ServiceNow schärft seine KI-Story – mit einer neuen Plattform, die nicht nur „mitdenkt“, sondern Arbeitsschritte in Unternehmen Ende-zu-Ende ausführen soll. Trotzdem steckt der Kurs tief in der Korrektur. Genau dieser Spagat treibt die Debatte: Kann ein großer Produktstart das angeschlagene Sentiment drehen?

Erholung nach kräftigem Rücksetzer

Nach einem längeren Ausverkauf kamen gestern wieder Käufer in die Aktie. Im Verlauf des Nachmittags legte der Titel um 4,2% zu, kühlte danach aber ab und schloss bei 113,18 Dollar noch 3,4% über dem Vortag.

Der kurzfristige Sprung ändert allerdings wenig am größeren Bild. In den drei Monaten von Anfang Dezember bis vorgestern fiel die Aktie um 34% – und das, obwohl der Umsatz in dieser Zeit um 4,8% stieg und die Abonnements im vierten Quartal um 21% zulegten. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 23,2%. Vom 52‑Wochen‑Hoch bei 208,94 Dollar aus dem vergangenen Juli ist der Kurs inzwischen 45,8% entfernt.

Der Auslöser: „Autonomous Workforce“ und EmployeeWorks

Der wichtigste Grund für die neue Aufmerksamkeit ist ein größerer Produktlaunch. Mit „Autonomous Workforce“ bringt ServiceNow KI‑Spezialisten an den Start, die Aufgaben mit klaren Rollen, Befugnissen und Governance im Unternehmenskontext ausführen sollen. Die Idee: Menschen sollen weniger Routine abarbeiten und sich stärker auf strategische Probleme und personalisierten Service konzentrieren.

Kurz nach dem Abschluss der Moveworks-Übernahme folgte außerdem „ServiceNow EmployeeWorks“. Das Produkt kombiniert Moveworks’ Conversational AI und Enterprise Search mit dem ServiceNow‑Portal und autonomen Workflows. Anfragen in natürlicher Sprache sollen so in gesteuerte, durchgängige Ausführung übersetzt werden – laut Unternehmen mit Reichweite für nahezu 200 Millionen Beschäftigte.

Konkret unterscheidet ServiceNow hier zwischen einzelnen KI‑Agenten für Teilaufgaben und einer Orchestrierung von Teams aus KI‑Spezialisten. Genannt werden Rollen wie ein Level‑1‑Service‑Desk‑Spezialist, ein Employee‑Service‑Agent oder ein Security‑Operations‑Analyst.

Beim Level‑1‑Service‑Desk‑Spezialisten nennt ServiceNow greifbare Beispiele: Passwort-Resets, Bereitstellung von Software‑Zugängen oder Netzwerk‑Fehlersuche. Das System soll dabei auf Wissensdatenbanken, historische Incident‑Daten und proaktive Remediation‑Workflows zugreifen. Nach Unternehmensangaben bearbeitet die „Autonomous Workforce“ bereits mehr als 90% der internen IT‑Anfragen von Mitarbeitern. Zudem soll der Level‑1‑Spezialist zugewiesene Fälle 99% schneller lösen als menschliche Agents.

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EmployeeWorks ist bereits allgemein verfügbar. Der erste KI‑Spezialist der Autonomous‑Workforce (Level‑1‑Service‑Desk) befindet sich noch in kontrollierter Verfügbarkeit und soll im zweiten Quartal allgemein ausgerollt werden.

Rückenwind von Nvidia – und was weiter belastet

Die jüngste Erholung kam nicht nur aus eigener Kraft. Zuvor hatte die Aktie bereits einmal deutlich zugelegt, nachdem Nvidia‑CEO Jensen Huang in einem CNBC‑Auftritt Sorgen zurückwies, KI könne den Enterprise‑Software‑Sektor kannibalisieren. Er sagte, der Markt liege hier falsch, und verteidigte explizit die Rolle von Plattformen wie ServiceNow. Auch andere Wachstumswerte wie Zscaler und CrowdStrike zogen damals spürbar an, weil Anleger das Narrativ eines „KI‑Gegenwinds“ neu bewerteten.

Fundamental liefert ServiceNow weiter starke Kennzahlen: Der Abo‑Umsatz im vierten Quartal 2025 stieg im Jahresvergleich um 21% auf 3,466 Milliarden Dollar. Das EPS lag mit 0,92 Dollar über den Schätzungen, reichte aber nicht, um die Stimmung zu drehen. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen (cRPO) kletterten auf 12,85 Milliarden Dollar, ein Plus von 25% – ein Hinweis auf eine volle Pipeline trotz Gegenwind.

Zusätzlich kündigte das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Milliarden Dollar an und verwies auf strategische Partnerschaften, unter anderem mit OpenAI und Microsoft. Für 2026 stellt ServiceNow Abo‑Umsätze von 15,53 bis 15,57 Milliarden Dollar in Aussicht (19,5–20% Wachstum), eine operative Marge von 32% sowie eine Free‑Cash‑Flow‑Marge von 36%. Aus KI‑bezogenen Angeboten erwartet das Unternehmen in diesem Jahr allein mehr als 1 Milliarde Dollar.

Gleichzeitig bleiben klare Belastungsfaktoren: Sorgen über schrumpfende Margen und ein breiter Tech‑Abverkauf überlagerten zuletzt Produktfantasie und Rückkaufplan. Dazu kommen zwei laufende Untersuchungen des US‑Justizministeriums (DOJ) sowie Unsicherheit rund um eine mögliche Bündelungsstrategie von Microsoft.

Die Aktie zeigte sich zuletzt zudem schwankungsfreudig: Im vergangenen Jahr gab es 13 Bewegungen von mehr als 5%. Auf der Investorenseite bleibt Bewegung: Vanguard erhöhte seinen Anteil im vierten Quartal um 404,5% und hält nun 101.963.384 Aktien.

In den kommenden Monaten dürfte vor allem der geplante Übergang des ersten „Autonomous Workforce“-Spezialisten in die allgemeine Verfügbarkeit im zweiten Quartal wichtig werden – als praktischer Test, ob die neue „Execution“-Erzählung im Alltag skaliert und damit wieder Vertrauen in den Kursaufbau bringt.

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