Tilray Aktie: Solide Zahlen
Tilray hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 neue Umsatzrekorde erzielt und die Markterwartungen bei Umsatz und Ergebnis übertroffen. Trotzdem fiel die Reaktion am Markt gemischt aus, weil ein wichtiger Analyst sein Kursziel deutlich gekürzt hat. Wie passt das zusammen?
Rekordumsatz und besseres Ergebnis
Tilray meldete einen Netto-Umsatz von 217,5 Mio. US‑Dollar und damit mehr als die erwarteten 210,4 Mio. US‑Dollar. Aufgerundet lag der Quartalsumsatz bei 218 Mio. US‑Dollar, ein Plus von 3 % im Jahresvergleich. Der Umsatzüberhang von 7,1 Mio. US‑Dollar entsprach einer positiven Überraschung von rund 3,4 %.
Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 0,02 US‑Dollar und damit deutlich besser als der erwartete Verlust von 0,06 US‑Dollar.
Segmententwicklung im Überblick
Die Wachstumsimpulse kamen vor allem aus dem internationalen Geschäft und dem Pharmabereich:
- Internationales Cannabis: Umsatzplus von 36 % im Jahresvergleich und 51 % gegenüber dem Vorquartal auf 20 Mio. US‑Dollar
- Distribution (Tilray Pharma): Rekordquartal mit 85,3 Mio. US‑Dollar, 26 % über Vorjahr
- Kanadisches Freizeit-Cannabis: Zuwachs von 6 % im Quartal
- Getränke: 50,1 Mio. US‑Dollar, belastet durch Schwäche im Craft-Beer-Segment
- Wellness: 14,6 Mio. US‑Dollar, weitgehend stabil zum Vorjahr
Das zeigt eine breit gestützte Umsatzbasis, auch wenn nicht alle Bereiche gleich stark wachsen.
Profitabilität und Margen
Auf EBITDA-Ebene blieb der Konzern profitabel, wenn auch leicht unter Vorjahr. Das bereinigte EBITDA lag bei 8,4 Mio. US‑Dollar nach 9,0 Mio. US‑Dollar im Vorjahresquartal.
Der Nettoverlust halbierte sich nahezu:
- Nettoverlust Q2 2026: 43,5 Mio. US‑Dollar
- Nettoverlust Q2 Vorjahr: 85,3 Mio. US‑Dollar
Das entspricht einer Verbesserung von 49 %.
Der Bruttogewinn erreichte 57,5 Mio. US‑Dollar bei einer Bruttomarge von 26 %. Im Cannabisgeschäft stieg die Bruttomarge von 35 % auf 39 %, vor allem dank höhermargiger internationaler Umsätze.
Bilanz: Netto-Cash statt Nettoschulden
Die Finanzlage hat sich weiter aufgehellt. Tilray wechselte von einer Nettoschuldenposition zu einem Netto-Cash-Status:
- Netto-Cash-Position: 27,4 Mio. US‑Dollar (nach Nettoschulden von 3,8 Mio. US‑Dollar im Vorquartal)
- Liquidität: 291,6 Mio. US‑Dollar an Barmitteln und marktfähigen Wertpapieren
- Operativer Cashflow: Verbesserung um 32,2 Mio. US‑Dollar auf -8,5 Mio. US‑Dollar (zuvor -40,7 Mio. US‑Dollar)
Damit hat Tilray mehr finanziellen Spielraum als noch im ersten Quartal.
Kursreaktion und Analystenkommentar
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Tilray?
Aktienkurs nach den Zahlen
Die Zahlen wurden nachbörslich veröffentlicht. Im Anschluss legte die Aktie im nachbörslichen Handel um etwa 7–10 % zu. Am Tag der Veröffentlichung schloss der Kurs bei 8,99 US‑Dollar. In den darauffolgenden Sitzungen bröckelten die anfänglichen Gewinne allerdings wieder ab.
Deutlich gesenktes Kursziel
Am Tag nach den Zahlen senkte Alliance Global das Kursziel. Analyst Aaron Grey reduzierte sein Ziel von 20 auf 10 US‑Dollar, bestätigte aber seine neutrale Einstufung. Begründung: eine eingeschränkte Sichtbarkeit bei der langfristigen Umsatz- und Cashflow-Entwicklung, obwohl das Quartal auf Konzernebene im Rahmen der Erwartungen lag und Stärken in einzelnen Bereichen Schwächen in anderen Segmenten ausglichen.
Ausblick und Strategie
CEO Irwin Simon sprach von einem „starken zweiten Quartal“ mit Rekordergebnissen und einem Übertreffen der Analystenerwartungen trotz Gegenwinds.
Prognose für 2026 bestätigt
Das Management bekräftigte die Prognose für das Gesamtjahr. Tilray peilt weiterhin ein bereinigtes EBITDA von 62 bis 72 Mio. US‑Dollar an. Nach Unternehmensangaben operiert der Konzern derzeit mit einer annualisierten EBITDA-Run-Rate von rund 150 Mio. US‑Dollar, getragen vor allem vom internationalen Geschäft.
Potenzial durch US-Neuklassifizierung
Ein zentrales strategisches Thema bleibt die mögliche Neusortierung von Cannabis auf Bundesebene in den USA. Simon betonte, dass Tilray seit Jahren in Infrastruktur und Know-how investiert, um in streng regulierten medizinischen Märkten weltweit zu agieren. Im Dezember 2025 startete das Unternehmen Tilray Medical USA, um sich für eine mögliche Ausweitung des medizinischen Cannabisgeschäfts in den Vereinigten Staaten zu positionieren.
Herausforderungen im Getränkegeschäft
Das Getränkesegment bleibt ein Sorgenpunkt. Die anhaltende Schwäche im Craft-Beer-Markt und die Sortimentsbereinigung im Rahmen von „Project 420“ belasten den Bereich.
Tilray rechnet damit, dass Sortimentsanpassungen im Handel im Frühjahr die negativen Branchentrends teilweise kompensieren. Gleichzeitig liegt das Unternehmen beim Ziel, bis zum vierten Quartal 2026 jährliche Kosteneinsparungen von 33 Mio. US‑Dollar aus Project 420 zu realisieren, im Plan.
Nächste Schritte und wichtige Termine
Der nächste Quartalsbericht ist für den 7. April 2026 angekündigt. Im Fokus stehen bis dahin insbesondere drei Punkte:
- Fortschritte bei der möglichen Neubewertung von Cannabis auf Bundesebene in den USA
- weiteres Wachstum im internationalen Cannabisgeschäft, etwa in Deutschland, Polen, Italien und Großbritannien
- die operative Wende im Getränkesegment
Tilray bleibt nach eigenen Angaben führend im kanadischen Cannabismarkt nach Umsatz und hält rund 45 % Marktanteil bei THC-Getränken in Kanada. Die kommenden Quartale werden zeigen, in welchem Tempo sich die bessere Kostenstruktur und die internationalen Wachstumsinitiativen im Ergebnis niederschlagen.
Tilray-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Tilray-Analyse vom 11. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Tilray-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Tilray-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Tilray: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...








