Redcare Pharmacy Aktie: Wachstum mit Makel
Redcare Pharmacy hat zum Jahresende 2025 starke Zuwächse im Kerngeschäft mit Rezepten erzielt – und dennoch setzt die Aktie ihre Talfahrt fort. Auslöser ist ein Quartalsupdate, das zwar satte Umsatzzuwächse zeigt, aber klar hinter den Erwartungen im lukrativen OTC-Bereich zurückblieb. Die zentrale Frage für den Markt lautet: Reicht der Rückenwind aus dem E-Rezept, um die Schwächen im Nicht-Rezeptgeschäft zu kompensieren?
Quartalsupdate löst Kursdruck aus
Am Dienstagmorgen legte Redcare vorläufige Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor – mit einem gemischten Bild. Der Konzernumsatz stieg im Q4 auf 794 Mio. Euro und damit um 18 % gegenüber dem Vorjahresquartal (675 Mio. Euro). Trotzdem lag dieser Wert rund 3 % unter der unternehmenseigenen Konsensschätzung.
An der Börse fiel die Reaktion deutlich aus: Nach einem kräftigen Rückgang am Mittwoch setzte sich der Abwärtstrend heute fort. Insgesamt hat die Aktie damit in zwei Tagen rund 10 % verloren, während sie aktuell mit knapp über 65 Euro weiterhin deutlich mehr als die Hälfte unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 138,40 Euro notiert.
Deutsches E-Rezept-Geschäft überzeugt
Positiv sticht das verschreibungspflichtige Geschäft in Deutschland hervor. Die Rx-Umsätze legten im vierten Quartal um 60 % auf 155 Mio. Euro zu und übertrafen damit leicht die Markterwartungen.
Im Gesamtjahr 2025 erzielte Redcare in diesem Segment 503 Mio. Euro Umsatz – nahezu eine Verdopplung gegenüber 254 Mio. Euro im Jahr 2024. Damit wurde die Unternehmensprognose von „mehr als 500 Mio. Euro“ leicht übertroffen.
CEO Olaf Heinrich betonte in seinem Kommentar die starke Entwicklung im Rx-Bereich und verwies auf die fortgesetzten Investitionen in ein besseres Kundenerlebnis. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Nachfrage im Nicht-Rezeptgeschäft in einigen Märkten im vierten Quartal spürbar schwächer ausfiel.
Schwacher OTC-Bereich belastet Stimmung
Genau dieses Nicht-Rezeptsegment (Non-Rx) ist der Knackpunkt des Updates. Zwar wuchsen die Non-Rx-Umsätze im vierten Quartal um 9 % auf 483 Mio. Euro. Doch gemessen an den Erwartungen war das klar zu wenig: Die Konsensschätzungen wurden um rund 9 % verfehlt.
Innerhalb des Non-Rx-Bereichs zeigen sich regionale Unterschiede:
- DACH-Non-Rx-Umsätze lagen etwa 10 % unter dem Visible-Alpha-Konsens
- Internationale Non-Rx-Umsätze verfehlten die Erwartungen um rund 3 %
- Im Gesamtjahr stiegen Non-Rx-Erlöse von 1,6 Mrd. Euro (2024) auf 1,9 Mrd. Euro (2025)
Damit wächst das OTC-Geschäft zwar weiter, aber eben deutlich langsamer und schwächer als vom Markt erhofft. Für ein auf Skalierung ausgelegtes E-Commerce-Modell ist diese Lücke zur Erwartung spürbar – kein Wunder also, dass Anleger hier besonders sensibel reagieren.
Gesamtjahr 2025: Starkes Wachstum, enger Fokus auf Profitabilität
Trotz der Enttäuschung im vierten Quartal fällt das Gesamtjahr 2025 wachstumsstark aus. Redcare meldet:
- Konzernumsatz: 2,9 Mrd. Euro (plus 24 % gegenüber 2,4 Mrd. Euro in 2024)
- DACH-Umsatz: 2,4 Mrd. Euro (plus 24,1 % gegenüber 1,9 Mrd. Euro)
- Internationaler Umsatz: 540 Mio. Euro (plus 23,7 % gegenüber 436 Mio. Euro)
- Aktive Kunden: 13,9 Mio. (Zuwachs um 1,4 Mio. binnen eines Jahres)
- Net Promoter Score (NPS): 74 in Q4 (nach 72 in Q3), im Jahresdurchschnitt 68
Die Profitabilität bleibt weiter im Fokus: Redcare bekräftigte das Ziel einer bereinigten EBITDA-Marge von 2 % bis 2,5 % für das Gesamtjahr 2025. Angesichts des starken Wachstums bei gleichzeitig noch niedrigen Margen bleibt die Frage, wie stabil diese Zielspanne angesichts des steigenden Wettbewerbsumfelds gehalten werden kann – die Antwort darauf sollen die nächsten Berichte liefern.
Analysten uneins zur weiteren Richtung
Die Reaktionen der Analysten fallen unterschiedlich aus. UBS sprach von Ergebnissen, die „im Rahmen unserer Erwartungen“ lägen und nach der schwachen Performance der Aktie im Jahr 2025 grundsätzlich positiv aufgenommen werden könnten. Das Haus bleibt dennoch bei einer neutralen Einstufung.
Andere Institute bleiben klar optimistischer:
- Baader Bank bestätigt ihre Kaufempfehlung
- Jefferies hält am Buy-Rating fest
- Barclays belässt die Einstufung auf Overweight
Die Bandbreite der Einschätzungen zeigt die Unsicherheit über die mittelfristige Positionierung von Redcare: Einerseits ein stark wachsendes Rx-Geschäft, andererseits ein OTC-Bereich, in dem der Wettbewerb spürbar zunimmt.
Wettbewerb im OTC-Markt zieht an
Zusätzlichen Druck im Nicht-Rezeptgeschäft bringt der Markteintritt großer stationärer Händler in den Online-OTC-Markt. Besonders hervorzuheben ist der Start von „dm-med“ durch dm-drogerie markt Mitte Dezember 2025.
Der Drogerieriese bietet seitdem rund 2.500 OTC-Produkte online an. Das könnte auf Sicht sowohl auf die Margen als auch auf die Volumina von Redcare im Non-Rx-Segment drücken. Die jetzt vorgelegten Q4-Zahlen bilden dabei erst den Anfang dieses neuen Wettbewerbsumfelds ab – der volle Effekt dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.
Ausblick: E-Rezept als Chance, März-Bericht als Prüfstein
Strategisch setzt Redcare klar auf das Wachstum im verschreibungspflichtigen Bereich, gestützt durch den flächendeckenden Rollout des elektronischen Rezepts in Deutschland. Die starke Entwicklung des Rx-Geschäfts 2025 zeigt, dass diese Weichenstellung Wirkung entfaltet.
Wichtige Termine für die nächsten Monate sind:
- 21. Januar 2026: Rückzahlung einer Wandelanleihe über 64,5 Mio. Euro
- 4. März 2026: Veröffentlichung des vollständigen Geschäftsberichts 2025 inklusive Ausblick auf 2026
Der März-Bericht wird zum zentralen Gradmesser: Dann legt Redcare erstmals detailliert offen, welchen Einfluss der Markteintritt von dm im OTC-Geschäft tatsächlich hatte und ob die avisierte bereinigte EBITDA-Marge in der aktuellen Wettbewerbssituation bestätigt werden kann.
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