TSMC steht wenige Stunden vor seinen Q4-Zahlen und einem möglichen Handelsabkommen zwischen Taiwan und den USA, das die US-Präsenz des Chipriesen grundlegend vergrößern könnte. Die Aktie notiert knapp unter ihrem Jahreshoch, getragen von starkem KI- und Apple-Geschäft – aber auch von hohen Erwartungen an die Prognose für 2026. Entscheidend wird nun, ob TSMC den Spagat zwischen teuren Auslandsinvestitionen und hohen Margen überzeugend erklären kann.

Geplanter US-Deal mit großem Ausbau in Arizona

Taiwan und die USA haben sich nach offiziellen Angaben auf einen „breiten Konsens“ für ein Handelsabkommen verständigt, das die Zölle auf taiwanische Exporte von 20 % auf 15 % senken soll – im Einklang mit den Sätzen für Japan und Südkorea. Eine Bekanntgabe wird noch im Januar erwartet.

Kernstück für TSMC: Der Konzern soll sich verpflichten, in Arizona mindestens fünf weitere Halbleiterfabriken zu errichten. Laut New York Times würde dies die bisherige US-Investitionszusage von 165 Milliarden US-Dollar deutlich ausweiten.

TSMC hat dafür bereits vorgebaut und rund 3,64 Millionen Quadratmeter Land nahe dem bestehenden Standort in Arizona für 197 Millionen US-Dollar erworben. Gemeinsam mit den bestehenden Anlagen könnte die Zahl der US-Fabs langfristig auf 11 oder mehr steigen.

US-Handelsminister Howard Lutnick sprach in einem Podcast von möglichen Gesamtinvestitionen von über 200 Milliarden US-Dollar in den USA und rund 30.000 entstehenden Arbeitsplätzen.

Q4-Vorschau: Achtetes Rekordquartal in Folge

Die Zahlen zum vierten Quartal 2025 will TSMC am Donnerstag, 15. Januar, um 14:00 Uhr Ortszeit in Taiwan (01:00 Uhr ET) vorlegen.

Die Markterwartungen sind hoch:

  • Gewinnausblick der Analysten: 2,90 US-Dollar je Aktie, knapp 30 % mehr als im Vorjahr
  • Umsatzerwartung: rund 32,97 Milliarden US-Dollar

TSMC hat bereits vor einer Woche Umsätze von 1,046 Billionen NT-Dollar (rund 33 Milliarden US-Dollar) für Q4 gemeldet und damit die Schätzungen leicht übertroffen – nahe der oberen Grenze der eigenen Prognose. Analysten rechnen laut Reuters mit einem Rekord-Nettogewinn von 475,2 Milliarden NT-Dollar (15,02 Milliarden US-Dollar). Es wäre das achte Quartal in Folge mit Gewinnwachstum.

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Ein wesentlicher Treiber ist die 3-Nanometer-Fertigung: Laut IDC-Manager Galen Zeng war die Kapazität im vierten Quartal voll ausgelastet. Hauptkunden sind hier unter anderem Apple mit dem A19-Chip für das iPhone-17-Line-up sowie KI-Anwendungen, die weiterhin für hohe Nachfrage sorgen. IDC hat deshalb seine Umsatzprognose für TSMC in US-Dollar auf ein Wachstum von 25–30 % im Jahr 2026 angehoben (zuvor 22–26 %).

Analysten setzen auf stärkere Preissetzungsmacht

Im Vorfeld der Zahlen haben mehrere Häuser ihre Kursziele nach oben angepasst und verweisen vor allem auf TSMCs wachsende Preismacht.

HSBC-Analyst Frank Lee erhöhte sein Ziel von 2.050 NT-Dollar auf 2.300 NT-Dollar. Grundlage sind höhere Gewinnerwartungen und ein angesetztes Bewertungsniveau von 27 statt zuvor 25-fachem Gewinn. Lee argumentiert, TSMCs Preissetzungsmacht sei so hoch wie nie – getrieben durch starke KI-Nachfrage und den größeren Spielraum, höhere Kosten über Preise weiterzugeben.

Auch Bank-of-America-Analyst Haas Liu hob sein Kursziel an – von 1.960 auf 2.150 NT-Dollar. Er verweist besonders auf die strukturelle Preismacht bei modernen Fertigungsknoten und im Bereich Advanced Packaging, wo Kapazitäten knapp und die Eintrittsbarrieren hoch sind.

Engeres Wafer-Angebot stützt Preise

Rückenwind für die Branche kommt zudem von der Angebotsseite. Das Marktanalysehaus TrendForce berichtet, dass die Hersteller für 2026 breite Preissteigerungen von 5–20 % für 8-Zoll-Wafer vorbereiten. Hintergrund ist, dass TSMC und Samsung Electronics die Produktion weniger moderner 8-Zoll-Wafer schrittweise zurückfahren.

Die globale 8-Zoll-Kapazität soll 2026 um 2,4 % sinken, 2027 noch einmal um 0,5 %. Gleichzeitig erwartet TrendForce einen Anstieg der durchschnittlichen Auslastung der 8-Zoll-Fabs auf 85–90 %, nach 75–80 % im vergangenen Jahr. Ein knapperes Angebot erhöht generell die Preisdurchsetzungsmöglichkeiten in der gesamten Lieferkette.

Aktie nahe Rekordhoch, Blick auf Margen-Guidance

An der Börse spiegelt sich der Optimismus deutlich wider: Die TSMC-Aktie schloss gestern bei 331,21 US-Dollar und liegt damit praktisch am 52‑Wochen-Hoch von 331,77 US-Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten ergibt sich ein Plus von gut 69 %.

Im Fokus der morgigen Telefonkonferenz (Start 06:00 Uhr GMT) steht vor allem der Ausblick für die Bruttomarge 2026. Zentral ist dabei, wie stark die anlaufenden 2-Nanometer-Kapazitäten und die kostspielige Auslandsproduktion – insbesondere in den USA – auf die Profitabilität drücken. Häuser wie JP Morgan und UBS rechnen zwar damit, dass die anhaltend starke KI-Nachfrage in den führenden Fertigungsknoten die Ergebnisse stützt, sehen aber die Auslandsinvestitionen als potenzielle Belastung für die Margen.

Das Marktbild ist insgesamt positiv: Laut TipRanks liegt für TSMC aktuell ein „Strong Buy“-Konsens vor, basierend auf sechs Kaufempfehlungen und einer Halteempfehlung in den vergangenen drei Monaten. Entscheidend wird nun, ob die anstehende Prognose die hohen Wachstumserwartungen bestätigt und gleichzeitig zeigt, dass TSMC seine Kostenoffensive im Ausland ertragsstark in den Griff bekommt.

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