In der Episode #1122 der Wiener Börse Party liefert Moderator Christian Drastil einen dicht gepackten Überblick über einen bemerkenswert starken Handelstag in Wien – und ordnet dabei Unternehmensstrategien, historische Börsenrekorde und eine kritische Einschätzung zum Thema Private Equity bei Neobrokern ein.

ATX zurück im Plus: 2,3 Prozent Tagesgewinn sorgen für Aufatmen

Der Mittwoch, 25. März 2026, bringt dem österreichischen Leitindex einen kräftigen Schub. Um 13:40 Uhr liegt der ATX mit 2,3 Prozent im Plus bei 5.389 Punkten. Damit hat der Index den Jahresstartwert von 5.326 Punkten wieder überschritten und weist ein Year-to-Date-Plus von 1,18 Prozent auf. Zuvor war der ATX unter die Nulllinie gerutscht – die Rückkehr darüber dürfte vielen Marktteilnehmern Erleichterung verschaffen.

Dieser Artikel ist eine Added Value Version zu den Key-Insights einer Podcastfolge von audio-cd.at, aufgewertet durch Archivbausteine. Die hier veröffentlichten Gedanken/Schlüsse sind weder als Empfehlung noch als ein Angebot oder eine Aufforderung zum An- oder Verkauf von Finanzinstrumenten zu verstehen und sollen auch nicht so verstanden werden. Der Handel mit Finanzprodukten unterliegt einem Risiko. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren.

Zu den stärksten Gewinnern zählen AT&S mit einem Sprung zurück auf 50 Euro, Wienerberger mit einem Plus von 4 Prozent nach einer Phase des Kursdrucks sowie Andritz, ebenfalls mit plus 4 Prozent. Die Handelsumsätze in Wien lagen am Vortag bei 290 Millionen Euro – ein Wert, der sich zwischen dem Vorjahresdurchschnitt von 247 Millionen und dem diesjährigen Average von 371 Millionen Euro einordnet. Die zuletzt deutlich höheren Umsätze deuten auf ein gesteigertes Interesse am Wiener Markt hin.

Auch der DAX zeigt sich freundlich: Mit 22.968 Punkten und einem Plus von 1,5 Prozent setzt der deutsche Leitindex positive Impulse. Top-Performer in Frankfurt sind Siemens Energy (plus 3,9 Prozent), Infineon (plus 3,6 Prozent) und die Commerzbank (plus 3,2 Prozent).

FACC: Kein negativer Impact aus Nahost, ambitionierte Margenziele

Auf der Bilanzpressekonferenz der FACC am selben Tag gab CEO Robert Machtlinger einen zuversichtlichen Ausblick. Trotz der angespannten geopolitischen Lage im Nahen Osten sieht er bislang keine negativen Signale aus der Flugzeugindustrie. „Ich sehe da keinen Impact seitens der Kunden", so die Einschätzung des FACC-Chefs.

Hinsichtlich steigender Energie- und Materialkosten verwies Machtlinger auf bestehende Hedging-Strategien, die das Unternehmen für die kommenden Monate gut absichern. „Wir haben gelernt, in solchen Szenarien zu denken", erklärte er.

Die Zahlen untermauern den Optimismus: Die EBIT-Marge soll von 4,3 Prozent im Jahr 2025 auf 8 bis 10 Prozent in 2027 steigen. Der Backlog – also der Auftragsbestand – umfasst Ende 2025 beeindruckende 17.770 Flugzeuge. Besonders erfreulich entwickelt sich der Free Cashflow: Von 7,7 Millionen Euro im Jahr 2024 stieg er auf 59,1 Millionen Euro. Diese Verbesserung ermöglicht auch die Ausschüttung einer Dividende von 0,10 Euro je Aktie. Bei einem Wachstumswert wie FACC fällt die Rendite naturgemäß gering aus, doch das Signal an den Kapitalmarkt ist klar gesetzt. Die FACC-Aktie reagiert am Handelstag mit einem Plus von 2,4 Prozent.

Kontron, Frequentis, Andritz und Palfinger: Operative Impulse aus der zweiten Reihe

Kontron hält die eigene Aktie für unterbewertet. Der Vorstand spricht von einem „attraktiven Kursniveau" und hat ein neues Aktienrückkaufprogramm aufgelegt. Die Aktie notiert bereits wieder über 20 Euro, wobei die Kaufobergrenze bei 24 Euro liegt. Rückkaufprogramme gelten am Markt typischerweise als Vertrauenssignal des Managements in die eigene Bewertung.

Frequentis meldet die Lieferung eines cloudbasierten Leitstellensystems an den West Yorkshire Fire & Rescue Service (WYFRS) im Vereinigten Königreich – ein weiterer Beleg für die internationale Positionierung des Wiener Technologieunternehmens im Bereich sicherheitskritischer Kommunikationslösungen.

Andritz hat vom chinesischen Papierhersteller Wushu Special Paper einen Auftrag zur Lieferung von Technologien und Ausrüstung für ein neues Zellstoffwerk in Hukou County erhalten. Der Auftrag unterstreicht die globale Reichweite des steirischen Industriekonzerns.

Palfinger startet eine Vertriebspartnerschaft mit APS für den britischen Markt, um das Hubarbeitsbühnengeschäft in Großbritannien auszubauen. Interessant dabei: Palfinger ist laut Drastil 2008 zum dritten Mal in den ATX aufgenommen worden und befindet sich nun erneut im Leitindex. Damit dürfte Palfinger das Unternehmen mit den häufigsten ATX-Ein- und Austritten sein – eine kuriose Statistik, die aber auch zeigt, dass das Unternehmen immer wieder die Aufnahmekriterien erfüllt.

Historische Kursrekorde bei Erste Group und Bawag

Drastil blickt auch auf bemerkenswerte historische Kursbewegungen österreichischer Banken zurück. Die Erste Group schaffte vor 17 Jahren die schnellste Kursverdoppelung ihrer Börsengeschichte: In nur 20 Tagen stieg der Kurs von 7,41 Euro auf 14,92 Euro. Die Bawag wiederum legte vor sechs Jahren – nach der Covid-Krise – in nur vier aufeinanderfolgenden Handelstagen um 46,21 Prozent zu. Solche Extrembewegungen sind selten, illustrieren aber eindrucksvoll die Volatilität, die Bankaktien in Krisenphasen und deren Erholungen aufweisen können.

Verbund unter Druck: UBS bleibt bei „Sell"

Auf der Research-Seite fällt die Einschätzung der UBS zur Verbund-Aktie auf. Die Schweizer Großbank bekräftigt ihr „Sell"-Rating mit einem Kursziel von 55 Euro und verweist auf die Sondergewinnsteuer in Österreich, die das Aufwärtspotenzial begrenze. Drastil selbst sieht den Verbund zwar „ein bisschen bullischer", zeigt sich aber verärgert über die Sondergewinnsteuer als belastenden Faktor.

Private Equity bei Neobrokern: Eine Warnung vom Experten

Ein thematischer Exkurs der Episode verdient besondere Beachtung. Anlass ist die Opening Bell durch Manfred Kainz, den früheren Geschäftsführer des Aktienforums, mit dem Drastil in den Nullerjahren den Venture Capital und Private Equity Award für Österreich entwickelt hat. Damals eine Nischenveranstaltung, heute sind Private-Equity- und Venture-Capital-Beteiligungen bei Neobrokern zunehmend im Angebot.

Drastil rät von dieser breiten Zugänglichkeit eher ab und empfiehlt für diese Assetklasse den Weg über die Private-Banking-Schienen großer Banken, wo eine andere Financial Literacy und Beratungstiefe gegeben sei. Er räumt allerdings ein, dass Meinungen hier verschieden sein dürfen – eine differenzierte Haltung, die angesichts des wachsenden Retailzugangs zu illiquiden Anlageklassen durchaus relevant ist.

Fazit: Ein starker Tag mit vielen Facetten

Der 25. März 2026 markiert einen erfreulichen Handelstag für den ATX, der die Nulllinie wieder überschreitet. FACC überzeugt mit operativer Resilienz und klaren Margenzielen, Kontron setzt mit dem Rückkaufprogramm ein Vertrauenssignal, und mehrere österreichische Industrieunternehmen melden internationale Aufträge und Partnerschaften. Die Warnung vor unkritischem Private-Equity-Zugang über Neobroker rundet eine Episode ab, die neben Tageskursen auch grundsätzliche Fragen der Anlagekultur aufgreift. Der Blick auf historische Kurssprünge bei Erste Group und Bawag erinnert zudem daran, welche Dynamik österreichische Bankaktien in Extremphasen entfalten können.