Bayer will die jahrelangen Roundup-Klagen mit einem Milliarden-Vergleich beenden. Doch die Börse ist skeptisch: Nach anfänglicher Euphorie brach die Aktie am Mittwoch um 12 Prozent ein – der stärkste Tagesrückgang seit über einem Jahr. Der Grund: Der angekündigte Deal steht unter erheblichen Vorbehalten.

7,25 Milliarden Dollar über 21 Jahre

Die Monsanto-Tochter von Bayer hat am 17. Februar eine landesweite Sammelklage-Vereinbarung in den USA vorgelegt. Die Vergleichssumme von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar soll aktuelle und künftige Klagen im Zusammenhang mit Roundup und Non-Hodgkin-Lymphom-Erkrankungen beilegen. Die Zahlungen verteilen sich über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren, wobei die jährlichen Beträge im Zeitverlauf sinken.

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Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich: Bayer erhöht seine Rückstellungen von 7,8 Milliarden auf 11,8 Milliarden Euro. Davon entfallen allein 9,6 Milliarden Euro auf Glyphosat-bezogene Fälle. Zur Finanzierung hat das Unternehmen eine Kreditlinie von 8 Milliarden US-Dollar gesichert. Eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant, betonte CFO Wolfgang Nickl.

Warum Anleger zweifeln

Die Vereinbarung steht unter dem Vorbehalt der gerichtlichen Genehmigung durch das Circuit Court in St. Louis, Missouri. Genau hier liegt das Problem: Kläger können aus dem Vergleich aussteigen. Fällt die Beteiligung zu gering aus, kann Bayer die gesamte Vereinbarung beenden.

Hinzu kommt: Bayer erwartet für 2026 einen negativen freien Cashflow aufgrund der hohen Anfangszahlungen. Berenberg-Analyst Sebastian Bray bringt es auf den Punkt: „Einen Vergleich vorzuschlagen ist etwas anderes, als ihn über die Ziellinie zu bringen." Auch Markus Manns von Union Investment, einem Bayer-Investor, zeigt sich ernüchtert: „Dies ist noch nicht der Durchbruch, den viele Investoren erhofft hatten."

Supreme Court als entscheidende Unbekannte

Parallel zum Vergleich läuft ein Verfahren vor dem US Supreme Court. Das höchste Gericht entscheidet im April, ob bundesstaatliche Warnhinweis-Klagen durch Bundesrecht ausgeschlossen werden. Ein positives Urteil könnte etwa 80 Prozent der Roundup-Klagen entkräften, schätzen JPMorgan-Analysten.

CEO Bill Anderson betonte, dass der Vergleich ohne das Supreme Court-Verfahren nicht möglich gewesen wäre. Beide Strategien seien „unabhängig voneinander notwendig und sich gegenseitig verstärkend". Die Entscheidung wird bis Mitte 2026 erwartet.

Verschobene Bilanz, vorgezogene Hoffnungen

Bayer verschiebt die Bekanntgabe der Jahresergebnisse 2025 vom 25. Februar auf den 4. März, um die Vergleichsvereinbarungen in den Finanzberichten abzubilden. Auf operative Fortschritte verweist das Unternehmen trotz der Rechtsstreitigkeiten: Anfang Februar meldete Bayer erfolgreiche Phase-III-Studienergebnisse für den Wirkstoff Asundexian zur Schlaganfallprävention. Die Nierentherapie Kerendia und das Krebsmedikament Nubeqa zeigen starke Nachfrage.

Die Aktie notiert aktuell bei 46,07 Euro – ein Plus von mehr als 100 Prozent binnen Jahresfrist. Doch die jüngste Kurskorrektur zeigt: Ohne gerichtliche Bestätigung und ein positives Supreme Court-Urteil bleibt der Vergleich eine Wette mit offenem Ausgang. Am 4. März folgen die Jahreszahlen, am 27. April die Supreme Court-Anhörung.

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