Redcare Pharmacy Aktie: Schulden im Fokus
Redcare Pharmacy liefert starkes Wachstum bei den Rezeptumsätzen, steht aber gleichzeitig unter dem Druck einer anstehenden Anleiherückzahlung und schwächerer Non-Rx-Zahlen. Genau dieser Spagat zwischen Wachstumsstory und Margensorgen bestimmt aktuell die Stimmung. Die zentrale Frage für den Markt ist: Reicht das Wachstum im E-Rezept-Geschäft, um die Skepsis rund um Profitabilität und Finanzierung abzufedern?
Kursverlauf und Belastungsfaktoren
Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 47 % an Wert verloren und notiert gut die Hälfte unter ihrem 52‑Wochen-Hoch. Auf Wochensicht ging es zuletzt erneut leicht abwärts, während sich der Kurs nur knapp über dem jüngsten 52‑Wochen-Tief bewegt – ein Zeichen, dass der Titel weiter unter Druck steht.
Auslöser für die jüngste Schwäche war vor allem das vorläufige Trading-Update für das vierte Quartal 2025 vom 7. Januar. Zwar legte der Konzernumsatz 2025 um 24 % auf 2,9 Milliarden Euro zu, doch der Markt fokussierte sich auf die enttäuschende Entwicklung im nicht verschreibungspflichtigen Geschäft (Non-Rx). Mit Q4-Umsätzen von 794 Millionen Euro blieb Redcare in diesem Segment etwa 3 % unter den Markterwartungen – und das ausgerechnet in einem saisonal starken Quartal mit traditionell guter Nachfrage im OTC-Bereich. Marktbeobachter werten dies als Hinweis darauf, dass Preisdruck und Wettbewerb im Online-Non-Rx-Handel auf die Margen schlagen könnten.
E-Rezept als Wachstumstreiber
Ganz anders präsentiert sich das Bild im verschreibungspflichtigen Geschäft (Rx), insbesondere in Deutschland. Hier wächst Redcare deutlich schneller als der Gesamtmarkt und profitiert von der fortschreitenden Digitalisierung der Rezepte.
Zentrale Kennzahlen:
- Deutscher Rx-Umsatz 2025: 503 Mio. Euro, ein Plus von 98 % zum Vorjahr
- Q4 2025 deutscher Rx-Umsatz: 155 Mio. Euro, +59 % gegenüber dem Vorjahresquartal
- Rx-Umsatz in der DACH-Region 2025: 1 Mrd. Euro (2024: 750 Mio. Euro)
- Aktive Kunden: 13,9 Mio., ein Zuwachs von 1,4 Mio. binnen eines Jahres
- Net Promoter Score (Kundenzufriedenheit): Anstieg von 72 in Q3 auf 74 in Q4
Diese Zahlen unterstreichen, dass Redcare bei E-Rezepten und Rx-Onlinegeschäft klar auf der Überholspur ist. Das Problem: Dieses Wachstum muss mittelfristig auch in stabilere Margen und verlässlichere Profitabilität übersetzt werden, um die Skepsis im Non-Rx-Bereich zu kompensieren.
Wandel im Finanzprofil: Wandelanleihen
Kurzfristig richtet sich der Blick des Marktes auf eine fällige Zahlung aus der 2021/2028-Wandelanleihe. Am 21. Januar 2026 muss Redcare 64,5 Millionen Euro an jene Investoren zahlen, die ihre Put-Option ausgeübt haben. Dieser Schritt ist der letzte Baustein einer größeren Schuldenneuordnung, die 2025 angestoßen wurde.
Im April 2025 hatte Redcare eine neue Wandelanleihe über 300 Millionen Euro mit Laufzeit bis 2032 aufgelegt und gleichzeitig 157,9 Millionen Euro der alten 2021/2028-Anleihe zurückgekauft. Nach der nun anstehenden Zahlung verbleiben nur noch 2,6 Millionen Euro dieser Altanleihe ausstehend. Damit wird das Fälligkeitsprofil deutlich nach hinten gestreckt, was das Refinanzierungsrisiko strukturell reduziert.
Die Liquiditätsbasis wirkt dafür solide: Zum 30. September 2025 lagen liquide Mittel und kurzfristige Finanzanlagen (abzüglich Bankverbindlichkeiten) bei 265,6 Millionen Euro, nach 177,6 Millionen Euro zum Jahresende 2024. Aus Sicht vieler Investoren ist die Rückzahlung damit finanzierbar, auch wenn sie im aktuellen Umfeld zusätzlich im Hinterkopf bleibt.
Hoher Short-Anteil und Bewertungsrahmen
Rund 14 % der ausstehenden Aktien sind derzeit leerverkauft – ein im deutschen Markt überdurchschnittlich hoher Wert. Dieses Short-Interesse spiegelt deutliche Zweifel professioneller Investoren wider, vor allem mit Blick auf die Nachhaltigkeit der Margen und den harten Wettbewerb im Online-Non-Rx-Geschäft.
Fundamental liegt die Marktkapitalisierung bei rund 1,34 Milliarden Euro. Auf Basis des 2025er-Umsatzes von 2,9 Milliarden Euro ergibt sich ein Enterprise-Value/Umsatz-Verhältnis von etwa 0,56. Die Bewertung signalisiert damit, dass der Markt trotz starken Wachstums einen Abschlag für die Unsicherheit bei Profitabilität und Wettbewerb ansetzt.
Analysten zwischen Optimismus und Vorsicht
Die Analystenmeinungen fallen entsprechend uneinheitlich aus. Das durchschnittliche 12‑Monats-Kursziel liegt bei 142,75 Euro, wobei die Spanne von 74 bis 214 Euro reicht – eine ungewöhnlich breite Streuung, die die unterschiedlichen Szenarien für Wachstum und Margen widerspiegelt. Sechs Analysten empfehlen aktuell den Kauf, ein Sell-Rating liegt nicht vor.
Bemerkenswert ist die Einschätzung der UBS: Die Bank hat ihre Bewertung von „Sell“ auf „Neutral“ angehoben und ein Kursziel von 74 Euro gesetzt. Das liegt deutlich unter dem Konsens, zeigt aber, dass frühere, sehr negative Szenarien inzwischen etwas entschärft werden, ohne dass die Bank die Aktie bereits als klaren Gewinner sieht.
Ausblick: Zahlen im März als nächster Prüfstein
Der nächste wichtige Termin ist die Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2025 am 4. März 2026. Dann legt Redcare erstmals detailliert Profitabilitätskennzahlen für das abgelaufene Jahr sowie einen aktualisierten Ausblick für 2026 vor. Im Fokus stehen werden vor allem die Margen im Non-Rx-Geschäft, die weitere Skalierung des Rx-Segments und der Ausblick auf die Cash-Generierung nach Abschluss der Anleiherückzahlung. Diese Daten dürften entscheidend dafür sein, ob sich die aktuelle Skepsis löst oder der Druck auf die Aktie bestehen bleibt.
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