Bayer Aktie: Prozesslast bremst
Heute legt Bayer den Geschäftsbericht 2025 vor – und muss darin vor allem eine Sache erklären: warum die juristische Altlast rund um Roundup den Finanzrahmen für 2026 so eng macht. Höhere Rückstellungen, erwartete Milliardenabflüsse und ein Vergleich, der noch nicht einmal einen Gerichtstermin hat, treffen auf eine laufende Restrukturierung. Was entscheidet 2026 wirklich über den Kurs?
Geschäftsbericht unter Zeitdruck
Der Termin ist nicht zufällig gewählt. Bayer hatte die Veröffentlichung ursprünglich für Ende Februar geplant, sie dann aber auf heute (Mittwoch) verschoben. Hintergrund: Ein vorgeschlagener US-Vergleich sollte bereits in der Jahresrechnung 2025 abgebildet werden.
Parallel zum Bericht gibt es einen Investor-Call zu FY/Q4 2025. Doch die Aufmerksamkeit dürfte weniger auf „normalen“ Bilanzdetails liegen, sondern auf dem Zeitplan im Roundup-Komplex: Beim Vergleich in Missouri ist der Ablauf weiter offen – der nächste feste Marker ist die Supreme-Court-Anhörung Ende April.
Rückstellungen rauf, Cashflow runter
Finanziell drückt vor allem der Rechtsstreit-Komplex. Bayer hat die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf 11,8 Milliarden Euro erhöht, davon 9,6 Milliarden Euro für Glyphosat-Fälle.
Für die Liquidität ist das mehr als nur eine Bilanzzahl. Der Konzern stellt für 2026 einen voraussichtlich negativen Free Cashflow in Aussicht. Ein zentraler Treiber: rund 5 Milliarden Euro an litigation-bezogenen Auszahlungen, die Bayer allein für 2026 erwartet.
Um diese Abflüsse stemmen zu können, hat sich Bayer eine Brückenfinanzierung über 8 Milliarden US-Dollar gesichert. Danach soll über vorrangige Anleihen und Hybridwertpapiere refinanziert werden.
Roundup-Vergleich und Supreme Court: Zwei Hebel, ein Risiko
Kernstück ist ein vorgeschlagener landesweiter Vergleich von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar. Er soll aktuelle und künftige Klagen zum Unkrautvernichter Roundup abräumen. Geplant ist, etwa 65.000 Verfahren über 21 Jahre zu befrieden. Doch: Richter Timothy Boyer in St. Louis hat bislang keinen Anhörungstermin angesetzt. Mehrere Kanzleien wollen zudem mindestens 60 Tage Verzögerung und stellen die Fairness des Pakets grundsätzlich infrage. Zusätzlich sorgt eine Rücktrittsklausel für Unsicherheit: Bayer kann aussteigen, wenn zu viele Kläger nicht teilnehmen.
Parallel läuft die höchstrichterliche Spur: Am 27. April 2026 sind mündliche Verhandlungen zur Frage angesetzt, ob bestimmte „Failure-to-Warn“-Klagen nach US-Bundesrecht ausgeschlossen sind. Laut Bayer gibt es widersprüchliche Urteile verschiedener Berufungsgerichte. Von insgesamt rund 197.000 Klagen waren bis zum 15. Oktober 2025 etwa 132.000 beigelegt oder aus anderen Gründen nicht anspruchsberechtigt.
An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage in der jüngsten Schwäche: In den vergangenen 7 Tagen verlor die Aktie 11,29% auf einen Schlusskurs von 37,70 Euro (Dienstag). Der sehr niedrige RSI von 19,6 unterstreicht, wie stark die Korrektur zuletzt ausfiel.
Umbau läuft, Pharma soll ab 2027 wieder wachsen
Während die Juristen arbeiten, baut Bayer den Konzern weiter um. In weniger als zwei Jahren wurden Hierarchieebenen von bis zu 12 auf sechs oder sieben reduziert, insgesamt gibt es rund 10.000 Positionen weniger. Das Programm „Dynamic Shared Ownership“ soll 2026 voll durchschlagen: 800 Millionen Euro zusätzliche Einsparungen sind geplant – on top zu den rund 500 Millionen Euro, die 2024 wie vorgesehen erreicht wurden.
Im Pharmageschäft zeigte sich 2025 bei neuen Produkten Wachstum, während Patentabläufe und einzelne Rückgänge dagegenhielten. Für die Sparte gilt die eigene Zielmarke: ab 2027 wieder Umsatzwachstum, ab 2028 eine Margenverbesserung.
Unterm Strich dürfte 2026 damit vor allem durch zwei juristische Meilensteine getaktet sein: Ob der Roundup-Vergleich überhaupt gerichtsfest wird – und was der Supreme Court nach der Anhörung am 27. April 2026 daraus macht. Bis diese Punkte klarer sind, bleibt der Rechtskomplex der dominante Bremsklotz in der Bewertung.
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