig die Integration von CureVac nutzt, um die Onkologie-Pipeline voranzubringen. Operativ liegt der Fokus klar auf der Transformation weg vom reinen COVID-Anbieter hin zu einem breiter aufgestellten Krebs- und Immuntherapie-Spezialisten.

Konkrete nächste Wegmarken dürften die anstehenden Zahlen zum vierten Quartal samt Ausblick für 2026 sein. Dort wird das Management voraussichtlich Angaben zur kombinierten Pipeline mit CureVac machen und zumindest erste Leitplanken zur Verteidigungsstrategie gegenüber Bayer skizzieren. Damit werden Q4-Call und begleitende Statements zum juristischen Vorgehen zu zentralen Informationspunkten für die weitere Neubewertung der Aktie.

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