Redcare Pharmacy steht wenige Tage vor einem wichtigen Finanzierungstermin – und zugleich unter massivem Wettbewerbsdruck im Kerngeschäft. Die Kombination aus verhaltenen Quartalszahlen, neuer Konkurrenz im margenstarken OTC-Bereich und einer anstehenden Rückzahlung einer Wandelanleihe sorgt für Nervosität. Anleger fragen sich: Wie gut ist das Geschäftsmodell auf die nächsten Monate vorbereitet?

Fällige Anleihe als letzter Baustein der Restrukturierung

Am 21. Januar 2026 muss Redcare 64,5 Millionen Euro an Inhaber der 2021/2028-Wandelanleihe zahlen, die ihre Put-Option gezogen haben. Es handelt sich um den letzten größeren Schritt einer umfassenden Schuldenneuordnung aus dem Jahr 2025:

  • April 2025: Rückkauf von 157,9 Millionen Euro der ursprünglichen Wandelanleihe
  • April 2025: Emission einer neuen 300-Millionen-Euro-Wandelanleihe mit Laufzeit bis 2032
    1. Januar 2026: Zahlung von 64,5 Millionen Euro an Put-Zeichner
  • Restbestand der alten Anleihe: nur noch 2,6 Millionen Euro

Per 30. September 2025 verfügte Redcare über liquide Mittel und kurzfristige Finanzanlagen in Höhe von 265,6 Millionen Euro, deutlich mehr als die 177,6 Millionen Euro zum Jahresende 2024. Rein finanziell wirkt die anstehende Zahlung damit beherrschbar. Dennoch zeigt die Kursreaktion, dass viele Investoren die Kapitalallokation und künftige Finanzierungsspielräume kritisch sehen.

Gestern schloss die Aktie bei 65,65 Euro und liegt damit rund 52 % unter dem 52‑Wochen-Hoch von 138,40 Euro – ein deutliches Signal, wie stark der Markt die Risiken inzwischen einpreist. Gleichzeitig bleibt ein gewisser Boden in Sicht: Zum 52‑Wochen-Tief bei 60,35 Euro beträgt der Abstand knapp 9 %.

Quartalszahlen als Auslöser des Kursdrucks

Der aktuelle Abwärtstrend setzte sich nach den vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal 2025 fort, die Redcare am 7. Januar 2026 veröffentlichte. Damals verlor die Aktie bereits 7–8 %.

Operativ wächst das Unternehmen zwar weiter kräftig: Der Umsatz für das Gesamtjahr 2025 lag bei 2,9 Milliarden Euro, ein Plus von 24 % gegenüber dem Vorjahr. Doch im Detail enttäuschte insbesondere das Schlussquartal: Konzernumsätze von 794 Millionen Euro verfehlten die Markterwartungen um rund 3 %.

Damit wurde klar, dass die Dynamik nicht in allen Bereichen gleich stark ist. Genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Unsicherheit über die künftige Ertragskraft.

Zwei Geschwindigkeiten im Geschäftsmodell

Die Spaltung zwischen den Geschäftssegmenten ist deutlich:

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  • Deutsches Rx-Geschäft (verschreibungspflichtig): plus 60 % im vierten Quartal auf 155 Millionen Euro, vor allem dank der Einführung des E‑Rezepts in Deutschland.
  • Non-Rx-/OTC-Segment: lediglich 9 % Wachstum, rund 9 % unter den Prognosen.

Während das Rezeptgeschäft von einem strukturellen Rückenwind profitiert, schwächelt ausgerechnet der Teil, der traditionell höhere Margen bringt: das OTC-Geschäft. Analysten mussten ihre Modelle entsprechend anpassen und rechnen mit stärkeren Gegenwinden bei der Profitabilität.

Hinzu kommt: Das OTC-Segment war schon zuvor kein Margen-Wunder. Die bereinigte EBITDA-Marge lag im dritten Quartal 2025 bei nur 2,4 %. Spielraum für Preisdruck ist damit begrenzt.

dm-med verschärft den Preiskampf

Besonders heikel: Im Dezember 2025 ist mit dm ein sehr starker neuer Wettbewerber in den Online-Apothekenmarkt eingestiegen. Unter der Marke „dm-med“ nutzt die Drogeriekette ihre bestehende Infrastruktur konsequent aus:

  • Rund 4.200 Filialen als mögliche Abhol- oder Servicestellen
  • 12,5 Millionen aktive Nutzer der dm-App
  • angekündigte Preisvorteile von 20–30 % gegenüber stationären Apotheken
  • Möglichkeit, Apothekenbestellungen mit dem regulären dm-Einkauf zu kombinieren

dm-Chef Christoph Werner bezeichnete die Gesundheitsinitiative als derzeit größtes Projekt des Unternehmens. Für Redcare bedeutet das: Ein Player mit hoher Markenbekanntheit, großer Kundenbasis und massivem Vertriebsnetz greift genau dort an, wo die Margen eigentlich erwirtschaftet werden sollen – im OTC-Bereich. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Sorgen um die Nachhaltigkeit der Margen nachvollziehbar.

Analysten zwischen Optimismus und Skepsis

Die Reaktionen der Analysten auf die vorläufigen Q4-Zahlen unterstreichen die Unsicherheit. mwb research senkte am 7. Januar 2026 das Kursziel von 144 auf 120 Euro und verwies explizit auf die schwächere Non-Rx-Entwicklung.

Die übrigen Kursziele liegen weit auseinander:

  • Deutsche Bank: Kaufempfehlung, Kursziel 214 Euro (Oktober 2025)
  • Berenberg: Kaufempfehlung, Kursziel 165 Euro (November 2025)
  • Barclays: „Overweight“, Kursziel 130 Euro
  • UBS: „Neutral“, Kursziel 74 Euro

Der Konsens von 142,75 Euro signalisiert ein rechnerisch hohes Aufwärtspotenzial gegenüber den aktuellen Kursen. Gleichzeitig spiegelt die Spannweite von 74 bis 214 Euro wider, wie unterschiedlich die weitere Entwicklung eingeschätzt wird – insbesondere mit Blick auf Wettbewerb und Margen.

Technisches Bild und nächste Wegmarken

Charttechnisch bleibt die Aktie klar in einem Abwärtstrend. Der Kurs liegt mit gut 24 % Abstand deutlich unter dem 200‑Tage-Durchschnitt von 86,92 Euro, während der 50‑Tage-Durchschnitt bei 64,27 Euro nur knapp unter dem aktuellen Niveau verläuft. Ein RSI von 49 signalisiert aktuell weder Überkauf- noch Überverkauft-Zustand, sondern eher eine abwartende Marktphase nach dem vorangegangenen Rückgang.

Zusätzlich belastet ein Short Interest von rund 14 % der ausstehenden Aktien. Das deutet auf anhaltende Skepsis institutioneller Investoren hin, die vor allem auf die angesprochenen Margenrisiken und den intensiver werdenden Wettbewerb im OTC-Geschäft zurückzuführen ist.

Entscheidende Termine sind nun eng getaktet: Zunächst steht am 21. Januar 2026 die 64,5‑Millionen-Euro-Zahlung an die Anleihegläubiger an. Der nächste große fundamentale Impuls folgt am 4. März 2026 mit der Vorlage des vollständigen Jahresabschlusses 2025 samt Ausblick. Dann wird sich zeigen, wie das Management auf den verschärften Wettbewerb reagiert und welche Profitabilitätsziele unter den neuen Rahmenbedingungen noch erreichbar sind.

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