Die Führungskrise bei BayWa spitzt sich zu. Weniger als ein Jahr nach Amtsantritt von Vorstandschef Frank Hiller deutet vieles auf eine schnelle Trennung hin – mitten in einer existenziellen Sanierungsphase. Die Aktie reagiert mit hoher Unsicherheit, weil ein erneuter Wechsel an der Spitze das Vertrauen der Märkte weiter belastet.

Entscheidung über Hiller steht an

Am späten Dienstag hatte BayWa mitgeteilt, der Aufsichtsrat berate „ergebnisoffen“ über die künftige personelle Ausrichtung. Seit gestern verdichteten sich die Hinweise, dass Hillers Vertrag vorzeitig endet. Laut Medienberichten unter Berufung auf Insider gilt die Ablösung als beschlossen.

Heute tagt der Aufsichtsrat in München. Im Anschluss wird eine Ad-hoc-Mitteilung erwartet, in der BayWa die Personalentscheidung offiziell macht. Im frühen Handel pendelte die Aktie volatil um 3,20 Euro, geprägt von der Sorge vor einem länger anhaltenden Führungsvakuum.

Wesentliche Punkte der aktuellen Lage:

  • Offizielle Entscheidung über die Zukunft von CEO Frank Hiller wird heute erwartet
  • Zweiter Wechsel an der Konzernspitze innerhalb von rund 15 Monaten
  • Aktie schwankt um 3,20 Euro, Anleger fürchten Verzögerungen in der Sanierung

Gründe für die Vertrauenskrise

Hiller hatte den Vorstandsvorsitz am 1. März 2025 übernommen. Als externer Manager sollte er die bereits laufende Restrukturierung beschleunigen und insbesondere den Schuldenabbau vorantreiben. Nach Angaben von Insidern ist die Unzufriedenheit bei den Großaktionären jedoch deutlich gestiegen.

Im Mittelpunkt der Kritik steht das Tempo der Sanierung:

  • Bei wichtigen Desinvestitionen seien die Fortschritte hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Besonders der geplante Verkauf der Cefetra Group gilt als zentrales Projekt, das bislang nicht wie erhofft vorangekommen ist.
  • Ein erneuter CEO-Wechsel kurz nach dem Abgang von Marcus Pöllinger im Oktober 2024 verstärkt den Eindruck mangelnder Stabilität.
  • Marktbeobachter gehen davon aus, dass der Aufsichtsrat noch heute einen Interimschef oder einen neuen Sanierungsexperten benennt, um gegenüber den finanzierenden Banken Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.

Damit rückt die Frage in den Fokus, ob ein weiterer Führungswechsel die Sanierung beschleunigen oder zunächst zusätzlichen Druck erzeugen dürfte. Klar ist: Die Banken, die BayWa mit milliardenschweren Krediten stützen, erwarten sichtbare Fortschritte beim Schuldenabbau.

Schuldenlast als Kernproblem

Die aktuelle Zuspitzung ist eng mit Altlasten aus der Vergangenheit verbunden. BayWa schleppt einen Schuldenberg von über 5 Milliarden Euro mit sich. Diese Verschuldung resultiert im Wesentlichen aus einer langjährigen Expansionsstrategie, die auf günstige Fremdfinanzierung setzte.

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Unter dem früheren Vorstandschef Klaus Josef Lutz wurde der Konzern über rund 15 Jahre international ausgebaut und stark in erneuerbare Energien investiert. Mit der Zinswende geriet dieses Modell jedoch unter Druck, weil die steigende Zinslast die operative Ertragskraft stark einschränkte.

Wichtige Rahmenbedingungen:

  • Schulden von mehr als 5 Milliarden Euro belasten die Bilanz erheblich
  • Zinsanstieg verschärft die Situation, da Finanzierungskosten deutlich gestiegen sind
  • Das bis 2028 angelegte Sanierungsgutachten erfordert konsequente Umsetzung von Veräußerungen und Effizienzmaßnahmen

Weder Lutz’ Nachfolger Pöllinger noch Hiller konnten die Wende bislang einleiten. Dass Hiller nun offenbar bereits nach rund zehn Monaten das Vertrauen entzogen wird, unterstreicht die Nervosität der Eigentümer, die um den Fortbestand des Unternehmens in seiner bisherigen Form ringen.

Was heute für die Aktie zählt

Der heutige Donnerstag hat Signalwirkung für die weitere Entwicklung des Titels. Entscheidend sind drei Faktoren:

  1. Ad-hoc-Mitteilung
    Nach Ende der Aufsichtsratssitzung wird eine Pflichtmeldung erwartet. Bestätigt BayWa die Trennung von Hiller, schafft dies zunächst Klarheit über die Personalie, wirft aber neue Fragen zur Umsetzung der Sanierung auf.

  2. Nachfolgeregelung

  3. Eine interne Übergangslösung könnte für Kontinuität im Tagesgeschäft sorgen.
  4. Die Berufung eines externen Sanierungsspezialisten würde auf noch härtere Einschnitte und beschleunigte Desinvestitionen hindeuten.

  5. Charttechnische Ausgangslage
    Die Aktie versucht, im Bereich um 3,10 Euro einen Boden zu bilden.

  6. Rutscht der Kurs nachhaltig unter diese Marke, rückt ein Test der bisherigen Tiefststände näher.
  7. Eine klare, überzeugende Nachfolgelösung könnte dagegen eine technische Erholung in Richtung 3,50 Euro begünstigen.

Am Ende bleibt festzuhalten: BayWa befindet sich in einer heiklen Phase, in der die Kombination aus hoher Verschuldung, steigendem Zinsumfeld und erneuter Führungssuche den Druck auf den Konzern deutlich erhöht. Die heute anstehende Entscheidung des Aufsichtsrats wird maßgeblich bestimmen, ob die Sanierung planmäßig fortgesetzt oder neu ausgerichtet werden muss.

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