Redcare Pharmacy steckt in einem klaren Abwärtstrend – und das, obwohl der Umsatz 2025 deutlich gewachsen ist. Der Knackpunkt: Ausgerechnet das margenstärkere Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Produkten bleibt hinter den Erwartungen zurück, während der Rezeptbereich glänzt. Wie passt das zusammen – und was bedeutet die zunehmende Konkurrenz für die nächsten Quartale?

Schwaches Q4 im Non-Rx-Geschäft

Auslöser der aktuellen Schwächephase waren die vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal 2025, die Anfang Januar veröffentlicht wurden. Zwar stiegen die Konzernumsätze im Q4 um 18 % auf 794 Mio. Euro, doch damit blieb Redcare klar unter den von Analysten erwarteten rund 821 Mio. Euro.

Der Rückstand geht vollständig auf das Konto des Non-Rx-Geschäfts, also des Verkaufs nicht verschreibungspflichtiger Produkte:

  • Q4 Non-Rx-Umsatz: 483 Mio. Euro, +9 % zum Vorjahr – deutlich weniger als das angepeilte Wachstum im hohen Zehner-Prozentbereich
  • Q4 Rx-Umsatz Deutschland: 155 Mio. Euro, +60 % zum Vorjahr – in etwa im Rahmen der Erwartungen
  • Gesamtjahr 2025 Konzernumsatz: 2,9 Mrd. Euro, +24 %
  • Gesamtjahr 2025 Rx Deutschland: 503 Mio. Euro, +98 %
  • Gesamtjahr 2025 Non-Rx: 1,9 Mrd. Euro, +15 % – unter der Prognose von rund 18 %

Besonders bitter: Das Schlussquartal gilt wegen Erkältungs- und Grippesaison normalerweise als Rückenwind für das OTC-Geschäft. Dass Redcare hier trotzdem hinter den eigenen Zielen bleibt, sorgt nachvollziehbar für Verunsicherung.

E-Rezepte als Lichtblick

Auf der anderen Seite läuft das Rezeptgeschäft in Deutschland weiter sehr robust. Mit 503 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2025 hat Redcare die Rx-Erlöse gegenüber dem Vorjahr (254 Mio. Euro) nahezu verdoppelt. Der flächendeckende Rollout des E-Rezepts hat die Position des Unternehmens im Online-Rezeptmarkt klar gestärkt.

Auch operative Kennzahlen unterstreichen, dass das Geschäftsmodell grundsätzlich weiter skaliert:

  • Aktive Kunden: 13,9 Mio., ein Plus von 1,4 Mio. im Jahresvergleich
  • Net Promoter Score (Q4): 74, nach 72 im dritten Quartal
  • Marktkapitalisierung: rund 1,31 Mrd. Euro

Mehr Kunden, zufriedene Nutzer, wachsendes Rx-Volumen – die Basis stimmt. Das Problem liegt weniger im „Ob“, sondern im „Wie schnell“ beim profitablen Wachstum im Non-Rx-Bereich.

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Konkurrenz nimmt spürbar zu

Die Schwäche im Non-Rx-Geschäft wiegt umso schwerer, weil sie in einem an sich günstigen Umfeld auftritt. Winter, Erkältungswelle, stabile Nachfrage – eigentlich gute Bedingungen für rezeptfreie Produkte.

Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass der Wettbewerbsdruck steigt. Besonders bemerkenswert: Die Drogeriekette dm ist Mitte Dezember 2025 in den Online-Versand für Non-Rx-Produkte eingestiegen. Der vollständige Effekt dieser neuen Konkurrenz ist in den Q4-Zahlen noch gar nicht sichtbar, könnte aber 2026 deutlicher durchschlagen. Marktbeobachter dürften daher genau verfolgen, ob Redcare seine Position im OTC-Geschäft behaupten kann oder weitere Marktanteile abgibt.

Analysten reagieren mit Zielsenkungen

Die verfehlten Umsatzerwartungen haben prompt Reaktionen auf der Analystenseite ausgelöst. Mehrere Häuser senkten ihre Kursziele für die Aktie.

  • mwb research reduzierte das Kursziel von 144 auf 120 Euro, hält aber an der Einstufung „Buy“ fest.
  • Der durchschnittliche Analysten-Konsens liegt aktuell bei 142,75 Euro, mit einer breiten Spanne von 74 bis 214 Euro.
  • UBS hat das Rating jüngst von „Sell“ auf „Neutral“ angehoben, bei einem Kursziel von 74 Euro.

Die große Bandbreite der Kursziele zeigt: Die Einschätzungen, wie stark die Non-Rx-Schwäche und der Wettbewerb die Story verändern, gehen deutlich auseinander.

Technisches Bild: Langfristiger Druck

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Der Kurs schloss am Freitag bei 64,10 Euro und liegt damit nur wenige Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 60,35 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Minus von rund 47 % zu Buche, der Abstand zum Hoch vom März 2025 beträgt gut die Hälfte des damaligen Werts.

Mit einem Kurs dicht am Jahrestief, einem 200-Tage-Durchschnitt deutlich darüber und einem RSI um 49 wirkt die Aktie technisch eher richtungslos, aber klar in einem übergeordneten Abwärtstrend gefangen. Ein stabiler Boden ist aus dieser Perspektive noch nicht überzeugend erkennbar.

Strategische Hebel und nächste Termine

Operativ versucht Redcare, die Basis für mehr Effizienz und Skalierbarkeit zu legen. Das Logistikzentrum im tschechischen Pilsen ist in Betrieb, weitere Automatisierungsschritte am Hauptstandort Sevenum sollen die Produktivität langfristig spürbar verbessern. Solche Maßnahmen zielen darauf ab, Margen zu stabilisieren und künftiges Wachstum mit geringeren Stückkosten abzufedern.

Wichtige Wegmarke für die weitere Einordnung ist der 4. März 2026: Dann will das Unternehmen den Geschäftsbericht 2025 vorlegen und zugleich die nächsten Quartalszahlen veröffentlichen. Spätestens dort wird sich zeigen, ob Redcare die Non-Rx-Schwäche adressiert, wie sich der Wettbewerb um dm und Co. konkret bemerkbar macht und welche Erwartungen das Management für 2026 setzt.

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