Die Übernahme von PSI Software durch Warburg Pincus ist faktisch entschieden. Der US-Finanzinvestor sichert sich über das öffentliche Angebot eine klare Mehrheit und bereitet den Rückzug von der Börse vor. Für die verbliebenen Minderheitsaktionäre stellt sich damit vor allem die Frage, wie es mit Handelbarkeit und Struktur der Beteiligung weitergeht – und genau hier liegen die entscheidenden Punkte dieser Transaktion.

Übernahme fast abgeschlossen

Warburg Pincus hat über die Bietergesellschaft Zest Bidco GmbH nach Abschluss der zusätzlichen Annahmefrist am 2. Januar 2026 insgesamt 81,72 % der PSI-Aktien gesichert. Darin enthalten sind:

  • angediente Aktien aus dem Übernahmeangebot
  • bereits zuvor gehaltene Anteile
  • ein Aktienkaufvertrag mit einem Ankeraktionär

Zusätzlich hielt der Investor zeitweise Cash-Settled-Finanzinstrumente auf 6,52 % der Aktien, dieser Anteil wurde inzwischen auf 1,52 % reduziert. Einschließlich aller Positionen kommt Warburg Pincus nun auf 83,24 % der Stimmrechte.

Die Mindestannahmeschwelle von 50 % plus einer Aktie wurde damit deutlich übertroffen. Bereits nach Ende der regulären Annahmefrist am 15. Dezember 2025 lag die Beteiligung bei rund 82 %. Die finalen Ergebnisse wurden am 8. Januar 2026 veröffentlicht. Das Closing der Transaktion wird im ersten Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich noch ausstehender Genehmigungen.

Die Fakten im Überblick

  • Bieter: Warburg Pincus über Zest Bidco GmbH
  • Beteiligung: 83,24 % der Stimmrechte nach Abschluss des Angebots
  • Angebotspreis: 45,00 Euro je Aktie
  • Bewertung: rund 702 Mio. Euro Eigenkapitalwert
  • Prämie: +84 % zum Kurs vom 8. Oktober 2025 (24,50 Euro)
  • Prämie: +63 % zum volumengewichteten Dreimonatsdurchschnitt vor Bekanntwerden der Gespräche
  • Delisting: nach Closing zeitnah vorgesehen

Der Angebotspreis von 45,00 Euro je Aktie bewertet PSI mit rund 702 Mio. Euro. Gegenüber dem ungestörten XETRA-Schlusskurs vom 8. Oktober 2025 ergibt sich eine Prämie von 84 %. Im Vergleich zum volumengewichteten Dreimonatsdurchschnitt vor der Ankündigung der Übernahmegespräche liegt die Aufschlag bei 63 %.

Delisting und Struktur der Aktionärsbasis

Warburg Pincus plant, PSI nach dem Settlement des Angebots so schnell wie möglich von der Börse zu nehmen. Der Vorstand unterstützt diesen Schritt ausdrücklich. CEO Robert Klaffus hatte bereits bei Bekanntgabe der Transaktion argumentiert, dass sich die langfristige Strategie außerhalb des Börsenumfelds besser umsetzen lasse.

Für verbleibende Minderheitsaktionäre hat ein Delisting spürbare Konsequenzen: Die Handelbarkeit der Aktien dürfte deutlich eingeschränkt sein, da der börsliche Handel entfällt und mögliche außerbörsliche Plattformen in der Regel deutlich weniger Liquidität bieten.

Wesentliche Eckpunkte der künftigen Struktur:

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  • Warburg Pincus wird Mehrheitsgesellschafter mit über 80 %
  • E.ON hält seine strategische Beteiligung von 17,77 % unverändert
  • Der frühere Ankeraktionär Norman Rentrop hat seine Anteile im Angebot angedient
  • Ein Teil seiner Erlöse, entsprechend rund 5,8 % des Grundkapitals, fließt in die Holdingstruktur von Warburg Pincus zurück

Im Investment Agreement hat sich Warburg Pincus verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren nach Closing keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (DPLTA) abzuschließen. Ein klassischer Squeeze-out wird in dem Text nicht erwähnt; im Fokus steht zunächst das Delisting.

Regulatorische Freigaben und Stimmrechte

Formell hängt der Vollzug der Übernahme noch an ausstehenden ausländischen Investitionskontroll-Genehmigungen. Das Bundeskartellamt hat bereits am 19. Dezember 2025 grünes Licht gegeben.

Am 9. Januar 2026 veröffentlichte Warburg Pincus eine aktualisierte Stimmrechtsmitteilung gemäß § 40 WpHG. Daraus geht hervor, dass Zest Bidco direkt 9,84 % der Stimmrechte hält und weitere 24,60 % über Finanzinstrumente kontrolliert. Zusammen sind das 34,43 % der Stimmrechte, die sich in dieser Mitteilung auf die meldepflichtigen Positionen beziehen und die im Kontext der Gesamtbeteiligung von 83,24 % zu sehen sind.

Strategische Ausrichtung unter Warburg Pincus

Mit dem Einstieg von Warburg Pincus soll die Transformation von PSI beschleunigt werden. Im Mittelpunkt steht der Umbau zu einem stärker auf Software-as-a-Service (SaaS), Cloud-native Lösungen und Industrial AI fokussierten Anbieter. Warburg Pincus verweist dabei auf seine Erfahrung im Software- und Energiesektor.

Die Kombination aus langfristig orientiertem Finanzinvestor, weiterhin beteiligtem strategischen Partner E.ON und der geplanten Entkopplung vom Kapitalmarkt schafft die Rahmenbedingungen für diese Neuausrichtung.

Konkreter Ausblick

Der nächste zentrale Termin ist das erwartete Closing im ersten Quartal 2026, nach Erhalt aller regulatorischen Freigaben. Direkt im Anschluss dürfte der formale Antrag auf Delisting folgen. Am 25. März 2026 will PSI den Jahresfinanzbericht 2025 vorlegen – voraussichtlich einer der letzten regulären Finanzberichte des Unternehmens in seiner aktuellen Form als börsennotierte Gesellschaft.

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