Ein Deal ist besiegelt, der den Konzern verschlankt – doch am selben Tag folgt der Schock aus der Wasserstoff-Tochter. Thyssenkrupp lieferte am Freitag die perfekte Momentaufnahme seiner Zerreißprobe: Konsequenter Umbau trifft auf operative Ernüchterung. Kann der Industrieriese diesem Spagat standhalten?

Automation Engineering verkauft – endlich Nägel mit Köpfen

Der Verkauf der Sparte Automation Engineering an Agile Robots aus München ist vollzogen. Die Einheit, die bislang zum Segment Automotive Technology gehörte, wird an den Technologiekonzern abgegeben. Damit setzt CEO Miguel López um, was im Juli angekündigt wurde: strikte Fokussierung auf die Kerngeschäfte Chassis und Forging im Automobilbereich.

Die wichtigsten Eckpunkte des Deals:

  • Verkauft werden die Aktivitäten in Europa und Nordamerika
  • Das "Signing" ist erfolgt – Vollzug nach behördlicher Freigabe
  • Kaufpreis bleibt unter Verschluss
  • Bilanzentlastung und Komplexitätsreduktion im Fokus

Der Schritt beweist Handlungsfähigkeit. Nach Jahren des Zauderns und des ewigen Taziehens um die Stahlsparte setzt das Management Zeichen. Thyssenkrupp trennt sich von Altlasten und will wieder beweglicher werden.

Nucera-Schock: Wasserstoff-Euphorie verpufft

Die Erleichterung über den Verkauf währte kurz. Fast zeitgleich kam die kalte Dusche von Tochter Thyssenkrupp Nucera. Die Wasserstoff-Gesellschaft, an der der Konzern die Mehrheit hält, enttäuschte mit ihrem Ausblick massiv. Für das Geschäftsjahr 2025/26 stellt Nucera lediglich 500 bis 600 Millionen Euro Umsatz in Aussicht – deutlich unter den Markterwartungen.

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Die Reaktion ließ nicht auf sich warten. Die Nucera-Aktie geriet unter Druck und zog die Mutter in Sippenhaft. Der rechnerische Wert der Beteiligung sinkt, und mit ihm schwindet kurzfristig die Fantasie auf schnelle Gewinne aus der grünen Transformation. Der Wasserstoff-Hype weicht der Realität verzögerter Großprojekte.

Uniper-Kooperation: Langfristiges Potenzial im Schatten

Beinahe untergegangen im Nachrichtengewitter: Die Sparte Thyssenkrupp Uhde sicherte sich einen Rahmenvertrag mit Energieriese Uniper. Es geht um Technologie zum "Ammoniak-Cracking" – ein Verfahren, das importiertes Ammoniak wieder in grünen Wasserstoff umwandelt. Geplant sind bis zu sechs Großanlagen am Terminal Wilhelmshaven.

Technologisch unterstreicht das die Führungsrolle von Thyssenkrupp bei grünen Energielösungen. Doch bis sich solche Deals in den Bilanzen niederschlagen, wird es dauern. Kurzfristige Kursimpulse? Fehlanzeige.

Die Zerreißprobe: Umbau gegen operative Schwäche

Der Freitag lieferte das perfekte Abbild der aktuellen Thyssenkrupp-Story. Auf der einen Seite ein Management, das endlich liefert und Randbereiche konsequent abstößt. Auf der anderen Seite die schmerzhafte Erkenntnis, dass der Weg zum "grünen Industriekonzern" steiniger ist als erhofft.

Die Aktie spiegelt diesen Konflikt wider. Nach dem beeindruckenden Anstieg von 139,32 Prozent im Jahresvergleich notiert sie aktuell bei 9,35 Euro – rund 29 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro. Die Bodenbildungsphase hält an, doch klare Impulse fehlen.

Was jetzt wirklich zählt: Kann das Closing des Agile-Robots-Deals zügig über die Bühne gehen? Und vor allem – wie geht es mit der Stahlsparte weiter? Die Verhandlungen über den Einstieg der indischen Jindal Group und den Abbau von 11.000 Stellen sind die eigentliche Königsfrage. Solange hier keine Klarheit herrscht, bleibt Thyssenkrupp ein Wackelkandidat zwischen Befreiungsschlag und Enttäuschung.

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