Bayer versucht, den Glyphosat-Komplex mit einem großen Vergleich zu befrieden – doch Entlastung sieht der Markt bisher kaum. Im Gegenteil: Fitch dreht den Ausblick auf „Negativ“, parallel sorgt ein US-Dekret zu Glyphosat politisch für Gegenwind. Kann der Konzern die juristische Hängepartie damit wirklich verkürzen?

Vergleichsvorschlag: teuer, aber planbarer?

Auslöser der turbulenten Woche ist ein von der Monsanto-Tochter vorgeschlagener landesweiter Sammelvergleich in den USA. Er soll aktuelle und künftige Klagen wegen Non-Hodgkin-Lymphom im Zusammenhang mit Roundup abdecken.

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Der Rahmen ist klar abgesteckt: 7,25 Mrd. US-Dollar über bis zu 21 Jahre. Erfasst werden Kläger mit Roundup-Exposition vor dem 17. Februar 2026, die bereits eine NHL-Diagnose haben oder diese innerhalb eines definierten Zeitfensters nach Genehmigung des Vergleichs erhalten. Zusätzlich nennt Bayer separate, vertrauliche Einigungen zu weiteren Glyphosat-Fällen im Umfang von rund 3 Mrd. US-Dollar.

Finanziell ist der Schritt spürbar. Bayer hebt die Rückstellungen und Verbindlichkeiten von 7,8 auf 11,8 Mrd. Euro an und erwartet für 2026 einen negativen freien Cashflow – begründet mit geschätzten 5 Mrd. Euro an litigation-bezogenen Auszahlungen. Um diese Effekte sauber abzubilden, verschob das Unternehmen die Veröffentlichung der Jahreszahlen 2025 samt Ausblick 2026 vom 25. Februar auf den 4. März.

Fitch reagiert: Ausblick auf „Negativ“

Nur zwei Tage nach der Vergleichsankündigung folgte der nächste Dämpfer: Fitch senkte am 19. Februar den Ausblick von „Stabil“ auf „Negativ“, bestätigte aber das langfristige Emittentenrating bei „BBB“. Die Begründung: anhaltende Unsicherheiten rund um die Rechtsstreitigkeiten. Damit macht die Agentur deutlich, dass sie die finanziellen Belastungen aus dem Litigation-Komplex weiterhin als erhebliches Risiko sieht – trotz des nun skizzierten Vergleichswegs.

An der Börse spiegelte sich diese Gemengelage am Freitag in einem deutlichen Rücksetzer. Die Aktie schloss bei 43,52 Euro, ein Tagesminus von 4,45%. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,02% zu Buche, auch wenn der Titel auf 12 Monate gerechnet weiter klar im Plus liegt (+100,60%).

Politik und Gericht: Zwei große Termine

Zusätzliche Brisanz kam aus Washington: Am 18. Februar aktivierte US-Präsident Trump per Executive Order den Defense Production Act, um die heimische Produktion von Glyphosat und elementarem Phosphor abzusichern. Das Weiße Haus begründete dies mit wirtschaftlicher und nationaler Sicherheit. Das Dekret enthält zudem eine Immunitätsklausel für inländische Hersteller, die den Anordnungen folgen. Gleichzeitig regt sich Widerstand aus der MAHA-Bewegung, die das Vorgehen kritisiert; das Weiße Haus betonte laut Politico, es handele sich nicht um eine Befürwortung von Glyphosat.

Noch wichtiger für die juristische Großwetterlage ist der Supreme Court: Die mündliche Verhandlung in Monsanto v. Durnell ist für Montag, den 27. April 2026 angesetzt. Im Kern geht es um die Frage, ob Bundesrecht (EPA-Regulierung ohne Krebswarnhinweis) Klagen nach einzelstaatlichem Recht verdrängt. Reuters zufolge könnte ein Bayer-freundliches Ergebnis zahlreiche „Failure-to-Warn“-Klagen abschneiden. Bayer rechnet laut eigener Mitteilung mit einer Entscheidung bis Juni 2026.

Am 4. März liefert Bayer dann die verschobenen Jahresergebnisse 2025 inklusive Ausblick 2026 – erstmals mit dem Vergleichsgerüst, den höheren Rückstellungen und den erwarteten Cashflow-Effekten im Zahlenwerk. Nur wenige Wochen später folgt mit dem 27. April der Supreme-Court-Termin, der die rechtliche Ausgangslage im Glyphosat-Komplex spürbar verschieben kann.

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