Adidas, Redcare & Bayer: Wenn Prognosen zur Belastungsprobe werden
Liebe Leserinnen und Leser,
drei DAX-Konzerne legen ihre Zahlen vor – und alle drei enttäuschen mit ihrem Ausblick. Während Adidas mit einem Betriebsergebnis-Ziel von 2,3 Milliarden Euro die Erwartungen um fast 15 Prozent verfehlt, bricht Redcare Pharmacy mit gesenkten Margenzielen ein. Bayer kämpft derweil mit Milliarden-Verlusten durch US-Rechtsstreitigkeiten. Doch die deutschen Unternehmenssorgen sind nur ein Teil des Bildes: An den Märkten dominiert weiterhin die Nervosität rund um die Straße von Hormus, während ein Milliardär namens Leo KoGuan plötzlich massiv auf Nvidia setzt. Was Sie heute wissen müssen – kompakt und eingeordnet.
Adidas: Wenn selbst Björn Gulden nicht überzeugen kann
Der Sportartikelhersteller hat 2025 ein Rekordjahr hingelegt – Umsatz währungsbereinigt um 13 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro gesteigert, operativer Gewinn auf knapp 2,1 Milliarden Euro hochgeschraubt. Und trotzdem: Die Aktie stürzt am Mittwoch um mehr als sieben Prozent ab und erreicht den tiefsten Stand seit drei Jahren.
Der Grund liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Für 2026 peilt Adidas ein Betriebsergebnis von rund 2,3 Milliarden Euro an – Analysten hatten mit 2,7 Milliarden gerechnet. Die Differenz von 400 Millionen Euro? Zölle und Währungseffekte. CEO Björn Gulden, dessen Vertrag gerade bis 2030 verlängert wurde, bleibt dennoch optimistisch: Bis 2028 soll der Umsatz jährlich im hohen einstelligen Prozentbereich wachsen, die operative Marge auf über zehn Prozent klettern.
Doch die Börse kauft ihm diese Geschichte heute nicht ab. Citigroup-Analysten sprechen von einem "konservativen" Ausblick, RBC sieht sogar Gefahr, dass Adidas das Margenziel für 2026 verfehlt. Die Botschaft ist klar: In unsicheren Zeiten zählen keine Versprechen, sondern Lieferfähigkeit.
Redcare Pharmacy: Die Online-Apotheke verliert den Schwung
Minus 18 Prozent – so brutal bestraft die Börse die Aktie der Online-Apotheke am Mittwoch. Der Kurs fällt auf den tiefsten Stand seit Anfang 2023. Was ist passiert? Redcare hat 2025 zwar operativ besser verdient als 2024, bleibt mit 57 Millionen Euro bereinigtem EBITDA aber unter den Erwartungen. Schlimmer noch: Die Prognose für 2026 enttäuscht auf ganzer Linie.
Das Unternehmen rechnet mit einem Umsatzwachstum von nur noch 13 bis 15 Prozent – nach 24 Prozent im Vorjahr. Die bereinigte EBITDA-Marge soll zwar von 2,0 auf mindestens 2,5 Prozent steigen, doch mittelfristig senkt Redcare das Margenziel drastisch: von acht auf nur noch fünf Prozent. Jefferies-Analyst Martin Comtesse bringt es auf den Punkt: "Die neuen Ziele enttäuschen über alle Kennziffern hinweg."
Besonders bitter: Das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland soll 2026 nur auf 680 Millionen Euro wachsen – Baader-Experte Volker Bosse hatte sich doppelt so viel erhofft. Der Wettbewerb im deutschen Markt verschärft sich offenbar schneller als gedacht. DocMorris dürfte aufmerksam zusehen.
Bayer: 3,6 Milliarden Euro Verlust – und kein Ende in Sicht
Der Pharma- und Agrarchemiekonzern schreibt erneut tiefrote Zahlen: 3,6 Milliarden Euro Nettoverlust im Jahr 2025, mehr als eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr. Schuld sind die endlosen Glyphosat- und PCB-Klagen in den USA. Allein für 2026 plant Bayer Auszahlungen von rund fünf Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten – der angestrebte Sammelvergleich zur Beilegung der Glyphosat-Klagen kostet bis zu 7,25 Milliarden Dollar über 21 Jahre.
Operativ läuft es etwas besser als befürchtet: Der Umsatz sank 2025 um 2,2 Prozent auf 45,58 Milliarden Euro, währungsbereinigt gab es aber ein Plus von 1,1 Prozent. Das bereinigte EBITDA fiel um 4,5 Prozent auf 9,67 Milliarden Euro – leicht über den Analystenerwartungen. Für 2026 rechnet Bayer mit einem Umsatz von 44 bis 46 Milliarden Euro und einem bereinigten EBITDA von 9,1 bis 9,6 Milliarden Euro. Analysten hatten mehr erwartet.
Die Verschuldung wird weiter steigen: von 29,8 Milliarden Euro Ende 2025 auf bis zu 33 Milliarden Euro Ende 2026. Der freie Cashflow dürfte negativ ausfallen – minus 2,5 bis minus 1,5 Milliarden Euro. Bayer verbrennt Geld, um endlich juristischen Frieden zu finden. Ob das gelingt, hängt maßgeblich von einem Grundsatzurteil des US Supreme Court ab, das im Juni erwartet wird.
DAX: Trumps Versprechen stoppt den freien Fall
Nach zwei Tagen mit fast sechs Prozent Minus stabilisiert sich der DAX am Mittwoch leicht. Der Grund: US-Präsident Donald Trump hat versprochen, Öl- und Gastanker durch die Straße von Hormus mit der US-Marine zu eskortieren. "Um jeden Preis werden die USA den freien Fluss von Energie für den Rest der Welt sicherstellen", schrieb Trump auf Truth Social.
Die Börsen reagieren verhalten optimistisch. Der DAX steigt zeitweise über die Marke von 24.000 Punkten, bleibt aber weit entfernt vom Allzeithoch bei 25.507 Punkten vom 13. Januar. Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners bleibt skeptisch: "Bislang überzeugt der Plan, Tanker zu eskortieren, die Börsen nicht." Noch sei unklar, ob sich dieser Plan tatsächlich umsetzen lasse.
Ein Blick nach Asien zeigt die Nervosität: Der südkoreanische Kospi verlor am Mittwoch zweistellig, weil Südkorea stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängt. Die Ölpreise ziehen nach einer kurzen Delle wieder an – Brent klettert auf über 83 Dollar. Solange der Iran-Konflikt nicht deeskaliert, bleibt die Straße von Hormus das Damoklesschwert über den Märkten.
Leo KoGuan setzt eine Million Nvidia-Aktien auf KI
Der Milliardär Leo KoGuan, einst einer der größten Einzelaktionäre von Tesla, hat eine Million Nvidia-Aktien gekauft – und plant weitere Käufe. "Ich bin überzeugt, dass KI keine Blase ist, sondern erst der Anfang", schreibt er auf X. Trotz zunehmender Kritik an Elon Musk bleibt Tesla laut KoGuan der Hauptteil seines Portfolios, doch er diversifiziert nun stärker.
Jefferies-Analysten sehen in Nvidia eine der "sichersten KI-Gewinner" im Technologiesektor – und zwar zu "Keller-Schnäppchen-Bewertungen". Die Aktie hat nach starken Quartalszahlen nicht überzeugt, Analysten sehen darin aber eine Kaufgelegenheit. KoGuan argumentiert ähnlich: "Nvidia und Broadcom sind bereit für Ausbrüche, die Bewertungen sind zu niedrig."
Interessant: KoGuan glaubt weiterhin an Tesla, trotz seiner öffentlichen Kritik an Musks Milliarden-Gehaltspaket. "Teslas Energie-, Cybercab- und Teslabot-Geschäfte sind nicht vollständig eingepreist", schreibt er. Mutige Investoren könnten heute für zukünftigen Reichtum kaufen. Eine Wette auf die Zukunft – in turbulenten Zeiten.
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Was jetzt kommt
Die kommenden Tage werden zeigen, ob Trumps Versprechen zur Sicherung der Straße von Hormus die Märkte nachhaltig beruhigt oder nur eine kurze Atempause verschafft. Für deutsche Unternehmen wie Adidas, Redcare und Bayer bleibt die Herausforderung, in einem schwierigen Umfeld zu liefern. Die Börse verzeiht derzeit keine Enttäuschungen – wer nicht überzeugt, wird abgestraft. Bleiben Sie wachsam.
Beste Grüße und einen erfolgreichen Handelstag
Andreas Sommer








