ATX wieder beim Jahresstartwert – Frequentis, AT&S und FACC setzen Akzente
In der Episode #1116 der Wiener Börse Party liefert Moderator Christian Drastil einen kompakten Marktüberblick zur Wochenmitte, der von einer bemerkenswerten Erholungsbewegung am österreichischen Aktienmarkt geprägt ist. Der ATX nähert sich seinem Jahresstartwert bis auf wenige Punkte an – und gleich mehrere Einzelwerte sorgen für Schlagzeilen.
ATX auf dem Weg zurück zum Ausgangsniveau
Der österreichische Leitindex ATX notierte am Dienstagmittag bei 5.321 Punkten, ein Plus von 0,42 Prozent. Damit fehlten nur noch fünf Punkte bis zum Jahresstartwert – ein Signal, das nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen aufhorchen lässt. In der Spitze hatte der ATX im bisherigen Jahresverlauf rund zehn Prozent über dem Startwert gelegen, bevor verstärkte kriegerische Auseinandersetzungen die Märkte belasteten und die Kurse wieder nach unten drückten.
Die Handelsaktivität bleibt auf einem erfreulich hohen Niveau. Am Vortag wurden 319 Millionen Euro umgesetzt – deutlich über dem Vorjahresdurchschnitt von 247 Millionen Euro. Der bisherige Durchschnitt für das Jahr 2026 liegt sogar bei 353 Millionen Euro. Die Börse bleibt damit ein Modethema, wie Drastil es formuliert, und die Umsätze untermauern das gestiegene Interesse der Anleger.
Frequentis, FACC und VIG – der Aktientag als Kursturbo?
Die drei Top-Performer des Vormittags eint eine Gemeinsamkeit: Frequentis (plus 5 Prozent auf 75 Euro), FACC (plus 4,9 Prozent) und VIG (plus 2,9 Prozent) waren allesamt am zweiten österreichischen Aktientag vertreten, der am vergangenen Samstag im Austria Center Vienna stattfand. Die Veranstaltung zog mehr als 2.000 Besucherinnen und Besucher an, wobei 1.200 Exemplare des Börse-Social-Magazines verteilt wurden.
Besonders Frequentis stach hervor: Der IR-Verantwortliche des Unternehmens, der als besonders aktiv auf Investorenveranstaltungen beschrieben wird, war beim Aktientag dabei – und am Dienstag durfte er symbolisch die Opening Bell läuten, während seine Aktie den Vormittag als stärkster Wert anführte.
AT&S macht das Dutzend voll – dominanter Jahresauftakt setzt sich fort
Eine beeindruckende Statistik liefert AT&S: Am 52. Handelstag des Jahres war die Aktie bereits zum zwölften Mal der stärkste Wert im ATX. Das bedeutet, dass AT&S an mehr als jedem vierten Handelstag die Nummer eins im Leitindex war. Diese Dominanz schlägt sich auch in der Gesamtperformance nieder: Mit über 60 Prozent Plus ist AT&S überlegen die Nummer eins im ATX für das Jahr 2026. Bereits 2025 hatte das Unternehmen den Number One Award als Top-Performer des Jahres gewonnen – die Erfolgsserie setzt sich damit nahtlos fort.
FACC investiert 120 Millionen Euro in neues Werk in Oberösterreich
Neben der starken Kursperformance sorgte FACC auch mit einer handfesten Unternehmensnachricht für Aufmerksamkeit. Der Luftfahrtzulieferer errichtet ein neues Werk in St. Martin im Innkreis in Oberösterreich. Die Eckdaten des Projekts sind beachtlich: 20.000 Quadratmeter Fläche werden verbaut, die Investitionssumme beträgt 120 Millionen Euro, und die Fertigstellung ist für Mitte 2028 geplant. Das neue Werk wird direkt an das bestehende Werk 3 angeschlossen.
Für den Ausbau werden 300 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt. Dabei setzt FACC auf einen hohen Automatisierungsgrad – eine Grundvoraussetzung, wie Drastil betont, da Österreich ein Hochlohnland ist und die Wettbewerbsfähigkeit nur durch entsprechende Technologisierung gewährleistet werden kann.
Andritz sichert sich Großauftrag in Indien
Auch Andritz konnte mit einer bedeutenden Auftragsmeldung punkten. Das Unternehmen hat einen Großauftrag für das 1.000-Megawatt-Pumpspeicherprojekt Bhivpuri in Indien erhalten. Das Auftragsvolumen bewegt sich im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. „Groß angelegte Energiespeicherung ist für die Integration eines wachsenden Anteils intermittierender erneuerbarer Energien unerlässlich", wird der Executive and Managing Director und CEO von Andritz Hydro Power India zitiert. Pumpspeicherkraftwerke gelten als eine der wichtigsten Technologien, um schwankende Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen.
DAX ebenfalls im Plus – Energiewerte vorne
Ein kurzer Blick über die Grenze: Der DAX notierte zur Mittagszeit bei 23.598 Punkten, ein moderates Plus von 0,14 Prozent. Auffällig war die Stärke der Energiewerte: E.ON führte das Feld mit plus 3,3 Prozent an, gefolgt von RWE mit plus 2,1 Prozent. Auf dem dritten Platz lag die Hannover Rück mit plus 1,7 Prozent.
Börse-Geschichte: Rückblick auf die Covid-Turbulenzen im März 2020
Im historischen Rückblick erinnerte Drastil an den 17. März 2020 – die frühen Tage der Covid-Pandemie, die sich nun zum sechsten Mal jähren. An diesem Tag gab es bereits eine erste Gegenbewegung: Die Agrana legte 16,7 Prozent zu, während Semperit 15,5 Prozent verlor – obwohl das Unternehmen danach mit medizinischen Handschuhen, einem Produkt, das man zuvor eigentlich schon fast abgeschrieben hatte, noch stark punkten konnte.
Dramatisch waren die Verlustserien einzelner Titel in jener Phase: Lenzing hatte neun Tage in Folge verloren und dabei kumuliert 38,6 Prozent eingebüßt. Die OMV verzeichnete vier Verlusttage in Folge mit insgesamt minus 33,6 Prozent, und die UBM verlor in neun aufeinanderfolgenden Tagen 37,6 Prozent. Bei allen drei Titeln handelte es sich um die prozentuell schlechtesten Verlustserien ihrer Geschichte – nicht zwingend gemessen an der Anzahl der Tage, aber an der Höhe der Kursverluste. Am selben Tag, dem 17. März 2016, also vor zehn Jahren, hatte die VIG mit minus 17,9 Prozent ihren schwächsten Einzeltag verzeichnet.
Fazit: Erholung mit Substanz
Der Dienstag an der Wiener Börse zeigt ein ermutigendes Bild: Der ATX steht kurz davor, seinen Jahresstartwert zurückzuerobern, die Handelsumsätze liegen weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau, und gleich mehrere Unternehmen liefern positive Impulse – sei es durch Kursgewinne, Investitionsprojekte wie bei FACC oder Großaufträge wie bei Andritz. AT&S bleibt mit seiner Dominanz als häufigster Tagessieger und über 60 Prozent Jahresplus das herausragende Einzelphänomen im ATX. Die Märzfolgen der Wiener Börse Party werden von der Deutschen Börse Xetra präsentiert, die mit ihrem Retail Service Handel von 8 bis 22 Uhr ermöglicht – ein Modell, das sich Drastil auch für die Wiener Börse wünscht.








